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„Bis Ende des Jahres wollen wir fünf HondaJets pro Monat bauen.“

Nur rund drei Jahre nach der Zulassung des HondaJets hat der Hersteller Honda Aircraft den zweistrahligen Jet überarbeitet. Michmasa Fujino, Präsident und Hauptgeschäftsführer des Unternehmens, hat Aerobuzz im Exklusiv-Interview die Frage beantwortet, warum dies zu so einem frühen Zeitpunkt geschehen ist.

11.06.2018

Der erste HondaJet Elite soll im August 2018 an einen Kunden übergeben werden. © Honda Aircraft

Honda Aircraft aus Greensboro im US-Bundesstaat South Carolina hat nach einer langen Entwicklungs- und Erprobungszeit den HondaJet sehr erfolgreich am Markt platzieren können. Das Flugzeug hebt sich durch verschiedene Eigenschaften von den Wettbewerbern ab. Unter anderem sind die Triebwerke des HondaJet in Pylonen oberhalb der Tragflächen montiert. Nach Angaben des Industrieverbandes GAMA (General Aviation Manufacturers Association) war der leichte Jet im vergangenen Jahr der meistproduzierte Jet seiner Klasse. Und dennoch hat das Unternehmen auf der EBACE in Genf eine überarbeitete Version präsentiert.

Michimasa Fujino ist Präsident und Hauptgeschäftsführer von Honda Aircraft. © Volker K. Thomalla

 

Aerobuzz: 2017 war der HondaJet der meistproduzierte Jet seiner Klasse. Verläuft der Produktionshochlauf wie geplant?

Michimasa Fujino: Ja. Im ersten Quartal dieses Jahres sind wir nach den GAMA-Zahlen auch wieder die Nummer 1 in unserer Klasse. Wir fertigen momentan vier Flugzeuge pro Monat.

Wie viele HondaJets wollen Sie in diesem Jahr produzieren?

Wir achten sehr auf die Qualität des HondaJets und nicht so sehr auf die Quantität. Zu allererst muss die Qualität perfekt sein. Wir kommen auf der Lernkurve sehr gut voran und streben eine Produktion von fünf Flugzeugen pro Monat an. Diese Zahl wollen wir gegen Ende dieses Jahres erreichen. Das Hochfahren der Produktion ist ein Prozess, der Schritt für Schritt geschieht.

Sie haben erst kürzlich weitere Zulassungen erhalten und weitere Händler ernannt. Halten die Verkäufe mit dem Produktionshochlauf Schritt?

Es ist eher umgekehrt: Der Produktionshochlauf muss mit den Verkäufen Schritt halten.

Honda Aircraft hat einen Händlervertrag mit einer chinesischen Firma unterzeichnet. Wier wichtig ist der chinesische Markt für Sie?

Der chinesische Markt bietet ein riesiges Potenzial. Die jüngere Generation in China ist an ein sehr wettbewerbsorientiertes Umfeld gewöhnt und genießt den westlichen Lebensstil, in dem Geschwindigkeit eine große Rolle spielt. Der HondaJet ist ein Werkzeug für ihre Geschäftstätigkeiten, der ihnen diesen Geschwindigkeitsvorteil bietet, den sie wollen und brauchen. Ich sehe, dass sich der Markt in China verändert. Die chinesische Regierung schafft die notwendige Infrastruktur für die Entwicklung des Landes. Bis 2020 werden in China 40 bis 50 neue Flugplätze gebaut! Große Metropolregionen wie Peking, Schanghai und Guangzhou öffnen ihren Luftraum für die Allgemeine Luftfahrt. Das ist wirklich gut!

Sie werden die Produktionsrate weiter erhöhen. Es gibt aber nur einen Simulator für den HondaJet bisher. Beeinträchtigt das nicht ihre Verkäufe?

Heute müssen noch alle HondaJet-Piloten ins Greensboro HondaJet Learning Center kommen. Die Trainingskapazität ist momentan eine kleine Herausforderung aufgrund all der Piloten, die zum Recurrent Training kommen und der Piloten, die neu auf dem Muster geschult werden müssen. Wir untersuchen derzeit sehr aktiv, mehr Kapazität aufzubauen. Wir haben noch keine Entscheidung darüber getroffen, wo wir diese Kapazität ansiedeln werden. Es hängt ausschließlich vom Markt ab, in welcher Region wird die zusätzliche Trainingskapazität aufbauen werden.

Herzlichen Glückwunsch zur Präsentation des neuen HondaJet Elite am Vortag der EBACE 2018 in Genf. Es ist ungewöhnlich, dass ein Hersteller eine neue Version eines Flugzeugs nur drei Jahre nach dessen Indienststellung vorstellt.

Der HondaJet Elite stellt eine Evolution des originalen HondaJets dar. Er bietet eine große Leistungssteigerung von allein 17 Prozent mehr Reichweite. Sie beträgt nun 1.437 nautische Meilen. Wir haben eine Menge Feinarbeit in den HondaJet Elite gesteckt. Das sehen Sie daran, dass sich die Treibstoffmenge bei dem neuen Jet trotz der Reichweitensteigerung nur um 45 Kilogramm erhöht hat.

