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Exklusiv-Interview: Robert J. Stoppek, CEO Continental Aerospace Technologies

Robert J. Stoppek hat erst vor 30 Tagen sein Amt als Hauptgeschäftsführer (CEO) von Continental Aerospace Technologies angetreten. Trotzdem gab er Aerobuzz.de als erstem Medium weltweit schon ein Interview und sprach über die Herausforderungen der Coronakrise und die Zukunft der General Aviation.

6.05.2020

Robert J. Stoppek leitet seit dem 30. März 2020 als Präsident und Hauptgeschäftsführer den Motorenhersteller Continental Aerospace Technologies. © Continental Aerospace

Die seit 2011 zum chinesischen AVIC-Konzern gehörende Flugmotorenschmiede Continental Aerospace Technologies hat mit Robert J. Stoppek seit einem Monat eine neue Leitung. Stoppek war vor seiner Ernennung zum Präsidenten und CEO von Continental Hauptgeschäftsführer von Waukesha Engines, einem Hersteller von stationären Gasmotoren, der 2018 von GE an die Finanzfirma Advent International verkauft wurde. Continental Aerospace Technologies beschäftigt in seinen Werken in den USA, Deutschland und China 600 Mitarbeiter. Das Unternehmen kann auf eine über 100-jährige Geschichte zurückblicken.

 

Aerobuzz: Hat die Coronakrise den Geschäftsbetrieb von Continental Aerospace Technologies beeinträchtigt?

Robert J. Stoppek: Ich denke, dass wir wie viele andere Unternehmen von dem Ausbruch von Covid-19 betroffen sind, sowohl in der Produktion als auch in der Lieferkette. Wir haben uns an die Situation angepasst und uns entsprechend ausgerichtet. Ich bin froh, sagen zu können, dass es unter unseren Mitarbeitern keinen einzigen Covid-19-Fall gibt.

Aerobuzz: Wie sehen Sie die Zukunft der General Aviation?

Stoppek: Kurzfristig liegen unsere Prioritäten darauf, unsere Maintenance-Partner und Händler zu unterstützen. Aber wir sehen ganz klar, dass die Menschen nach der Coronakrise schnell wieder ihre Motoren starten und fliegen werden. Langfristig betrachtet sehen wir, dass sich die General Aviation kontinuierlich weiterentwickeln wird. Für die Zukunft der Allgemeinen Luftfahrt sind wir sehr optimistisch.

Aerobuzz: Glauben Sie, dass die Avgas-Produktion in naher Zukunft enden wird?

Stoppek: Wir glauben nicht, dass die Avgas-Produktion in der nächsten Zukunft beendet wird. Wir haben heute bereits eine Palette von Jetfuel-Motoren im Angebot. Wir haben bisher über 6.000 dieser Jet-A-Motoren an Kunden ausgeliefert und diese Motoren haben eine Erfahrung von über 7,1 Millionen Flugstunden gesammelt. Jetfuel ist die Zukunft. Es ist schon heute überall verfügbar.

Jetfuel ist die Zukunft

Aerobuzz: Continental Aerospace Technologies kann auf eine lange Geschichte von kontinuierlichen Innovationen zurückblicken. Sehen Sie einen technologischen Quantensprung oder disruptive Technologien im Bereich der Luftfahrtantriebe in naher Zukunft?

Stoppek: Ja, Continental Aerospace Technologies hat eine lange Geschichte als Innovator. Wir haben als erstes Unternehmen den Turbolader in die General Aviation gebracht, wir haben die erste digitale FADEC-Triebwerkssteuerung für die Allgemeine Luftfahrt entwickelt. Wir glauben, dass es auch in Zukunft disruptive Technolgien in diesem Sektor geben wird und wir arbeiten daran. Unter anderem kooperieren wir bei Zukunftsthemen auch mit VerdeGo Aero, die ja an hybrid-elektrischen Antrieben und rein elektrischen Antrieben für Luftfahrzeuge arbeiten.

Aerobuzz: Continental ist der Antriebshersteller in der General Aviation, der am internationalsten aufgestellt ist. Wie groß ist die Herausforderung, Produktion, Zertifizierungen und Innovationen über drei Kontinente hinweg zu steuern?

