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Berlin Airlift 70 bringt Rosinenbomber wieder nach Berlin

2019 jährt sich das Ende der Berliner Luftbrücke zum 70. Mal. Fast ein Jahr lang hatten die Luftstreitkräfte der Westmächte die Versorgung des von den Sowjets blockierten Westteils von Berlin aus der Luft sichergestellt. Die Initiative "Berlin Airlift 70" wird deswegen im nächsten Jahr eine Luftbrücke mit noch fliegenden Douglas C-47/DC-3 nachstellen. Auf der ILA stellten die Initiatoren das Projekt vor, da sie noch Sponsoren suchen.

29.04.2018

Jörg Siebert, Peter Braun und Thomas Keller sind die Initiatoren des Projekts "Berlin Airlift 70", das sie auf der ILA 2018 vorgestellt haben. © Volker K. Thomalla

Die Idee, mehrere Douglas DC-3 beziehungsweise Douglas C-47 zu einem gemeinsamen Flug nach Berlin einzuladen, um damit an das Ende der Berliner Luftbrücke im Mai 1949 zu erinnern, kam den drei Fallschirmspringern Thomas Keller, Peter Braun und Jörg Siebert am Abend eines gemeinsamen Sprungcamps in der Normandie.

Aus der Idee wurde ein konkretes Projekt mit dem Namen „Berlin Airlift 70“. Die Initiatoren kontaktierten DC-3-Betreiber aus der ganzen Welt, um auszuloten, ob sie an einer solchen Veranstaltung teilnehmen würden, und die Resonanz war ausgesprochen positiv, berichtet Thomas Keller. Bis zur ILA in Berlin haben 35 DC-3 ihre Teilnahme zugesagt. Einige dieser Transportflugzeuge hatten damals sogar an der Luftbrücke teilgenommen.

Transatlantikflug mit 15 Rosinenbombern

15 der Transporter haben heute ihre Heimat in den Vereinigten Staaten, einer in Südamerika und einer in Australien. Eine DC-4 aus Südafrika will sich ebenfalls auf dem Weg machen. Der Rest der Teilnehmer kommt aus verschiedenen Staaten Europas. Im Mai/Juni nächsten Jahres werden sich die amerikanischen C-47/DC-3 auf den Weg machen und über Goose Bay in Kanada, Narsassuaq auf Grönland, Reykjavik in Island nach Europa fliegen.

„Dies ist die letzte Gelegenheit, ein solches Ereignis zu organisieren“, ist sich Thomas Keller sicher. Das Alter der Flugzeuge und die zunehmende schwierige Ersatzteilversorgung werde in naher Zukunft solche Unternehmen nicht mehr ermöglichen. Auf der ILA wollte die Initiative eigentlich eine Lisunow Li-2 (eines DC-3-Nachbaus) aus Ungarn im Static Display ausstellen. Jedoch gab beim Anlassen eines der beiden Motoren einer der Zylinder seinen Geist auf, und die Li-2 konnte nicht nach Berlin kommen. Solche Pannen können den betagten Oldtimern auch im nächsten Jahr auf dem Weg nach Berlin passieren.

Auch zwei Ju 52 werden mitfliegen

Neben den DC-3 und C-47 werden auch zwei Ju 52 dabei sein, da zu Beginn der Luftbrücke von Frankreich auch dieses Muster zur Versorgung von West-Berlin eingesetzt wurde. Allerdings nur für kurze Zeit, denn die langsamen Junkers-Dreimots passten nicht in die Kette der schnelleren C-47 und C-54 und wurden abgezogen. Als Begleitflugzeuge des „Berlin Airlift 70“ sind mehrere T-6 vorgesehen.

Am 10. Juni 2019 werden die Luftbrücken-Teilnehmer auf der Wiesbaden Air Base in Erbenheim eintreffen. An diesem Tag soll in Erbenheim auch ein deutsch-amerikanisches Freundschaftsfest auf der Air Base stattfinden. Am 12. Juni fliegen sie dann weiter nach Faßberg, um von dort am 15. Juni nach Berlin aufzubrechen. Dieser Flug wird einer der Höhepunkte des Berlin Airlift 70, denn die Flugzeuge starten – wie seinerzeit während der Luftbrücke – im Minutentakt in Richtung Berlin.

