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Bruce Dickinson ist Leadsänger von Iron Maiden, Boeing 747-Pilot, Weltklasse-Fechter und Buchautor. Erst in diesem Jahr ist seine Autobiografie "What does this Button do?" auf deutsch erschienen. Wir trafen ihn in Köln zu einem Exklusiv-Interview.

3.05.2018

Bruce Dickinson ist ein Entertainer, der seine Autobiografie "zum Fressen gern" hat. © Jörg Adam

Bruce Dickinson kommt mit einer Verspätung, die man in der Luftfahrt noch als On-time-Arrival betiteln würde, zum Interview. Dabei hat er am Abend zuvor nach einer Late-Night Talkshow mit Markus Lanz nur wenig Schlaf gefunden, da neben seinem Hotel eine Dampframme die ganze Nacht Spundwände auf einer Baustelle eingeschlagen hat. Im Interview ist er aber hellwach und zeigt nicht nur, dass er ein begnadeter Erzähler ist, sondern auch ein aufmerksamer Interviewpartner.

Interview mit Bruce Dickinson

 

Seine Autobiografie ist kurzweilig geschrieben und spart auch die Rückschläge nicht aus, die er erlebt hat, unter anderem durch die Diagnose Zungenkrebs, die einen mehrwöchige Chemo- und Strahlentherapie erforderlich machte. Mit großer Leidenschaft erzählt Dickinson im Interview mit Aerobuzz, woher seine Leidenschaft für die Luftfahrt stammt. Die Frage, „What does this button do? – so der Titel seiner Lebensgeschichte – ist eine Metapher für seine Neugierde und seine Leidenschaft, immer Dinge zu hinterfragen und Neues auszuprobieren.

 

 

Aerobuzz: Wie sind Sie überhaupt zur Fliegerei gekommen?

Bruce Dickinson: Das begann, als ich drei oder vier Jahre alt war. Der Bruder meines Großvaters, der gleichzeitig mein Patenonkel war, hatte als Mechaniker in der Royal Air Force auf Malta gedient. Auch mein Onkel war zunächst in der RAF, dann arbeitete er bei British Airways an allen möglichen Flugzeugtypen. Ich war in meine Kindheit immer von Luftfahrt umgeben.

Ich habe als Kind immer Modellflugzeuge gebaut. Als ich einmal drei Focke Wulf 190 fertig gebaut hatte, fragten mich die anderen Kinder, warum ich denn drei Flugzeuge vom selben Typ gebaut hätte. Ich entgegnete ihnen: Ihr seid dumm. Das ist doch eine Gruppe! Für sie machte das überhaupt keinen Sinn.

Als ich aufwuchs, war die Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg noch sehr präsent. Deswegen gehören für mich noch heute die Flugzeuge aus dieser Zeit sowie die frühen Jets aus dem Kalten Krieg – Starfighter, Phantom, Lightnings – zu den schönsten Flugzeugen, die es gibt. Wir waren mehrfach bei dem Stützpunkt RAF Finningley zum Air Display. Das waren wilde Zeiten, es gab scheinbar keine Regeln. Ich erinnere mich an das Display einer Lightning, die im Rückenflug in extremem Tiefflug die Piste entlangdonnerte. Wenn ich nicht auf den Schultern meines Onkels gesessen hätte, hätte ich sie nicht gesehen. Das war einfach faszinierend! Da gab es für mich nur einen Gedanken: Ich werde Fighter-Pilot!

Bruce Dickinson nutzt beim Gespräch sein volles Repertoire an Mimik und Gestik, um seinen Standpunkt zu vertreten. © Jörg Adam

 

Wurden Sie dann Fighter-Pilot?

Nein, ich war einfach schlecht in Mathe. Das war am Ende gut für das Musik-Business.

Sie sind Musiker, Pilot, Komponist, Buchautor, Bierbrauer und Weltklasse-Fechter. Wie bringt man alle diese Aktivitäten in einem normalen Tag unter?

Das schafft man nicht. Man kann immer nur einer Aktivität gleichzeitig nachgehen, wenn man etwas richtig machen will. Mein Vater war Mechaniker und hat sein Leben lang an Autos geschraubt. Ich habe sein Talent, Sachen zu reparieren, nicht geerbt, aber er hat sich immer auf eine Sache konzentriert, und das habe ich von ihm gelernt.

So war das auch beim Fliegen lernen. Unser Drummer brachte mich darauf, selber zu fliegen. Er hatte sogar seine Pilotenlizenz noch vor mir. Er war ein sehr guter Pilot, als Drummer verfügt man ja auch über eine sehr gute Motorik und Augen-Hand-Koordination. Ich bin mit ihm ein paar Mal geflogen.

Als ich dann einmal in Florida in Kissimmee im Urlaub war, habe ich einfach einen Schnupperflug in einer Cessna 150 gebucht. Und da war’s endgültig um mich geschehen. Von da an bin ich an jedem Tag meines Urlaubs zurück zum Flugplatz gegangen und bin jedes Mal eine Stunde geflogen. Meiner Frau hat das nicht so richtig gefallen, denn sie wusste ja, was passiert, schließlich war auch ihr Vater Pilot. Er war am D-Day in Frankreich mit L-4 Grasshopper geflogen, im Korea-Krieg und Helikopter in Vietnam. Seine Frau hat mir später seinen Helm und seinen Fliegeroverall gegeben, was eine große Ehre für mich war.

Und das war der Beginn ihrer Pilotenkarriere?

