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Nationaal Militair Museum Soesterberg: Militärluftfahrt hautnah

Sommerferien und keine Idee, wo man hinfahren kann? Nach Soesterberg! Seit seiner Eröffnung Ende 2014 hat sich das niederländische Nationaal Militair Museum (NMM) in Soesterberg zu einem wahren Besuchermagnet entwickelt. Die Geschichte der niederländischen Militärluftfahrt, zum Teil eng mit der deutschen verknüpft, wird hier in einem einzigartigen Rahmen präsentiert.

27.06.2018

Spitfire gegen V1: Mit einem waghalsigen Manöver hoben Piloten die Flügelspitze deutscher Marschflugkörper an und brachten sie so aus der Bahn oder zum Absturz. © Heiko Müller

Perfekt passt sich der 250 Meter lange voll verglaste Museumsbau des NMM in seine Umgebung ein. Bis 2008 herrschte hier, auf der ehemaligen Luftwaffenbasis Soesterberg, noch Flugbetrieb. Dann wurde das riesige Gebiet wenige Kilometer südwestlich von Amersfoort zum Landschaftspark umgewidmet. Das architektonisch gelungene Museumsgebäude steht auf luftfahrthistorisch bedeutsamem Grund. Schon 1911 beginnt mit ersten Flügen die Geschichte Soesterbergs. Im Zweiten Weltkrieg übernimmt die deutsche Luftwaffe den Flugplatz und baut ihn zu einem bedeutenden Stützpunkt aus.

Impressionen aus dem NMM

 

Nach der dunklen Kriegszeit zieht die Koninklijke Luchtmacht (KLu) wieder in Soesterberg ein,  baut die Basis neu auf. Für vier Jahrzehnte nutzt auch die US Air Force ab 1954 den Platz, anfangs fliegt sie hier mit F-86F Sabre. In den letzten Jahren vor dem Abzug 1994 gehören die McDonnell Douglas F-15 Eagle des 32nd Fighter Wing zum Bild über Soesterberg. Daneben nutzt eine Einheit der  KLu die Luftwaffenbasis mit Fokker F27 und Alouette-III-Helikoptern.

Soesterberg war schon die Heimat des ehemaligen niederländischen Luftwaffenmuseums, das im Zuge des Aufbaus des NMM geschlossen wurde. Zahlreiche Flugzeuge aus dessen Ausstellung finden sich jetzt in dem neuen Museum. Trotz der dem Standort angemessenen und augenfälligen Dominanz der militärischen Luftfahrt widmet sich das NMM, wie sein Name schon sagt, nicht ausschließlich diesem Thema. Breiten Raum nimmt auch die Geschichte der Landstreitkräfte ein.

Von der Farman bis zur F-16

Vom Farman HF-20 aus den Anfangstagen der Luftfahrt bis hin zu modernen Kampfjets wie der F-15 Eagle oder General Dynamics F-16 schildert die Ausstellung mit fast 40 Flugzeugen die Entwicklung der Militärluftfahrt. Zu den wichtigsten Exponaten für niederländische wie auch deutsche Besucher gehört zweifellos die Dornier Do 24K. In den 30er Jahren hatte Dornier dieses Langstreckenflugboot speziell auf die Bedürfnisse der niederländischen Ostindien-Streitkräfte hin entwickelt und eine Lizenz zur Fertigung in den Niederlanden erteilt. Auch nachdem die Deutschen die Niederlande besetzt hatten, nutzten die Ostindien-Streitkräfte die Do 24K weiter für Patrouillenflüge über dem sich über tausende Kilometer erstreckenden indonesischen Archipel. Das in Soesterberg ausgestellte Exemplar war ursprünglich eine Do 24 T-3, die Spanien nach dem Krieg als SAR-Flugzeug nutzte. Sie wurde auf den Standard der Do 24K umgerüstet. Zwei weitere Flugzeuge der Ostindien-Streitkräfte in der Ausstellung sind eine Brewster Buffalo und eine Curtiss P-6 Hawk. Einige der Curtiss-Jäger wurden vor dem Einmarsch der Deutschen bei Aviolanda in Papendrecht noch in Lizenz gebaut.

Mit der Gloster Meteor startete die KLu ins Jetzeitalter. Es war ein verlustreicher Beginn. © Heiko Müller

Ebenfalls ein Aviolanda-Lizenzbau ist die Gloster Meteor in der Ausstellung. Sie war der erste Jet der niederländischen Luftstreitkräfte. Insgesamt 61 Gloster Meteor F.4 hatte die KLu erhalten. Mit ihren Rolls-Royce Derwent konnten sie bis zu 940 km/h erreichen. Der Flugbetrieb mit diesen frühen Kampfjets war noch sehr problematisch. Nicht weniger als 40 ihrer Meteor F.4, also fast zwei Drittel, verlor die KLu bei Unfällen.

