Homepage » Business Aviation » Dassault kündigt Safran und kippt das Falcon 5X-Programm

Der französische Luftfahrtkonzern Dassault Aviation hat die Reißleine gezogen: Nachdem der Triebwerkshersteller Safran im Oktober neue Probleme mit seinem Silvercrest-Turbofan eingestehen musste, hat Dassault Safran nun den Stuhl vor die Tür gesetzt und das Falcon 5X-Programm eingestellt. Stattdessen entwickelt man einen neuen Business Jet, der 2022 in Dienst gehen soll.

14.12.2017

Die Falcon 5X startete am 5. Juli auf dem Flughafen Bordeaux-Mérignac zu ihrem ersten Flug. © Dassault Aviation

Der französische Flugzeughersteller Dassault Aviation hat angekündigt, den Vertrag mit dem französischen Triebwerkshersteller Safran Aircraft Engines über die Lieferung des Silvercrest-Turbofans für den neuen zweistrahligen Business Jet Falcon 5X zu beenden. Diese Entscheidung bedeutet auch das Ende des Flugzeugprogramms Falcon 5X.

Stattdessen wird Dassault einen neuen Business Jet entwickeln, der ab 2022 in Dienst gehen soll. Den Antrieb für die neue Falcon wird allerdings nicht mehr Safran liefern, sondern der kanadische Triebwerkshersteller Pratt & Whitney Canada in Form des PurePower PW800. Dieser Antrieb ist bereits zugelassen und soll in Kürze an der Gulfstream G500 in Dienst gestellt werden.

Die neue Falcon bekommt PW800-Turbofans

Dassault Aviation hatte sich lange in Geduld geübt. Ursprünglich wollte Safran Ende 2013 die ersten beiden Exemplare des neuen Silvercrest-Turbofans an den Jet-Hersteller liefern, damit die Falcon 5X gemäß des Entwicklungszeitplans pünktlich zum Erstflug abheben kann. Doch Safran stellte bei Testflügen mit dem Silvercrest einen Fehler fest, der eine Modifikation des Triebwerksgehäuses zur Folge hatte. Damit rutschte der Zeitplan für die 5X um drei Jahre nach hinten. Die Erstauslieferung hatte nun 2020 stattfinden sollen. Deswegen verlor Dassault allein 2016 zwölf Festbestellungen für den die 5X.

Im Juli dieses Jahres begann Dassault dann mit einem abgespeckten Flugerprobungsprogramm des neuen Business Jets. Allerdings waren bei den Flügen nur Silvercrest-Turbofans installiert, die nicht den Spezifikationen entsprachen. Aber das Flugzeug entsprach in seinen Handling-Eigenschaften den Erwartungen, betonte der Hersteller.

Philippe Deleume und Philippe Rebourg bildeten die Crew beim Erstflug der Falcon 5X. © Dassault Aviation

Im Oktober, ausgerechnet am Vortag der für die Geschäftsluftfahrt so wichtigen Messe NBAA-BACE, informierte Safran Dassault über neue Probleme mit dem Hochdruckverdichter des Triebwerks, die eine neue Verzögerung des Programms zur Folge hatten. Das brachte das Fass zum Überlaufen. Man verhandele nun mit Safran, hieß es von Dassault.

„Es gibt nach wie vor einen großen Markt für ein neues Langstreckenflugzeug mit einer sehr großen Kabine. Deshalb habe ich entschieden, eine neues Falcon-Projekt auf den Weg zu bringen, dass von Triebwerken von Pratt & Whitney Canada angetrieben wird, und dass einen Rumpfdurchmesser wie die Falcon 5X, eine Reichweite von 5.500 nautischen Meilen haben wird, und das 2022 seine Indienststellung feiern wird.“

Volker K. Thomalla

 

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Über Volker K. Thomalla

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Volker K. Thomalla ist Chefredakteur von aerobuzz.de. Er berichtet seit über 30 Jahren als Journalist über die Luft- und Raumfahrt. Von 1995 bis 2016 leitete er als Chefredakteur die Redaktion aerokurier, von 2000 bis 2016 zusätzlich die Redaktionen FLUG REVUE und Klassiker der Luftfahrt. Thomalla ist seit 2016 Chefredakteur des englischsprachigen Business-Aviation-Magazins BART International. Er hat mehrere Bücher über die Luftfahrt geschrieben und als Privatpilot auch praktische Flugerfahrung gesammelt.

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