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Bundeswehr-Piloten verlieren Lizenzen wegen zu wenigen Flugstunden

Der Klarstand der Hubschrauber der Bundeswehr ist erschreckend niedrig. Im vergangenen Jahr verlor fast jeder siebte Helikopterpilot der Bundeswehr aufgrund fehlender "Realflugstunden" zumindest vorübergehend seine Lizenz.

4.05.2018

Der Kampfhubschrauber Tiger war auf der ILA 2018 im Solo Display und bei weiteren Vorführungen zu sehen. © Rudi Pilz

Auf der ILA 2018 in Berlin hatte die Bundeswehr im Flugprogramm und im Static Display Stärke gezeigt: NH90, CH-53, H145M LUH und Tiger flogen im Flying Display. Doch die Realität in den Verbänden sieht dramatisch anders aus, zeigt die Antwort des Parlamentarischen Staatssekretärs Peter Tauber auf eine schriftliche Anfrage der Bundestagsabgeordneten Agnieszka Brugger (Bündnis 90/Die Grünen). Sie offenbart – einmal mehr – die desolate Einsatzbereitschaft bei einem Großteil der Hubschrauber der Bundeswehr. Die Situation wurde bereits mehrfach vom Wehrbeauftragten des Deutschen Bundestages Hans-Peter Bartels thematisiert, zuletzt in der Beratung des Bundestages über die Jahresberichte der Jahre 2016 und 2017. Die Frage von Agnieszka Brugger sowie die Antwort Taubers wurden in der Drucksache 19/1763 des Deutschen Bundestages veröffentlicht.

ADAC hilft mit Flugstunden aus

Die Abgeordnete Brugger hatte unter anderem gefragt: „Wie viele Hubschrauberpilotinnen und -piloten der Bundeswehr haben in den vergangenen zwei Jahren ihre Fluglizenz verloren, weil sie nicht das Soll an Realflugstunden pro Jahr erfüllten?“

Verteidigungsstaatssekretär Peter Tauber antwortete, dass 2016 12 von 135 Hubschrauberpiloten ihre Lizenzen aufgrund mangelnder Realflugstunden verloren hätten. 2017 waren es sogar 19 von 129, also fast jeder siebte. Tauber führt in seiner Antwort aus, dass die Lizenzen im Rahmen von Wiedererwerbsschulungen neu erteilt wurden.

„Bei den wichtigsten Hubschraubertypen ist weiterhin nicht mal ein Drittel der verfügbaren Maschinen einsatzbereit“, sagte die Verteidigungspolitikerin Brugger. „Ministerin Ursula von der Leyen bekommt die desolate Situation bei den Hubschraubern kein bisschen in den Griff“.

Im vergangenen Jahr hatte das zeitweilig ausgesprochene Flugverbot für den Kampfhubschrauber Tiger nach einem Absturz in Mali die Flugstunden-Situation für die Besatzungen noch einmal verschärft.

Um kurzfristig Abhilfe zu schaffen, hat die Bundeswehr im Dezember vergangenen Jahres mit dem ADAC einen Vertrag über die Abnahme von 6.500 Flugstunden H135 zwischen März 2018 und Dezember 2020 geschlossen. Der Auftragswert beträgt rund 21 Millionen Euro.

Volker K. Thomalla

 

 

 

 

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Über Volker K. Thomalla

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Volker K. Thomalla ist Chefredakteur von aerobuzz.de. Er berichtet seit über 30 Jahren als Journalist über die Luft- und Raumfahrt. Von 1995 bis 2016 leitete er als Chefredakteur die Redaktion aerokurier, von 2000 bis 2016 zusätzlich die Redaktionen FLUG REVUE und Klassiker der Luftfahrt. Thomalla ist seit 2016 Chefredakteur des englischsprachigen Business-Aviation-Magazins BART International. Er hat mehrere Bücher über die Luftfahrt geschrieben und als Privatpilot auch praktische Flugerfahrung gesammelt.

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