Auf einem der Berliner Luftbrücken-Airports können die Teilnehmer aber nicht landen. Tegel operiert an der Kapazitätsgrenze, Tempelhof ist geschlossen, und in Gatow findet kein regelmäßiger Flugbetrieb mehr statt. In Gatow wollen die Rosinenbomber den Abwurf von Süßigkeiten nachstellen, wie ihn US-Piloten während der Luftbrücke praktiziert haben. Die Rosinenbomber werden auf dem Flugplatz Schönhagen südlich von Berlin landen, wo sie bis zum 18. Juni bleiben werden. Danach kehren sie wieder zu ihren Heimatflugplätzen zurück.

„Luftbrücke zum Anfassen“

Thomas Keller sieht die ganze Initiative aber nicht als rein retrospektivische Veranstaltung. Er will Kindern und Jugendlichen mit dieser Aktion nahebringen, was Menschen erreichen können, egal wie verzweifelt die Lage aussieht. Die Lebensmittelversorgung zu Beginn der Luftbrücke 1948 war schlechter als im Mai 1945. Berlin stand zu Beginn der Blockade am Rand einer humanitären Katastrophe.

Deshalb wird es Projekte mit verschiedenen Schulen, zum Beispiel in Faßberg und in Berlin-Spandau geben. mehrtägigen öffentlichen Veranstaltungen sowie Schul- und Jugendprojekten. Die Luftbrücke wird damit für die heutige Generation sichtbar und erlebbar sein. Das Projekt hat die Unterstützung unter anderem der Bundeswehr und der US Air Force. Dennoch benötigt „Berlin Airlift 70“ noch weitere Sponsoren, um die Kosten des Projekts zu decken. Ein eigener Förderverein wurde zu diesem Zweck gegründet.

Die Initiatoren denken auch über eine Wanderausstellung nach, die auch nach Abschluss von „Berlin Airlift 70“ den Geist der Luftbrücke, der größten humanitären Hilfsaktion in der Geschichte der Luftfahrt, transportieren soll.

 

 

Stichwort Berliner Luftbrücke

Fast ein Jahr lang, vom 24. Juni 1948 bis zum 12. Mai 1949 versorgten die Westmächte West-Berlin ausschließlich aus der Luft. Die Sowjets hatten als Reaktion auf die Währungsreform die Straßen- und Schienenverbindungen zu den West-Sektoren der geteilten Stadt blockiert. Die Flugzeuge der West-Alliierten flogen 2,1 Millionen Tonnen Hilfsgüter jeglicher Art vorzugsweise mit Douglas C-47 und Douglas C-54 zu den Flughäfen Gatow und Tempelhof. Gatow hatte die größte Zahl an Flugbewegungen, während Tempelhof den größten Frachtumschlag bewältigte. Insgesamt waren 17 verschiedene Flugzeugtypen im Einsatz.

Die Transporter starteten und landeten im Minutentakt. Musste eine Besatzung durchstarten oder konnte aus irgendeinem Grund nicht landen, flog sie voll beladen wieder zurück zu ihrem Stützpunkt, da sie in nicht in die dichte Reihe der hinter ihr fliegenden Maschinen eingereiht werden konnte.

Die Briten nutzten Wasserflugboote und flogen beispielsweise Salz von Finkenwerder nach Berlin. Sie landeten auf der Havel und auf dem Wannsee.

 

 

Über Volker K. Thomalla

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Volker K. Thomalla ist Chefredakteur von aerobuzz.de. Er berichtet seit über 30 Jahren als Journalist über die Luft- und Raumfahrt. Von 1995 bis 2016 leitete er als Chefredakteur die Redaktion aerokurier, von 2000 bis 2016 zusätzlich die Redaktionen FLUG REVUE und Klassiker der Luftfahrt. Thomalla war von 2016 bis 2018 Chefredakteur des englischsprachigen Business-Aviation-Magazins BART International. Er hat mehrere Bücher über die Luftfahrt geschrieben und als Privatpilot auch praktische Flugerfahrung gesammelt.

1 Kommentar

  • Heiko Stiller

    Wäre wunderbar, wenn die in den USA jüngst flugfähig restaurierte Boeing C-97 „Stratofreighter“ der Berlin Foundation auch herüberkommen würde. 1948/49 war die C-97 das modernste und leistungsfähigste Transportflugzeug, das nach Berlin eingeflogen ist, wenn auch nur in geringen Stückzahlen.

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