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8,33 kHz: „Das Thema ist aktueller denn je“

Als Produktmanager bei TQ-Avionics begleitet der Pilot und Ingenieur Sebastian Glück die Umrüstwelle auf 8,33-kHz-Funkgeräte. Im Gespräch mit aerobuzz.de verrät er, weshalb sich jeder Flugzeugeigner, der sich noch nicht mit dem Thema beschäftigt hat, jetzt damit beschäftigen muss.

12.04.2017

Flugfunkgeräte mit 25-kHz-Frequenzabstand müssen bis Ende des Jahres aus den Cockpits verschwunden sein. © Patrick Holland-Moritz

aerobuzz: Seit Jahren ist das Thema Umrüstung auf den 8,33-kHz-Frequenzabstand in den Medien. Reicht es nicht langsam?

Glück: Man sollte in der Tat annehmen, dass allmählich auch der Letzte über die Frist zum Umrüsten Bescheid weiß. Meine Erfahrung ist allerdings eine andere. Noch immer schieben viele Piloten – natürlich nicht alle – die Umrüstung auf die lange Bank. Am 1. Januar 2018 muss jedes Flugzeug im Zuständigkeitsbereich der EASA mit einem Funkgerät mit reduziertem Frequenzabstand ausgerüstet sein. Derzeit rollt die letzte Welle für VFR-ausgerüstete Flugzeuge.

aerobuzz: Die IFR-Flotte ist also bereits komplett umgerüstet?

Glück: Ja. Nur für einige IFR-Piloten dürften sich jetzt noch Änderungen ergeben: Bislang reichte für Deutsch zugelassene IFR-Flugzeuge ein 8,33-kHz-Gerät an Bord. Ab dem 1. Januar 2018 müssen alle bei IFR-Flügen an Bord befindlichen Sprechfunkgeräte den aktuellen 8,33-kHz-Kanalabstand beherrschen. Kombinierte NAV/COM-Geräte mit altem 25-kHz-Frequenzraster dürfen zur Nutzung des NAV-Teils nur dann installiert bleiben, wenn auf COM die Notfrequenz fest eingestellt ist.

Sebastian Glück ist Pilot und Ingenieur. Es sagt: „Das Thema 8,33 kHz ist aktueller denn je.“ © TQ-Avionics

aerobuzz: Wie viel Prozent der bestehenden Flotte in Deutschland ist heute, im März 2017, noch mit alten Funkgeräten unterwegs?

Glück: Von knapp über 102.000 in Europa registrierten Flugzeugen bis 5,7 t MTOW und Ballonen waren Ende 2016 rund 70.000 noch nicht umgerüstet. Während viele Halter und Vereine damit pokern, dass die Preise noch weiter sinken können, vermelden bekannte Mitbewerber bereits Lieferzeiten von zwei bis drei Monaten, während TQ-Avionics bisher aufgrund guter Vorausplanung stets lieferfähig war. Zu erwarten ist, dass bei Lieferengpässen, die bei den Mitbewerbern jetzt schon auftreten, der Preis sich eher nach oben orientieren dürfte.

aerobuzz: Wenn es also noch immer einen so großen Informationsbedarf gibt: Erklären Sie doch kurz, was es mit der Umrüstung auf sich hat. Was sind die Hintergründe?

Glück: Schon Anfang der 2000er Jahre drängte die Flugsicherung mit Blick auf den wachsenden Luftverkehr auf eine engere Staffelung der Kanäle im Flugfunk. 2008 gab es einen Anlauf von europäischer Seite, die Pflicht zur Umrüstung auf Flugfunkgeräte mit reduziertem Kanalabstand auf breiter Front umzusetzen – damals konnten die Verbände der Allgemeinen Luftfahrt noch einen Aufschub erreichen. Schritt für Schritt traten die neuen Regeln dann zunächst für IFR-Flugzeuge, dann auch für Neu- und Importflugzeuge in Kraft. Der Rest der Geschichte ist bekannt: Spätestens am 1. Januar 2018 muss jetzt auch die Masse der bestehenden VFR-Flugzeuge in Europa umgerüstet werden. Aus technischer Sicht ermöglicht das 8,33-kHz-Raster im Vergleich zur alten 25-kHz-Staffelung eine Verdreifachung der verfügbaren Frequenzen. Betroffen von der Umrüstpflicht sind auch die Bodenstationen. Grundlage ist übrigens die europäische Durchführungsverordnung (EU) Nr. 1079/2012.

aerobuzz: Und das gilt dann ohne Ausnahme?