Ja, denn nach einer Woche fragte mich der Fluglehrer, was ich denn in der nächsten Woche vorhätte. Ich sollte doch mein Medical machen und Flugstunden nehmen. Gesagt, getan. Nach fünf Tagen Training hatte ich schon 80 Landungen. Bis ich den Schein dann hatte, vergingen fast noch eineinhalb Jahre. Die Theorie war kein Problem, denn ich hatte ja aufgrund meiner Familie schon viel gehört von Auftrieb und Widerstand und die Luftfahrttechnik, wurde mir ja quasi in die Wiege gelegt.

Ich musste Physik und Mathe lernen, aber da erkannte ich, dass es gar nicht so schwer war.

Bruce Dickinson ist nicht nur ein begnadeter Erzähler, er ist auch ein aufmerksamer Interviewpartner. © Jörg Adam

Wie ging es dann weiter?

Relativ schnell nachdem ich meine FAA-Linzen erworben hatte, legte ich noch ein Twin-Rating darauf, da ich weder bei Nacht noch bei schlechtem Wetter mit einem Flugzeug mit nur einem Triebwerk fliegen wollte. Als ich zurück nach Europa kam, wollte ich meine Instrumentenflug-Berechtigung machen, aber mir wurde schnell klar, dass der Aufwand für das IFR-Rating damals ähnlich hoch war wie für den ATPL. Ich setzte mich also zu Hause hin und lernte per Fernstudium für die ATPL-Theorie. Und das war noch zu der Zeit, als die Behörden weder die Prüfungsfragen noch die Antworten veröffentlichten.

Da gab es noch kein Multiple Choice?

Nein, das gab es damals nicht. Der schwierigste Part der Prüfung war für mich aber das Morsen. Die Aufgaben waren in weniger als 30 Sekunden zu Ende – und ich stand da und fragte mich: ‚Was war das denn jetzt?‘ Aber ich habe es geschafft, und habe danach noch den Fluglehrer drangehängt. Ich hatte gehofft, einen Job als Frachtflieger in einer Turboprop oder so etwas zu ergattern, denn viele meiner Freunde hatten einen Cockpitjob bei Airlines bekommen.

Ich kaufte mir dann eine 1973 gebaute Cessna 421 Golden Eagle und flog mit ihr zu Konzerten von mehreren Tourneen. Ich habe mit ihr auch mehrfach den Atlantik überquert. Auf einem Leg von Goose Bay nach Narsarsuaq ging plötzlich ein Warnlicht an, dass ein Triebwerk brennt. Ich schaute aus dem Fenster und sah kein Feuer, aber ich sah Qualm aus dem Triebwerk kommen. Das war aber kein Rauch von einem Triebwerksbrand, sondern die Abgase, die in einer Flughöhe von 25.000 Fuß so aussehen. Also schaltete ich den Motor ab und landete auf dem nächsten Flugplatz in Grönland.

Star ohne Allüren: Bruce Dickinson kommt im Interview authentisch rüber. Er hat seine Autobiografie ohne Ghostwriter geschrieben. © Jörg Adam

Wie gelang ihnen dann der Sprung in das Airline-Cockpit?

Ich flog die 421 ohne Autopilot, fast immer nur manuell, fast immer Single Pilot. Die Arbeitsbelastung war schon enorm, besonders das Engine Handling verlangt Aufmerksamkeit. Es war ein wunderbares Flugzeug.

Dann flog ich mit einem Freund in einem 737-Simulator, weil dieser für ein Screening bei einer Airline üben wollte. Der Simulatorlehrer fragte mich, ob ich schon einmal 737 geflogen hätte, was ich verneinte. Nach der Session gingen wir mit dem Lehrer noch in einen Pub und er sagte mir bei einem Bier, dass ich auf jeden Fall einen Job bei einer Airline bekommen könnte.

Drei Monate später erhielt ich einen Anruf, dass ich einen Job haben könnte und begann mein Type Rating auf der Boeing 757. Ich konnte zwar fliegen, hatte aber keine Idee von einem Airline-Flugbetrieb. Da habe ich noch sehr, sehr viel gelernt. Und dann wurde ich von der Fluggesellschaft angestellt. Die erste Airline ging allerdings schon sechs Monate, nachdem ich dort angefangen hatte, pleite.

Dann flog ich die 757 viel in Richtung Afrika, nach Sierra Leone, in den Libanon und nach Gambia. Und nun habe ich eine eigene Airline, seit 2012 einen Maintenance-Betrieb in Cardiff und einen Flugzeugvertrieb. Der Maintenance-Betrieb wächst und kann Boeing 737, 757, 767 und Airbus A320 warten.

 

Das Gespräch führte Volker K. Thomalla, die Fotos stammen von Jörg Adam.

 

Die Autobiografie von Bruce Dickinson ist in Deutschland im Heyne-Verlag erschienen. © Jörg Adam

 

 

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Über Volker K. Thomalla

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Volker K. Thomalla ist Chefredakteur von aerobuzz.de. Er berichtet seit über 30 Jahren als Journalist über die Luft- und Raumfahrt. Von 1995 bis 2016 leitete er als Chefredakteur die Redaktion aerokurier, von 2000 bis 2016 zusätzlich die Redaktionen FLUG REVUE und Klassiker der Luftfahrt. Thomalla war von 2016 bis 2018 Chefredakteur des englischsprachigen Business-Aviation-Magazins BART International. Er hat mehrere Bücher über die Luftfahrt geschrieben und als Privatpilot auch praktische Flugerfahrung gesammelt.

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