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Exklusiv-Interview: Flexibilität ist die Stärke der General Aviation

Die Messe Friedrichshafen als Veranstalter der AERO musste die Messe in diesem Jahr aufgrund der Coronakrise schweren Herzens absagen. Doch die Organisatoren sind trotz der noch nicht absehbaren Einbußen optimistisch und beginnen bereits jetzt mit den Vorbereitungen der AERO 2021. Im Exklusiv-Interview beantwortet Roland Bosch, der Bereichsleiter AERO die Fragen von Aerobuzz.

1.04.2020

AERO-Bereichsleiter Roland Bosch (li.) und AERO-Projektleiter Tobias Bretzel bereiten sich auf die European Rotors im November und die AERO 2021 vor. Das Foto entstand zur AERO 2019. © Messe Friedrichshafen

Aerobuzz: Die AERO 2020 findet – wie alle anderen großen Luftfahrtmessen in diesem Jahr – wegen der Coronakrise nicht statt. Sind die Folgen für die Messe Friedrichshafen schon absehbar?

Roland Bosch: Die momentanen finanziellen Folgen sind für uns ein massiver Einschnitt und eine große Belastung. Wir mussten in den letzten Wochen sechs Messen absagen. Die Folgen sind noch nicht wirklich absehbar. Auch die Folgen für unsere Aussteller nicht. Die AERO Friedrichshafen ist der wichtigste Branchentreffpunkt des Jahres. Viele Aussteller wollten hier ihre Innovationen zeigen und neuen Kunden gewinnen.

Aerobuzz: Welche Aussteller-Reaktionen hat es auf die Absage gegeben?

Bosch: Aufgrund der sich zuspitzenden Situation um das Thema Covid-19 gab es letztlich 100 Prozent Verständnis seitens unserer Aussteller. Selbstverständlich auch das Gefühl von Enttäuschung und immer wieder die Frage oder Hoffnung, dass dieser Spuk bald vorbei sein möge und dass bald alles wieder seinen gewohnten Lauf nimmt.

Aerobuzz: Richten wir den Blick nach vorne. Gibt es schon einen Termin für die AERO 2021?

Bosch: Ja, wir haben relativ schnell erkannt, dass es keinen Sinn macht, die AERO terminlich noch in diesem Jahr zu platzieren. Zum einen, weil es keine Sicherheit gibt, dass die Krise in absehbarer Zeit vorbei ist. Zum anderen aber auch auf Rücksicht von Überschneidungen mit Veranstaltungen aller Art. Es gibt nur eine sinnvolle Entscheidung. Die bedeutet, dass die nächste AERO etwas mehr als einem Jahr, am 14. April 2021 an den Start geht.

Alle Aussteller wollen 2021 kommen

Aerobuzz: Gibt es Aussteller, die ihre Buchung für 2020 in das Jahr 2021 verschoben haben?

Bosch: Durch die Verschiebung lassen wir jedem Aussteller die Möglichkeit vom Vertrag zurückzutreten. Diese Option hat aber nicht ein einziger Aussteller gezogen. Alle in diesem Jahr angemeldeten Aussteller wollen bei der AERO 2021 mit dabei sein. Sie hoffen und freuen sich auf einen erfolgreichen Branchentreffpunkt auf der AERO 2021.

Diamond DA62 im Static Display der AERO 2019. © Messe Friedrichshafen

Aerobuzz: Wann beginnen die konkreten Vorbereitungen für die AERO 2021?

Bosch: Hier gilt der alte Spruch. Nach der Messe ist vor der Messe. Auch wenn die AERO 2020 nicht stattfindet, die Vorbereitungen starten wie gewohnt. Das bedeutet, dass wir die Ausstellerunterlagen anfertigen, die Genehmigungen einholen usw. Selbstverständlich haben wir nun sogar etwas mehr Zeit. Diese Zeit wollen wir auch dafür nutzen, um an der einen oder anderen Stellschraube zu drehen, um die AERO noch besser zu machen, als sie bereits ist.

Aerobuzz: Vor der AERO 2021 soll es im November noch die Hubschraubermesse „European Rotors“ in Köln geben, bei der die Messe Friedrichshafen ebenfalls eine wichtige Rolle spielt.

Bosch: Ja, die European Helicopter Association hat uns das Vertrauen geschenkt, Service Provider dieses neuen und zukunftsorientierte Messeformats zu sein. Dies rundet die Kompetenz unseres seit vielen Jahren bewährten Messeteams ab und erweitert unsere Netzwerke und Kompetenz. Die European Rotors wird sicherlich auch zeigen, dass Helikopter nicht nur in Krisenzeiten unverzichtbare und lebensrettende Fluggeräte sind.

Die AERO ist ein unverzichtbares Forum für die Branche, um Innovationen zu zeigen und voranzutreiben. © Volker K. Thomalla

Aerobuzz: Die General Aviation und die Business Aviation sind ja eine extrem flexible Art der Mobilität. Deswegen erwartet man, dass sie sich schneller von der Krise erholen als die Airlines. Könnten wir also eine besondere AERO 2021 erwarten?

Bosch: Ein großer Vorteil der GA ist ihre enorme Flexibilität. Entscheidungsprozesse sind hier maximal schnell. Sobald die Krise beendet ist, kann wieder geflogen werden. Wenn die Kapitaldecke der Firmen nicht durch eine überlange Dauer der Krise zu dünn wird, dann wird die nächste AERO nicht nur der wichtigste Branchentreffpunkt sein, sondern auch eine hoch spannende Messe. Insbesondere auch, weil sich in den nächsten Jahren durch neue Technologien enorme Chancen für eine grundlegende Erneuerung und Auffrischung der Branche ermöglichen. Wir hoffen auch, dass junge Leute nach dem Schock der Krise, für viele ist dies die erste bewusste Krise in ihrem Leben, erkennen, dass das Thema Luftfahrt und Pilot, etwas sehr Bereicherndes ist. Ich hoffe, dass die Vereine und Luftsport Clubs diese Krise letztlich auch als Chance sehen, die Jugend für das Thema Luftfahrt zu begeistern.

 

Die Fragen stellte Volker K. Thomalla

 

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