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Exklusiv-Interview: „Die AERO bietet die ganze Bandbreite der Allgemeinen Luftfahrt“

In rund einem Monat beginnt die AERO 2018 in Friedrichshafen. AERO-Projektleiter Roland Bosch hat sich den Fragen von Aerobuzz zur 26. AERO und zur Allgemeinen Luftfahrt insgesamt gestellt.

8.03.2018

Die B-Hallen der AERO waren in diesem Jahr besonders schnell ausgebucht. © Volker K. Thomalla

Die AERO in Friedrichshafen ist in der General Aviation ein Global Player. Das beweisen nicht zuletzt die Aussteller aus über 40 Nationen und die Besucher, die aus der ganzen Welt nach Friedrichshafen kommen, um sich über Trends und Neuheiten in der General Aviation und dem Luftsport zu informieren. Die 25. Ausgabe der AERO im vergangenen Jahr hatte mit 707 Ausstellern eine neue Rekordmarke gesetzt, die schwer zu toppen sein wird. Roland Bosch gab uns Auskunft über die Schwerpunkte der AERO 2018.

Roland Bosch ist Projektleiter der AERO in Friedrichshafen. © Messe Friedrichshafen

Aerobuzz: Wie ist der aktuelle Anmeldestand für die AERO 2018?
Roland Bosch: Die 25. AERO mit über 700 Ausstellern hatte im letzten Jahr als Jubiläumsveranstaltung eine Sonderstellung. Die Referenzmesse 2016 mit 606 Ausstellern werden wir deutlich übertreffen. Wir sind mit der Entwicklung der AERO auch dieses Jahr sehr zufrieden. Auch die Hallen der B-Seite haben sich in diesem Jahr aufgrund der 600-Kilogramm-Euphorie so schnell gefüllt wie noch nie.

Gibt es in diesem Jahr eine Messe-Neuerung, eventuell neue Themen, neue Bereiche?
Ja, in diesem Jahr haben wir erstmalig eine Flight Simulation Area inklusive eigenem Konferenzbereich eingerichtet. Erfahrenen VFR- oder IFR-Piloten bietet die Flight Simulator Area ebenso Trainingsmöglichkeiten und die Chance, verschiedenste Luftfahrzeuge am Simulator zu steuern wie auch den Besucher die noch keine Erfahrung als Pilot haben. Die Flight Simulaton Area bietet ähnlich wie die E-Flight-Expo, die Avionics Avenue oder die Engine Area Schwerpunktthemen mit fachlichem Tiefgang an.

Auf der AERO ist Avionik ein gut besuchter Ausstellungsschwerpunkt. © Messe Friedrichshafen

Nicht neu, aber immer noch hoch aktuell und spannend ist der Spezialbereich AERODrones/UAS Expo. Die Einführung des Drohnenführerscheins belegt, welchen Stellenwert zivile Drohnen mittlerweile in der Luftfahrt haben. Wir sehen hier das Miteinander und nicht das Gegeneinander. So werden sowohl bemannte als auch unbemannte Luftfahrzeuge verschiedener Hersteller, ausgerüstet mit modernster Sensor- und Messtechnik, zu sehen sein. Zudem stehen auf der AERO erneut Inflight Airfields für Unmanned Aerial Systems (UAS) zur Verfügung, die den Ausstellern ermöglichen, diverse Systeme direkt im Einsatz vorzuführen. Neben der UAV DACH-Konferenz gibt es ein Symposium zum Thema Drohnen in der Forstwirschaft.

Die Nachwuchsförderung und -gewinnung ist schon länger ein Anliegen der AERO. Welche Aktivitäten sind dort in diesem Jahr zu erwarten?
Im Vorfeld der AERO veranstaltet die Wirtschaftsförderung Bodenseekreis die Aktion AIRstudent, bei der Studierende aus entsprechenden Fachrichtungen nach Friedrichshafen kommen, um sich hier in der Region über Karrierechancen in der Luft- und Raumfahrtindustrie zu informieren. Wir stellen wieder die Übernachtungsmöglichkeiten auf dem Messegelände zur Verfügung, und am letzten Tag von AIRstudent haben die Studierenden die Möglichkeit, die AERO zu besuchen.

Auch der Ausstellungsschwerpunkt „Be a Pilot“ wächst von Jahr zu Jahr. Hier sind Flugschulen und Ausbildungseinrichtungen rund um die Pilotenausbildung an einem Standort zusammengefasst. Hier können sich Interessierte über die Möglichkeiten der Flugausbildung oder der Weiterbildung zu höherwertigeren Lizenzen und Berechtigungen informieren.

