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Update: Ju 52 in der Schweiz abgestürzt – 20 Tote

Beim Absturz einer Ju 52 der schweizerischen Ju Air hat es gestern 20 Opfer gegeben, bestätigte die Kantonspolizei Graubünden auf einer Pressekonferenz. Das Flugzeug war auf die Westflanke des Piz Segnas nördlich von Flims gestürzt. Es war der zweite Flugzeugabsturz an diesem Tag in der Schweiz.

5.08.2018

Das Wrack der Ju 52 liegt auf einer Höhe von 2.540 Meter unterhalb des Segnas-Passes an der Grenze der beiden Kantone Graubünden und Glarus. © Kantonspolizei Graubünden

Der Absturz einer Ju 52 der schweizerischen JU-Air gestern hat eine große Rettungsaktion ausgelöst, an der fünf Hubschrauber und viele Rettungskräfte beteiligt waren. Allerdings fanden die Retter keine Überlebenden mehr. Neben 17 Passagieren befanden sich auch 2 Piloten und eine Flugbegleiterin an Bord des Flugzeugs, bestätigte Polizei-Hauptmann Andreas Tobler von der Kantonspolizei Graubünden auf einer Pressekonferenz am Sonntag. Unter den Opfern befinden sich 17 Schweizer und drei Österreicher. Die Opfer sind zwischen 42 und 84 Jahre alt.

Zehn Minuten vor dem Absturz hatten zahlreiche Beobachter die 1939 gebaute Ju 52 mit dem Kennzeichen HB-HOT der schweizerischen Ju Air noch fotografiert. Gegen 16.25 Uhr stürzte sie an der Westflanke des Piz Segnas westlich von Chur in 2.450 Meter Höhe ab. Bilder von Unfallstelle zeigen ein vollkommen zerstörtes Wrack.

Die HB-HOT sollte nach Dübendorf

Die HB-HOT war in Locarno gestartet und sollte gegen 17.00 Uhr in Dübendorf bei Zürich eintreffen. Daniel Knecht von der Flugunfalluntersuchungsstelle der Schweiz (SUST) sagte auf der Pressekonferenz, dass das Flugzeug nahezu senkrecht und mit hoher Geschwindigkeit aufgeprallt sei. Der Grund für diese Fluglage müsse noch ermittelt werden. Eine vorherige Kollision mit einem Seilbahnseil oder mit einem anderen Flugzeug schloss er nach dem momentanen Stand der Untersuchung aus.

Aufgrund der Topographie gäbe es nur wenige Radaraufzeichnungen. Die Ju 52 wird ohne Datenaufzeichnungssysteme (Black Box) betrieben, so dass sich die Unfallermittler bei ihren Untersuchungen auf die Auswertung des Wracks konzentrieren müssen.

Es gebe Augenzeugen des Absturzes, über deren Aussagen wollte Andreas Tobler jedoch nichts sagen. Mit der Bergung des Wracks wurde noch nicht begonnen. Dazu muss zunächst die Unfallaufnahme und Dokumentation abgeschlossen sein. Die Bergung der Opfer sei noch im Gange, so Andreas Tobler.

Kurt Waldmeier, der Geschäftsführer der JU-Air, äußerte sich ebenfalls auf der Pressekonferenz. Er sagte: „Der gestrige Tag war der schwierigste Tag in den 36 Jahren der JU-Air.“ Die verunglückte Ju 52 sei im Juli zuletzt gewartet worden. An dem Flugzeug seien keine technischen Mängel bekannt gewesen. Beide Piloten seien sehr erfahrene Piloten mit je über 30 Jahren Flugerfahrung gewesen, sie waren aktiv in der Luftwaffe und im kommerziellen Fluggeschäft.

JU-Air hat den Flugbetrieb eingestellt

Die JU-Air habe bis auf weiteres den Flugbetrieb eingestellt. Es sei momentan nicht absehbar, wann er wieder aufgenommen werde. Eine Wiederaufnahme des Flugbetriebs würde in Absprache mit den Behörden geschehen, sagte Waldmeier.

Das Schweizer Bundesamt für Zivilluftfahrt (BAZL) hat eine Luftraumsperre rund um die Absturzstelle erlassen. Piloten, die in diese Gegend fliegen wollen, sollen sich vor dem Start per NOTAM über die aktuelle Situation informieren. Das gestern veröffentlichte NOTAM lautet:

LS W1440/18
B)2018AUG04 1610 C)2018AUG05 2359 EST
E)TEMPO R-AREA ESTABLISHED AT SEGNASPASS RADIUS 9.3 KM
(465408N0091329E RADIUS 5.0 NM). DUE TO RESCUE MISSION, ENTRY
PROHIBITED FOR CIV ACFT EXC HEL EMERG MEDICAL SER (HEMS).
F)GND
G)FL130

Die Staatsanwaltschaft die SUST und die Kantonspolizei Graubünden führen ihre Ermittlungen zur Klärung der Unfallursache.

Die JU-Air hatte eine Flotte von vier Ju 52, darunter eine, die in Mönchengladbach im Hangar steht und nicht mehr fliegt. Mit den Ju 52 HB-HOS, HB-HOP und HB-HOT führte die JU-Air in ganz Europa Rundflüge durch, die sehr populär sind. Die JU-Air ist dafür bekannt, dass sie nur sehr erfahrene Piloten die Ju 52 fliegen lässt.

Der Absturz der HB-HOT war der zweite Flugzeugabsturz an diesem Tag in der Schweiz. Zuvor war eine TB 10 bei Hergiswil unweit von Luzern abgestürzt. Bei diesem Absturz waren vier Menschen ums Leben gekommen.

Volker K. Thomalla

 

 

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Über Volker K. Thomalla

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Volker K. Thomalla ist Chefredakteur von aerobuzz.de. Er berichtet seit über 30 Jahren als Journalist über die Luft- und Raumfahrt. Von 1995 bis 2016 leitete er als Chefredakteur die Redaktion aerokurier, von 2000 bis 2016 zusätzlich die Redaktionen FLUG REVUE und Klassiker der Luftfahrt. Thomalla ist seit 2016 Chefredakteur des englischsprachigen Business-Aviation-Magazins BART International. Er hat mehrere Bücher über die Luftfahrt geschrieben und als Privatpilot auch praktische Flugerfahrung gesammelt.

1 Kommentar

  • Jürgen Bossler

    Hallo,
    bin sehr bestürzt über den Absturz der Ju und traurig über den Tod von 20 Menschen,
    bin selbst noch mit der HB – HOT 2017 von Mainz Finthen zu einem Rundflug über das
    Rheintal geflogen,war ein wunderschönes Erlebnis.
    Meine Gedanken sind bei den Toten und deren Angehörigen.

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