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Mit der Stearman über den Friesischen Inseln

Seit 2014 ist eine Boeing Stearman auf dem "grünsten Flugplatz der Niederlande" zu Hause. Der Flugplatz Texel (ICAO-Code EHTX) liegt auf der friesischen Insel Texel. Wir haben die Stearman in einer Cessna 172 bei einem Fotoflug nach Hilversum begleitet.

9.09.2019

Flüge über Wasser sind Routine, wenn das Flugzeug wie diese Boeing Stearman, auf einer Insel beheimatet ist. © Bob Fischer

Die Boeing Stearman mit dem Kennzeichen N1944S ist ein Flugzeug mit einer erstaunlich niedrigen Flugstundenzahl, wenn man ihr Alter bedenkt. Sie hat nur rund 2.500 Flugstunden im Logbuch stehen, die meisten ihrer Artgenossen kommen locker auf die doppelte Anzahl.

Der Doppeldecker wurde 1942 von Boeing in Wichita im US-Bundesstaat Kansas als PT-13D (Model E-75) gebaut. Sie gehörte zu einem der letzten Baulose der US Army Air Force (USAAF) für dieses Muster. Im Gegensatz zu den späteren PT-17 waren die PT-13D mit einem Neunzylinder-Sternmotor von Lycoming mit 167 kW (225 PS) Startleistung ausgerüstet. Insgesamt wurden nur 353 Exemplare dieser Version gefertigt. Die PT-17 dagegen wurden von Continental R-670-Sternmotoren angetrieben.

Boeing Stearman N1944S

Die PT-13D diente zunächst bei der US Army Air Force in Colorado als Anfängertrainer. Ihre Hersteller-Seriennummer lautet 75-5864, ihre Registrierung bei den US-Streitkräften lautete 42-17701.

Auch nach ihrer Ausmusterung im Jahr 1956 blieb die Stearman in Colorado und wechselte einige wenige Male ihren Besitzer. Rudolph Eskra, ein ehemaliger B-29-Navigator, hatte den Doppeldecker 1979 gekauft und einer Komplettüberholung unterzogen.

Gewinner in Oshkosh

Mit dem frisch restaurierten Schulflugzeug flog er Anfang der 90er Jahre nach Oshkosh und gewann gleich einen Preis für die Restaurierung. Nach 30 Jahren trennte sich Eskra von seiner N1944S und verkaufte sie in die Niederlanden.

Der neue Besitzer, Ruud Krens, ließ die Stearman nach Hoogeveen transportieren, wo sie Ende November 2009 eintraf. Krens verkaufte die PT-13D 2104 an Ruud Heinen, der sie auf dem Flugplatz Texel stationierte. Dort ist sie noch heute zu Hause. Heinen war Search-and-Rescue (SAR)-Pilot und betreibt das Flugzeug zusammen mit Ferry van der Geest, einem ehemaligen Fighter-Piloten der Royal Netherlands Airforce, der NF-5, F-104 und F-16 geflogen ist. Beide fliegen auch heute noch als Berufspiloten, van der Geest bei Turkish Airlines auf der Boeing 777, und Ruud Heinen bei Wiking Helicopters Germany.

Ruud fliegt schon seit 1990 Boeing Stearman und ist in der Spornradflieger-Szene gut unterwegs. Er ist zusätzlich noch Wartungsingenieur und ein Zauberer bei allen technischen Fragen rund um ältere Flugzeuge.

Ferry hatte Spornrad-Erfahrung bei seiner Ausbildung zum Militärpiloten auf der Piper Super Cub gesammelt. Dieses Muster hatte er auch nach seiner Militärzeit privat geflogen, bis er durch Ruud mit dem Stearman-Virus infiziert wurde.

Weitere Projekte in Arbeit

Nicht nur die Stearman verbindet die beiden Piloten, sondern auch weitere Restaurierungsprojekte. So haben Krens, Heinen und Jack van Egmond die Zelle der Supermarine Spitfire MK732 unter der Aufsicht von Heinen auf der Deelen Air Force Base restauriert.

In diesem Jahr wurde die Boeing Stearman wieder mit ihrer Original-Lackierung und dem taktischen Kennzeichen 306 versehen – eine Hommage an die Staffel, in der Ferry van der Geest sowohl die RF-104G als auch die RF-16A flog.

Um die Flugzeuge gut unterzubringen, wird ein neuer Hangar auf dem Texel Airport gebaut. Den Hangar müssen sich die Flugzeuge unter anderem mit einer Cessna 340 teilen. Dort soll auch eine Agusta Bell UH-1, die früher bei der Royal Netherlands Navy im Einsatz war, ihre neue Heimat finden. Der Hubschrauber ist noch nicht wieder flugfähig, aber Ruud Heinen will ihn wieder in die Luft bringen. Er wäre dann der einzige Helikopter der niederländische Marine, der auch nach seiner Ausmusterung noch fliegt.

Bob Fischer

 

 

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Über Bob Fischer

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Bob Fischer ist PPL-Inhaber mit diversen Ratings. Er veröffentlicht regelmäßig Beiträge in Luftfahrtmagazinen auf der ganzen Welt. Bob hat eine große Erfahrung in Air-to-air-Fotografie mit Jets, Kolbenmotor- und Turbopropflugzeugen.

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