Die ILA in Berlin beginnt nur zwei Tage nach dem Messeschluss der AERO. Sehen Sie darin ein Problem für die AERO?
Nein. Der von der ILA gewählte Termin ist sicherlich nicht ideal. D die AERO und die ILA  unterschiedliche Marktsegmente bedienen, gibt es so gut wie keine Überschneidungen und damit auch keine Probleme. Ich kenne keinen AERO-Aussteller, für den die ILA so kurz nach der AERO ein Problem darstellen würde. Journalisten, die über beide Messen berichten, haben möglicherweise eher ein Problem damit. Da sich auch die Besucherzielgruppen so gut wie nicht überschneiden, bereitet uns der vorgezogene ILA-Termin kein Kopfzerbrechen. Wir wünschen der ILA viel Erfolg! Es kann die europäische Luft- und Raumfahrt nur beflügeln, wenn zwei erfolgreichen Luftfahrtmessen die gesamte innovative Bandbreite der Luftfahrt präsentieren.

Turboprop-Flugzeuge wie die TBM 910 und die TBM 930 bilden das obere Segment der einmotorigen Reiseflugzeuge. © Messe Friedrichshafen

Sie haben die E-Flight-Expo schon erwähnt, bei der es um die Zukunft des Fliegens allgemein und um elektrisches Fliegen im Speziellen geht. Wie sieht es da aus?
Die E-Flight-Expo wird wiederum in der Halle A7 stattfinden und sie hat die gleiche wichtige  Bedeutung wie in den vergangenen Jahren. Das Thema ist ja aktueller denn je. Allerdings muss ich zugeben, dass wir uns in diesem Jahr etwas schwerer getan haben als bisher. Leider sind zwei Hersteller mit ihren Projekten nicht rechtzeitig fertig geworden. Zur E-Flight Airshow für die Fachjournalisten am Dienstag, also vor dem offiziellen Messebeginn, wird es trotzdem eine hochinteressante Elektroflug Performance geben. Unter anderem werden von Siemens und Magnus technische Neuheiten zu sehen sein.

Die AERO ist ja eine bedeutende Zusammenkunft von klugen Köpfen aus der General Aviation, die zum Teil auch gerne ihr Wissen weitergeben. Spielen die Konferenzen auf der AERO 2018 eine Rolle?
Das Konferenzprogramm hat sich zu einer der tragenden Säulen der AERO entwickelt. Die Slots für die Vortragenden sind komplett gebucht. Wir werden in den nächsten Jahren versuchen, dafür noch mehr Raum zur Verfügung zu stellen. Im Bereich Helikopter, den wir in Zukunft auch stärker anbieten, werden wir daher einen eigenen kleinen Konferenzberiech anbieten. Es besteht ein latenter Bedarf an solchen Konferenzen. Die AERO ist der wichtigste Meeting Point für die Netzwerker der GA. Durch den Innovationsdruck und durch neue Regelwerke kommen ständig neue Themen wie die ADS-B-Ausrüstungspflicht oder Vernetzung der Mobilität hinzu.

Die Besucher wollen aber auch Flugzeuge sehen. Ist das Static Display ausgebucht?
Die Besucher werden sehr viele interessante neue Flugzeuge sehen. Vom neuesten UL, über Gyrocopter und Helikopter bis hin zum Business Jet. Textron Aviation hat für dieses Jahr aus internen Gründen die Anmeldung storniert. Sie wollen im nächsten Jahr wieder dabei sein. Ebenso werden die Segelflugzeughersteller im geraden Jahr pausieren.

Im Static Display der Aero sind große und kleine Flugzeuge aus der Allgemeinen Luftfahrt zu entdecken. © Messe Friedrichshafen

China verfolgt sehr ehrgeizige Ziele zum Aufbau einer General Aviation im Land. Gibt es auch chinesische Aussteller auf der AERO in diesem Jahr?
Die Chinesen haben bekanntlich einige große und traditionelle Brands gekauft. China ist somit indirekt auf der AERO 2018 vertreten. Wir selbst sind seit geraumer Zeit mit chinesischen Investoren wegen der Etablierung einer AERO ASIA in Kontakt. Wir hoffen, dass wir schon zur AERO mehr zu einer möglichen Location sagen können.

Fakt ist, dass in China nichts Unüberlegtes geschieht. Die Chinesen verfolgen einen langfristigen Plan. Derzeit wird dort eine komplette und nahezu flächendeckende Infrastruktur für die General Aviation aufgebaut. Es ist gut möglich, dass die dort bisher unbekannte GA in wenigen Jahren durchstartet. Wir waren oft dort. Da liegt ein Masterplan vor. Wir haben in China bereits zwei Messethemen am Laufen. Wir glauben an eine starke die Zukunft der General Aviation in China. Wenn alles so läuft wie geplant, sind wir mit der AERO ASIA mit dabei.

Das Interview führte Volker K. Thomalla

 

 

 

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Über Volker K. Thomalla

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Volker K. Thomalla ist Chefredakteur von aerobuzz.de. Er berichtet seit über 30 Jahren als Journalist über die Luft- und Raumfahrt. Von 1995 bis 2016 leitete er als Chefredakteur die Redaktion aerokurier, von 2000 bis 2016 zusätzlich die Redaktionen FLUG REVUE und Klassiker der Luftfahrt. Thomalla ist seit 2016 Chefredakteur des englischsprachigen Business-Aviation-Magazins BART International. Er hat mehrere Bücher über die Luftfahrt geschrieben und als Privatpilot auch praktische Flugerfahrung gesammelt.

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