Glück: Staatliche Luftfahrzeuge von Polizei, Zoll und Militär sind ausgenommen. Jetzt fragen Sie mich aber bitte nicht, wie dann in der Praxis die Kommunikation funktionieren soll.

Das Flugfunkgerät KRT 2 stammt aus dem Hause TQ-Avionics. © TQ Avionics

aerobuzz: Lassen Sie uns doch mal hinter die Kulissen eines Herstellers schauen. Sie sind international für TQ-Avionics unterwegs, um das Funkgerät KRT2 zu vermarkten. Mit wem haben Sie da zu tun und wie verlaufen die Gespräche?

Glück: Das ist ganz unterschiedlich. Wir sind auf vielen Messen präsent und leisten dort Aufklärungsarbeit bei den Piloten. Wenn diese dann eines unserer Gerät bestellen: Perfekt. Ansonsten haben wir zumindest Denkanstöße gegeben oder die Entscheidung für unser Gerät fällt später. Zwischen den Messen besuche ich Händler und Werften, um für unsere Produkte zu werben und unsere Vertriebswege auszubauen. Zahlen möchte ich hier nicht nennen, aber die Verkäufe sprechen dafür, dass es tatsächlich noch einen großen Bedarf an Umrüstungen gibt.

aerobuzz: Sie sprechen immer von Werften. Können Flugzeughalter die Umrüstung nicht selbst erledigen?

Glück: Ja, das geht. Stimmt sich der Pilot mit einem Prüfer ab und verfügt über das notwendige Fachwissen, kann der Umbau in vielen Fällen auch in Eigenregie erfolgen. Oft müssen jedoch Kabelbäume erneuert oder angepasst werden, so dass man schnell mit den eigenen Fähigkeiten an seine Grenzen stoßen kann. Der Papierkrieg hält sich dabei dank CS-STAN in Grenzen und erfordert in den meisten Fällen kein Minor Change für das betreffende Flugzeugmuster. Abschließend erfolgt eine Abnahme durch einen Prüfer, außerdem müssen einige Formalitäten erledigt werden.

aerobuzz: Welche Formalitäten sind das?

Glück: Es geht um den Antrag auf Änderung der Frequenzzuteilung bei der Bundesnetzagentur, der nach einer Umrüstung gestellt werden muss. Das kann ein bis zwei Wochen in Anspruch nehmen. Man geht aber bereits jetzt von einer Verzögerung bei der Bearbeitung der Anträge durch die Bundesnetzagentur aus, da die Anträge gegen Ende 2017 verdichtet eingehen werden. Die Bearbeitung könnte sich dann im schlimmsten Fall bis in die Saison 2018 hinziehen.

Das KRT 2 ist mit Fronten für verschiedene Einbauvarianten erhältlich. © TQ-Avionics

aerobuzz: Der Name TQ ist in der Luftfahrt vielen noch unbekannt. Beschreiben Sie doch in wenigen Worten, was es mit dem Unternehmen auf sich hat.

Glück: Ganz neu sind wir in der Luftfahrt nicht. Als Elektronikdienstleister mit 1.400 Mitarbeitern an mehreren Standorten sind wir als Zulieferer in der Großluftfahrt tätig, aber auch in anderen Branchen wie beispielsweise der Medizin. Als TQ im Sommer 2016 die Avioniksparte von Dittel und damit das 8,33-kHz-Funkgerät KRT2 übernommen hat, war das unser Einstieg in die Allgemeine Luftfahrt. TQ-Systems ist in Seefeld bei München zu Hause.

aerobuzz: Mal ohne die TQ-Brille betrachtet: Worauf sollten Kunden beim Kauf eines Funkgeräts achten?

Glück: Das Gerät sollte natürlich die persönlichen Erwartungen an die Technik erfüllen und ins Budget passen. Kunden sollten auch darauf achten, dass Sie bei einem verlässlichen Hersteller mit gutem Service kaufen. Nichts ist ärgerlicher als lange und teure Standzeiten des Flugzeugs wegen eines Defekts.

aerobuzz: Haben Sie als 8,33-Experte eine Empfehlung für Piloten und Flugzeughalter?

Glück: Ja, und da spreche ich jetzt nicht nur als Mitarbeiter von TQ: Halter, die bis dato noch nicht umgerüstet haben, sollten zügig aktiv werden, ganz gleich, auf welches Gerät die Wahl am Ende auch fallen mag. In vielen Werften sind die Termine für den Umbau knapp geworden, und wie bereits erwähnt, sind Lieferzeiten bei einigen Anbietern ein Thema. Sonst könnte es wirklich sein, dass das eigene Flugzeug Anfang 2018 erst mal am Boden bleiben muss.

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