Stoppek: Da gibt es klar einige Herausforderungen. Aber wir haben die richtige technische Infrastruktur und fantastische Mitarbeiter. Unsere Mitarbeiter sind durch die geografische Verteilung nah am Kunden und sprechen viele Sprachen. Das ist sehr wertvoll für uns als Unternehmen.

Die Motoren der Continental 500-Familie sind unter anderem in den erfolgreichen Cirrus-Mustern SR22 und SR22T zu finden. © Continental Motors

Aerobuzz: 2020 wird als ein Jahr ohne Luftfahrtmessen in die Geschichte eingehen. Nach der Absage des EAA AirVentures ist selbst die NBAA-BACE auf der Roten Liste der gefährdeten Veranstaltungen. Wie wichtig sind Airshows für ihr Unternehmen?

Stoppek: Für uns gehört die Verbindung mit den Kunden zu den absoluten Top-Prioritäten. Diese Luftfahrtveranstaltungen erlauben uns, direkt in Echtzeit mit den Kunden zu kommunizieren und uns ein ungefiltertes Feedback einzuholen. Was bewegt die Kunden, was können wir besser machen? Gleichzeitig sehen wir auf den Messen, welche Themen die Branche bewegen, wo es gemeinsame Herausforderungen gibt und welche Trends sichtbar sind. Messen bringen unsere Industrie nach vorne. Für uns haben Luftfahrtveranstaltungen eine große Bedeutung.

Aerobuzz: Produkte sind ein wichtiger Teil ihres Geschäfts. Wie wichtig sind Dienstleistungen für Continental Aerospace Technologies?

Stoppek: Service ist für uns sehr wichtig. Hier kommen wir mit unseren Kunden in Kontakt und können sie von der Qualität unserer Produkte und Dienstleistungen überzeugen. Kunden, die mit dem Service und den Produkten zufrieden sind, kommen als Kunden wieder. Wir glauben an hochwertigen Service, deshalb wollen wir auch den besten Service bieten, den es in der Industrie gibt.

Aerobuzz: Continental hat ein beeindruckendes Produktportfolio. Gibt es ein bestimmtes Produkt oder eine bestimmte Produktfamilie, die sie vermissen?

Stoppek: Ich bin stolz auf unser breit angelegtes Portfolio. Aber man kann es immer verbessern. Ich könnte mir vorstellen, dass wir Kunden sowohl in der unteren als auch in der oberen Leistungsklasse Alternativen anbieten könnten.

Aerobuzz: Im September des vergangenen Jahres hat Continental Aerospace Technologies die Eröffnung der neuen Fabrik in Mobile im US-Bundesstaat Alabama gefeiert. Hat sich das Team schon an die neuen Prozesse gewöhnt?

Stoppek: Wir haben eine fantastische Mannschaft. Das Team war auch schon vor der Inbetriebnahme der neuen Fabrik sehr flexibel und hat nie still gestanden. Wir haben schon in der Vergangenheit unsere Prozesse kontinuierlich verbessert und werden dies auch in der Zukunft machen. Wie können wir unsere Kunden noch besser bedienen, noch besser unterstützen, sind unser Antrieb.

Aerobuzz: Drohnen spielen eine immer größere Rolle in der Luftfahrt. Sehen Sie ein Engagement von Continental in diesem Markt?

Stoppek: Wir waren immer ein Vorreiter und werden es auch in Zukunft sein. Wir haben ein starkes Portfolio, das wir in weitere Technologien einbringen können wie beispielsweise hybrid-elektrische Antriebe für unbemannte Systeme. Ich bin sehr gespannt, auf das, was die nächsten Jahrzehnte in der Luftfahrt hervorbringen werden.  

Die Fragen stellte Volker K. Thomalla

 

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Über Volker K. Thomalla

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Volker K. Thomalla ist Chefredakteur von aerobuzz.de. Er berichtet seit über 30 Jahren als Journalist über die Luft- und Raumfahrt. Von 1995 bis 2016 leitete er als Chefredakteur die Redaktion aerokurier, von 2000 bis 2016 zusätzlich die Redaktionen FLUG REVUE und Klassiker der Luftfahrt. Thomalla ist seit 2016 Chefredakteur des englischsprachigen Business-Aviation-Magazins BART International. Er hat mehrere Bücher über die Luftfahrt geschrieben und als Privatpilot auch praktische Flugerfahrung gesammelt.

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