Der HondaJet Elite stieß bei seiner Vorstellung auf der EBACE in Genf auf großes Interesse. © Volker K. Thomalla

Es handelt sich keineswegs um eine rein kosmetische Verbesserung, wir haben den Komfort des Flugzeugs ebenfalls verbessert, indem wir geräuschdämmende Strukturen für die Triebwerkseinläufe konstruiert haben, die vor allem die hochfrequenten Geräusche dämpfen und für eine ruhigere Kabine sorgen. Das Bongiovi Audio-System kommt ohne separate Lautsprecher aus. Es verfügt über 24 Schwingungserzeuger, die in den Seitenverkleidungen integriert sind und die Verkleidungen als Lautsprecher nutzen. Passagiere des HondaJet Elite können beispielsweise ihre eigenen iPads nutzen und eine Akustik wie bei einem Surround-System in der kompletten Kabine genießen.

Das neue Avioniksystem des Flugzeugs bietet den Piloten neue Funktionen bei der Leistungssteuerung und bei der Flugplanung. Außerdem verfügt es verschiedene neue Sicherheits- und Schutzfunktionen, die die Flugsicherheit weiter erhöhen.

Wir bieten unsere Kunden nun auch eine Full-Service-Galley an, damit ist das Flugzeug noch alltagstauglicher. Kunden können zudem nun zwischen drei außergewöhnlichen Farben wählen: Ice Blue, Ruby Red und Monarch Orange. Die ersten beiden Farben sind dreilagig aufgebaut und sind wirklich markant.

Der HondaJet Elite ist auch ein umweltfreundliches Flugzeug und bietet seinen Nutzern die höchste Treibstoffeffizienz seiner Klasse und ist trotzdem das schnellste Flugzeug seiner Klasse mit der größten Reichweite. Der Jet ist bereits von der euopäischen Agentur für Flugsicherheit, EASA und der US-Luftfahrtbehörde FAA zugelassen.

Würden Sie uns verraten, wie viele HondaJets von privaten Kunden und wie viele von gewerblichen Betreibern geflogen werden?

In den USA werden die meisten HondaJets von ihren Besitzern selbst geflogen. Nur einige sind als Corporate Jets unterwegs. In Europa beträgt der Anteil der Flugzeuge, die in einem gewerblichen Flugbetrieb stehen, ungefähr 30 Prozent.

Wijet ist im Begriff, seine Citation Mustang-Flotte gegen 16 HondaJets umzutauschen. © V. K. Thomalla

Das französisch-britische Luftfahrtunternehmen Wijet hat sich entschlossen, ihre Cessna Citation-Mustang-Flotte komplett gegen eine HondaJet-Flotte auszutauschen. Erhält das Unternehmen eine Standardkonfiguration oder eine spezielle Konfiguration für Charterflugzeuge?

Wijet hat bereits ihre ersten Flugzeuge erhalten. Eines davon war auf dem Static Display der EBACE in Genf ausgestellt. Es ist ein HondaJet in einer Standardkonfiguration.

Wie viele Flugstunden hat die weltweite HondaJet-Flotte bisher gesammelt?

Bis Ende letzten Monats hat die globale HondaJet-Flotte rund 15.000 Flugstunden absolviert. Einige Flugzeuge im Corporate-Einsatz haben 500 Stunden im Bordbuch stehen und werden sehr schnell zum Fleet Leader aufsteigen.

Honda Aircraft fertigt derzeit vier Flugzeuge pro Monat. Diese Rate soll weiter steigen. © Honda Aircraft

Hat es bisher Überraschungen für Sie, Piloten oder für die Betreiber oder Service-Betriebe  gegeben?

Nein, wir haben keine Überraschungen erlebt. Aber wir sehen den Bedarf von sehr gutem Training für die Crews. Der HondaJet ist ein sehr leistungsfähiges Flugzeug mit einer hohen Geschwindigkeit. Wenn man von einem Turboprop-Flugzeug auf den HondaJet umsteigt, muss man eine entsprechende Ausbildung erhalten.

Wann wird Honda Aircraft den Break-even-Point erreichen?

Unser Fokus liegt auf den Kunden. Wir wollen ihnen einen soliden Service bieten. Deswegen investieren wir weiterhin. Wir beobachten unsere Verluste sehr genau und wir haben einen sehr langfristigen Geschäftsplan. Wir fahren auf Kurs und sind bislang noch nicht von diesem Kurs abgewichen.

Das Interview führte Volker K. Thomalla.

 

 

 

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Über Volker K. Thomalla

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Volker K. Thomalla ist Chefredakteur von aerobuzz.de. Er berichtet seit über 30 Jahren als Journalist über die Luft- und Raumfahrt. Von 1995 bis 2016 leitete er als Chefredakteur die Redaktion aerokurier, von 2000 bis 2016 zusätzlich die Redaktionen FLUG REVUE und Klassiker der Luftfahrt. Thomalla war von 2016 bis 2018 Chefredakteur des englischsprachigen Business-Aviation-Magazins BART International. Er hat mehrere Bücher über die Luftfahrt geschrieben und als Privatpilot auch praktische Flugerfahrung gesammelt.

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