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Dassault hat mit der Detailkonstruktion der Falcon 6X begonnen

Dassault Aviation macht bei seinem neuesten Business Jet-Projekt, der zweistrahligen Falcon 6X, Fortschritte. Die Konstrukteure haben die Preliminary Design Phase abgeschlossen und liegen genau im Zeitplan für einen Erstflug des Musters im Jahr 2021, obwohl der Plan ziemlich ehrgeizig ist. 

12.12.2018

Ein Teil der Windkanaltests für die Auslegung der Falcon 6X wurde bei RUAG Aviation durchgeführt. © Véronique Almansa/Dassault Aviation

Auf der Geschäftsluftfahrtmesse MEBAA 2018 in Dubai hatte Dassault Aviation sein dreistrahliges Flaggschiff Dassault Falcon 8X im Static Display ausgestellt, das die Aufmerksamkeit auf sich zog. Aber die Messebesucher zeigten sich genauso interessiert an der Falcon 6X, die der französische Hersteller momentan entwickelt. Die so genannte Preliminary Design Phase ist beendet, und damit ist die Auslegung der zweistrahligen Geschäftsreisejets nun festgeschrieben. Die Konstrukteure haben bereits im Rahmen der Detail Design Phase mit der Konstruktion einzelner Teile und Komponenten begonnen. „Wir sind bei der Falcon 6X im Plan, um 2022 mit den ersten Auslieferungen zu beginnen“, hatte Eric Trappier, der Vorstandvorsitzende und Hauptgeschäftsführer (CEO) von Dassault Aviation auf der Messe NBAA im Oktober dieses Jahres gesagt, und daran habe sich auch nichts geändert, sagte ein Dassault-Sprecher auf der MEBAA im Gespräch mit Aerobuzz.

Dassault Falcon 6X

Die Falcon 6X hat ihren Rumpf- und Kabinendurchmesser von ihrer Vorgängerin, der zwischenzeitlich aufgrund von Problemen mit dem Safran-Silvercrest-Triebwerk eingestellten Falcon 5X, übernommen. Mit einer Kabinenlänge von 12,30 Meter, einer maximalen Kabinenbreite von 2,58 Metern und einer Kabinenhöhe von 1,98 Metern bietet die 6X rund 15 Prozent mehr Kabinenvolumen als die 5X. Die 6X weist die größte Kabinenbreite aller Business Jets auf, ausgenommen Geschäftsreisejets, die aus Airlinern heraus entwickelt worden sind.

Um den potenziellen Kunden der 6X die Kabine zu präsentieren, hat Dassault jetzt ein zweites Kabinen Mock-up hergestellt. Es steht in Paris Le Bourget. Das erste ist in Teterboro in New Jersey in den USA beheimatet und war auf der NBAA in Orlando im Oktober ausgestellt.

Die ersten Teile wurden bereits gefertigt

Während die Konstrukteure noch an Details einiger Teile arbeiten, hat die Produktion von aufwendigen Teilen mit langer Vorlaufzeit bereits begonnen. Zu den bereits gefertigten Teilen gehören Komponenten des Hecks und des Rumpfmittelteils.

Der Triebwerkshersteller Pratt & Whitney Canada liefert die beiden PW800-Turbofans für die Falcon 6X. Die Triebwerksverkleidungen kommen von UTC Aerospace Systems aus den USA und befinden sich in einem fortgeschrittenen Konstruktionsstadium. Pratt & Whitney Canada hat auch schon mit der Flugerprobung des PW812D für die 6X begonnen. Dank der effizienten Triebwerke, der ausgefeilten Aerodynamik und des großen Treibstoffvorrats an Bord verfügt die Falcon 6X über eine Reichweite von 5.500 nautischen Meilen (10.186 Kilometer). Damit sind Strecken wie Los Angeles –  Genf, London – Los Angeles oder Sao Paulo – London mit Langstrecken-Reisegeschwindigkeit möglich. Bei einer Reisegschwindigkeit von Mach 0.85 schafft die Falcon 6X noch die Städtepaare Moskau – New York, Paris – Beijing oder Paris – Johannesburg nonstop. Der 47 Millionen US-Dollar (38,44 Millionen Euro) teure Zweistrahler bietet Platz für bis zu 19 Insassen. Eine typische Bestuhlung wird allerdings eher 12 bis 14 Passagieren Platz bieten.

Die Fluggäste an Bord des Business Jets werden viel natürliches Licht an Bord genießen können, denn die Falcon 6X bekommt insgesamt 30 Kabinenfenster sowie ein Skylight genanntes Fenster oben auf dem Rumpf, durch das natürliches Licht in die Galley fällt.

EASy III-Cockpit mit FalconEye CVS

Im Cockpit finden die Piloten die modernste Version des von Honeywell und Dassault gemeinsam entwickelten Avionikpakets EASy III vor. Als Option können Kunden das FalconEye Combined Vision System (CVS) wählen, bei dem die Bilder der Kameras des Enhanced Vision Systems (EVS) mit den errechneten Bildern der Umgebung des Synthetic Vision Systems (SVS) kombiniert werden. Dieses aus mehreren Sensoren generierte Bild wird bei FalconEye in die Head-Up-Displays der Piloten eingespielt, so dass sie unabhängig vom Wetter und der Tageszeit immer ein genaues Bild des vor ihnen liegenden Geländes haben. Die Zulassungsbehörden haben FalconEye für die Falcon 8X im Oktober für Anflüge bis zu einem Minimum von 100 Fuß zugelassen. Auch die Sicht nach draußen dürfte den Piloten gefallen: Nach Angaben des Herstellers sind die Cockpitfenster rund 30 Prozent größer als bei allen anderen Geschäftsreisejets, die derzeit in Produktion stehen.

Die Techniker, die die Falcon 6X in Zukunft warten und instand halten sollen, werden einen Einblick in die Systeme erhalten, wie er bislang selten zu finden ist. FalconScan ist ein bordgestütztes System, das in Zusammenarbeit mit Maintenance-Technikern entwickelt wurde und das bis zu 100.000 Parameter der verschiedenen Bordsysteme in Echtzeit überwachen kann. Es stellt kontinuierlich Selbstdiagnosen und meldet, wenn Parameter in eine Richtung laufen, die ein künftiges Eingreifen von Technikern erfordern.

Volker K. Thomalla

 

 

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Über Volker K. Thomalla

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Volker K. Thomalla ist Chefredakteur von aerobuzz.de. Er berichtet seit über 30 Jahren als Journalist über die Luft- und Raumfahrt. Von 1995 bis 2016 leitete er als Chefredakteur die Redaktion aerokurier, von 2000 bis 2016 zusätzlich die Redaktionen FLUG REVUE und Klassiker der Luftfahrt. Thomalla ist seit 2016 Chefredakteur des englischsprachigen Business-Aviation-Magazins BART International. Er hat mehrere Bücher über die Luftfahrt geschrieben und als Privatpilot auch praktische Flugerfahrung gesammelt.

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