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Exklusiv-Interview mit Oscar J. Schwenk, Chairman von Pilatus Aircraft

Pilatus Aircraft hat in diesem Jahr mit den Auslieferungen des ersten Jets in der Firmengeschichte begonnen. Die ersten drei Serienexemplare sind bereits bei ihren Besitzern. Am Firmensitz in Stans in der Schweiz läuft die Serienproduktion hoch, auch wenn das Auftragsbuch für das Muster  immer noch nicht wieder geöffnet ist.

18.06.2018

Oscar J. Schwenk ist Verwaltungsratspräsident der Pilatus Flugzeugwerke AG. © Pilatus Aircraft

Aerobuzz: Der PC-24 wurde im Dezember 2017 zugelassen. Seitdem haben sie drei Serienflugzeuge an Kunden übergeben. Läuft der Produktionshochlauf entsprechend ihren Planungen?

Oscar J. Schwenk: Das ist richtig. Wir haben drei PC-24 ausgeliefert und ein viertes Exemplar ist in unserem Werk in Broomfield in Colorado. Wir wollen in diesem Jahr noch rund 20 PC-24 ausliefern. Ob es am Ende des Jahres dann 22, 23 oder 25 werden, kann man noch nicht genau sagen, aber das ist unser Korridor.

 

Und 2019?

2019 werden wir 40 PC-24 bauen, 2020 50. Unsere Produktion ist ausgelastet bis 2020.

Der australische Royal Flying Doctor Service (RFDS) gehört mit zu den ersten Kunden für die zweistrahlige PC-24. © Pilatus Aircraft

 

Sie haben nach nur zwei Tagen das Auftragsbuch für das Muster wieder geschlossen. Seitdem können Kunden keine PC-24 mehr bestellen. Wann wird Pilatus das Orderbuch wieder öffnen?

Wir stehen gerade für die Qualität unserer Flugzeuge. Wir wollen sicher sein, dass sie keine Kinderkrankheiten haben. Ich rechne damit, dass wir das Auftragsbuch in diesem Jahr wieder öffnen können. Das Flugzeug erweist sich als zuverlässig, so wie wir es erwartet haben. Ein paar kleine Punkte gibt immer, wenn sie ein neues Muster auf den Markt bringen. Aber ein Kunde hat in den ersten drei Wochen rund 140 Flugstunden mit seiner PC-24 absolviert. PlaneSense hat als Erstkunde seit dem Februar 2018 über 300 Flugstunden geflogen. Viele Experten haben uns zwischenzeitlich bestätigt, dass der PC-24 ein außergewöhnliches Flugzeug mit ausgezeichneten Flugeigenschaften ist. Und jetzt kommen die ersten Rückmeldungen von Kunden, welche ebenfalls äußerst positiv ausfallen.

 

Werden Sie, wenn das Auftragsbuch wieder öffnet, eine überarbeitete Version anbieten?

Bei Pilatus optimieren wir unsere Flugzeuge kontinuierlich, wenn wir sehen, dass wir etwas verbessern können. Das ist bei einem neuen Flugzeug auch ein normaler Prozess. Der PC-24 hat Potenzial, auch auf der technischen Seite, und ich garantiere Ihnen, dass wir unseren Darling noch verbessern werden.

 

Was passiert jetzt mit den Prototypen? Werden die nun nicht mehr benötigt?

Doch, doch. Die brauchen wir noch eine Weile, weil wir noch nicht alle Optionen zugelassen haben. Die Zulassung für Steilanflüge – auch unter Heavy Icing – ist beispielsweise ein wichtiger Punkt, an dem wir jetzt arbeiten. Außerdem arbeiten wir noch an der Qualifizierung für Starts und Landungen auf unpräparierten Pisten. Wir werden die Prototypen noch eine Weile beschäftigen.

 

Mit der Produktion der PC-12 und des PC-24 beweist Pilatus Aircraft, dass man auch in einem Hochlohnland wie der Schweiz Produkte erfolgreich fertigen kann, die mit einem großen Anteil an manueller Arbeit produziert werden. Was ist das Geheimnis von Pilatus?

Zunächst einmal braucht es einen Willen dazu. Wir haben alles unter ein Dach gebracht und haben so die Qualität im Griff. Das Scrap-Rating, also der Anteil an Teilen, die nachgearbeitet werden müssen, ist bei uns extrem niedrig, auch wenn es schwierig ist. Wir haben in eine neue Halle für den Strukturbau investiert. Dort wollen wir es beweisen. Wir haben außerordentlich gut trainierte Leute. Aber wir setzen auch auf Automatisierung und verwenden zum Beispiel Nietroboter, wo es sinnvoll ist. Die Aufgabe ist anspruchsvoll, aber ich glaube, dass wir sie lösen können. Wir bekennen uns zu 100 Prozent zum Standort Schweiz und zeigen dies durch unsere Investitionen.

Pilatus Aircraft hat das Stammwerk in Stans (Foto) für die PC-24-Produktion erweitert. Auch das Werk in Broomfield, Colorado, wurde jüngst erweitert. © Pilatus Aircraft

 

Textron Aviation entwickelt gerade die Cessna Denali, die ganz deutlich als Wettbewerberin zur PC-12 platziert wurde. Werden Sie die PC-12 NG weiterentwickeln?

Zunächst einmal muss ich sagen: Ich mag Wettbewerb. Ohne Wettbewerber kannst Du ja nicht der Beste sein, da der Kunde keinen Vergleich hat. Die Entscheidung von Textron, die Denali zu entwickeln, kommt aus meiner Sicht allerdings 20 Jahre zu spät. Was die Denali betrifft: Wir haben eine Antwort darauf.

 

Stellt Pilatus Aircraft derzeit ein?

Ja, wir suchen qualifizierte Mitarbeiter, aber wir trainieren unsere Mitarbeiter auch. Sie haben einen wirklich hervorragenden Job getan, aber wir alle arbeiten derzeit an der Grenze der Kapazität.

 

Das Interview führte Volker K. Thomalla.

 

 

 

 

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Über Volker K. Thomalla

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Volker K. Thomalla ist Chefredakteur von aerobuzz.de. Er berichtet seit über 30 Jahren als Journalist über die Luft- und Raumfahrt. Von 1995 bis 2016 leitete er als Chefredakteur die Redaktion aerokurier, von 2000 bis 2016 zusätzlich die Redaktionen FLUG REVUE und Klassiker der Luftfahrt. Thomalla ist seit 2016 Chefredakteur des englischsprachigen Business-Aviation-Magazins BART International. Er hat mehrere Bücher über die Luftfahrt geschrieben und als Privatpilot auch praktische Flugerfahrung gesammelt.

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