Homepage » Militär » Bundeswehr will MQ-4 Triton beschaffen

Mit der Ausmusterung der Breguet Atlantic SIGINT im Jahr 2010 hat die Bundeswehr eine wichtige Aufklärungsfähigkeit verloren. Eigentlich sollte diese durch die EuroHawk-Drohne geschlossen werden, doch das Projekt geriet zum Debakel. Nun wird stattdessen als Plattform der MQ-4C Triton von Northrop Grumman bestellt und mit dem ISIS-Aufklärungssystem bestückt.

8.03.2017

Northrop Grumman hat das Aufklärungssystem MQ-4C Triton in Zusammenarbeit mit und für die US Navy entwickelt. Foto: Alan Radecki © Northrop Grumman

Insgesamt drei hochfliegende Unmanned Aerial Systems (UAS) vom Typ Northrop Grumman MQ-4 Triton will die Bundeswehr nach einer Entscheidung des Generalinspekteurs beschaffen, teilte das Verteidigungsministerium am Mittwoch mit. Die unbemannten Fluggeräte sollen mit dem Aufklärungssystem ISIS ausgestattet werden, das für das gescheiterte und 2013 abgebrochene EuroHawk-Projekt entwickelt worden war. Die Entscheidung des Generalinspekteurs Volker Wieker stütze sich auf die hohe Zulassungswahrscheinlichkeit des Triton sowie die zwischenzeitlich nachgewiesene Qualität des Aufklärungssystems ISIS, hieß es aus dem Ministerium. Das „luftgestützte Signalerfassungssystem zur weiträumigen Überwachung und Aufklärung (SLWÜA)“ wird voraussichtlich ab 2025 einsatzbereit sein.

Das im Oktober 2014 neu aufgestellte Luftfahrtamt der Bundeswehr hat vor der Entscheidung die Zulassbarkeit des Luftfahrzeuges untersucht und positiv beurteilt. Der Triton wurde von Northrop Grumman für die US Navy entwickelt, die dem Luftfahrtamt für die Zertifizierung die Ergebnisse der Erprobung und Dokumentationen zur Verfügung stellen will.

Full Scale Demonstrator wird nicht mehr fliegen

Nach Abbruch des EuroHawk-Projekts 2013 hatte die Bundeswehr zunächst den für den Testbetrieb vorgesehenen Full Scale Demonstrator (FSD) in Manching eingemottet, um ihn bei Bedarf für die Erprobung des ISIS-Aufklärungssystems heranziehen zu können. Allerdings stockten nach Angaben des Ministeriums die Verhandlungen über die Kosten des Testbetriebs mit der EuroHawk GmbH, was einerseits zu einer weiteren Verzögerung und andererseits zu einer deutlichen Erhöhung der Projektkosten geführt hätte. Für diese Test waren 23 Millionen Euro eingeplant.

Die US Navy plant die Anschaffung von 68 Einheiten des Triton. Neben der Bundeswehr hatte Australien bereits 2014 angekündigt, bis zu sieben MQ-4C Triton für die Royal Australian Air Force (RAAF) beschaffen zu wollen.

Der MQ-4C Triton kann bis zu 24 Stunden in der Luft bleiben und fliegt in Höhen bis zu 55.000 Fuß (16.700 Meter). Das AUS wird bei Northrop Grumman in Palmdale, Kalifornien, gebaut.

Über Volker K. Thomalla

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Volker K. Thomalla ist Chefredakteur von aerobuzz.de. Er berichtet seit über 30 Jahren als Journalist über die Luft- und Raumfahrt. Von 1995 bis 2016 leitete er als Chefredakteur die Redaktion aerokurier, von 2000 bis 2016 zusätzlich die Redaktionen FLUG REVUE und Klassiker der Luftfahrt. Thomalla ist seit 2016 Chefredakteur des englischsprachigen Business-Aviation-Magazins BART International. Er hat mehrere Bücher über die Luftfahrt geschrieben und als Privatpilot auch praktische Flugerfahrung gesammelt.

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