In speziellen Themenräumen, mit Filmvorführungen und Multimediaangeboten informiert das Museum über viele Aspekte der militärischen Entwicklungen. Etwas unterrepräsentiert scheinen die Flugantriebe. Immerhin vermitteln einige aufgeschnittene Kolbenmotoren und Strahltriebwerke einen Eindruck von deren technischer Entwicklung und ihren Funktionsweisen.

Besondere Angebote für Kinder

Das NMM wäre kein niederländisches Museum, wenn es nicht auch für Kinder besondere Angebote bereithielte. Von Spielgeräten über Simulatoren bis hin zu speziellen Kinderführungen reicht die Palette. Familienfreundlich ist ein Attribut, auf das die Museumsmacher von Anfang an großen Wert gelegt haben.

Ein besonderes Highlight bietet das NMM in diesem Jahr mit den Soesterberg Luchtvaartdagen am 25./26. August. Die Organisatoren versprechen ein fantastisches Wochenende ganz im Zeichen der Luftfahrt. Nach einem behördlichen Verbot werden zum Bedauern vieler Fans keine historischen Flugzeuge am Himmel zu sehen sein, doch besondere Attraktionen und viele Aktionen sollen dafür entschädigen.

Luchtvaartdagen am 25. und 26. August

Unter anderem öffnet das NMM seine Depots und Restaurierungswerkstätten für die Besucher. Viele historisch wertvolle Flugzeuge, die sonst nicht zu sehen sind, werden gezeigt. Denn längst nicht alle Exponate des früheren Luftwaffenmuseums haben bisher in der Ausstellung des NMM einen Platz gefunden. So verspricht das letzte Augustwochenende beim NMM für Freunde der militärischen Flugzeugentwicklung von Anbeginn bis heute ein echtes Highlight zu werden.

So frei bekommt man die Atlantic des Nationaal Militair Museums in Soesterberg nicht vor die Linse. Wegen einer Opernaufführung ist sie auf dem Tarmac abgestellt. © Bob Fischer

Vom 30. Juni bis zum 17. Juli 2018 gibt es beim Nationaal Militair Museum mehrere Aufführungen der Oper Thijl von Jan van Gilse. Deshalb müssen mehrere Flugzeuge drauβen auf dem Tarmac ausgestellt worden. Das ist natürlich für Fotografen interessant, die Flugzeuge kann man am besten während der Morgenstunden fotografieren. Es ist noch nicht bekannt, wie lange die Situation so bleibt und ob noch weitere Flugzeuge aus dem Depot hinzugestellt werden. Aerobuzz-Autor Bob Fischer war schon dort, und hatte die Gelegenheit genutzt, einige Bilder zu machen.

Unser Fazit: Das NMM ist ein lohnendes Ziel für alle, die sich für die Entwicklung der Militärluftfahrt interessieren. Die ansprechende Präsentation der Flugzeuge und viele Infostellen auf dem Weg durch die Ausstellung sind beispielhaft. Gut für ein intensives Erleben faszinierender Kapitel der Luftfahrt.

 

Nationaal Militair Museum Soesterberg

Adresse: Verlengde Paltzerweg 1, 3768 MX, Soest, Niederlande
Internet:www.nmm.nl
Öffnungszeiten:Di. bis So. 10 bis 17 Uhr, Mo. Ruhetag, 25. Dez. und 1. Jan. geschlossen
Soesterberg Luchtvaartdagen:25./26. Aug. 2018
Eintritt:Erwachsene: 14,00 Euro, Kinder 4 bis 12 Jahre: 7,00 Euro
Ausgewählte Highlights:Aviolanda/Curtiss Hawk, Breguet Atlantic, Brewster Buffalo, Convair F-102A Delta Dagger, de Havilland Tiger Moth, Dornier Do 24, Douglas C-47, Sikorsky UH-24 Seabat, Fieseler Fi 103/V1, Fokker D.VII, F-27, General Dynamics F-16, Hawker Hunter, Sea Fury, Sea Hawk, Hiller OH-23C Raven, Koolhoven F.K. 51, Lockheed Electra, F-104 Starfighter, P-2 Neptune, McDonnell Douglas F-15, North American B-25 Mitchell, F-86F Sabre, North American P-51D Mustang, Northrop NF-5B, Republic F-84F Thunderstreak, Supermarine Spitfire

Heiko Müller

 

 

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Über Heiko Müller

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Heiko Müller ist seit drei Jahrzehnten in vielen Feldern des Luftfahrtjournalismus zu Hause. Bis 2016 arbeitete er als Redakteur beim Fachmagazin aerokurier, ab 2003 prägte er zusätzlich als Geschäftsführender Redakteur die Zeitschrift Klassiker der Luftfahrt. Heute ist er als freier Autor tätig und berät Firmen – nicht nur der Luftfahrtbranche – in PR- und Projektmanagementfragen.

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