Homepage » General Aviation » NASA testet den Reiseflugmotor der X-57 Maxwell

Continental Motors

NASA testet den Reiseflugmotor der X-57 Maxwell

Die NASA testet die einzelnen Systeme ihres elektrisch angetriebenen Versuchsflugzeugs X-57 Maxwell, bevor sie ins Flugzeug eingebaut werden. Derzeit untersucht sie die Motoren, die im Reiseflug zum Einsatz kommen sollen.

16.03.2018

Den Prüfstand, auf dem die NASA den Reiseflugmotor der X-57 Maxwell testet, haben die Ingenieure "Airvolt" getauft.© Lauren Hughes/NASA

Die X-57 Maxwell ist seit langer Zeit mal wieder ein Flugzeug der Allgemeinen Luftfahrt, das die NASA in ihre X-Flugzeug-Versuchsreihe aufgenommen hat. Bei dem Muster handelt es sich um ein elektrisch angetriebenes Testflugzeug, mit dem die NASA verschiedene Technologien zum Elektroflug im Flug erproben will. Die Forschungseinrichtung nutzt einen Rumpf einer Tecnam P2006T und hat ihn mit einem Flügel mit insgesamt 14 Elektromotoren zusammengebracht. 12 Motoren sind für den Start und den Steigflug vorgesehen, die beiden äußeren Motoren kommen sowohl beim Start und bei der Landung und im Reiseflug zum Einsatz, wenn die kleineren Motoren abgeschaltet sind.

Die NASA will mit der X-57 Maxwell demonstrieren, dass der Elektroflug das Potenzial hat, mit hoher Effizienz und einem deutlich reduzierten CO2-Ausstoß und extrem geringen Geräuschemissionen zu niedrigen Kosten zu fliegen.

Die NASA testet momentan den Motor, der die X-57 Maxwell im Reiseflug antreiben soll. © Lauren Hughes/NASA

Die Behörde testet seit Ende Januar die äußeren Reiseflugmotoren im Armstrong Flight Research Center in Kalifornien auf Bodenprüfständen. Die Motoren treiben jeweils einen Dreiblatt-Propeller von MT-Propeller aus Straubing an. „Wir wollen sicherstellen, dass das Antriebssystem so sicher wie möglich ist, bevor die X-57 mit den Flugtests beginnt. Diese Tests sind wirklich wichtig, denn die X-57 ist ein bemanntes Forschungsprojekt, das bedeutet, dass das Flugzeug bemannt fliegen wird„, erklärt Yohan Lin, der leitende Ingenieur des Prüfstandes, die Vorgehensweise.

Die NASA bekommt fünf Aggregate

Die NASA bekommt insgesamt fünf Reiseflugmotoren des Typs JM-X57 von Jobs Aviation aus Santa Cruz in Kalifornien. Zwei der fünf Motoren werden in einem ersten Schritt die beiden Rotas-Motoren der Tecnam P2006T ersetzen. Diese Phase des Programms heißt Mod II. Mit dieser Konfiguration beginnen die Flugtests. In der nächsten Phase, Mod III, wandern die Antriebe an die Flügelspitzen. Zwei der fünf Reiseflugmotoren dienen als Reserveaggregate, die nur zum Einsatz kommen, wenn einer der der Motoren defekt wäre. Der fünfte JM-X57-Motor wird schließlich auf dem Prüfstand malträtiert und danach auseinandergenommen, um zu schauen, wie er die Torturen weggesteckt hat.

Wenn diese Tests alle gut gelaufen sind, kommt die Phase Mod IV. Bei ihr integrieren die Techniker die insgesamt zwölf kleinen Motoren in der Flügelvorderkante der X-57 Maxwell.

Airvolt ist ein Freiluft-Prüfstand

Bei den jetzt laufenden Motorentests auf dem Freiluft-Prüfstand – den die Ingenieure „Airvolt“ getauft haben – werden unter anderem die Parameter Spannung, Temperatur, Stromfluss, Schwingungen, Drehmoment und Schub gemessen und aufgezeichnet. Die Tests finden in einer großen Temperatur-Bandbreite statt, um sicherzustellen, dass das spätere Flugzeug auch alltagstauglich ist.

Die NASA will mit dem Forschungsflugzeug X-57 Maxwell auch die Grundlagen für spätere Zulassungsstandards für Elektroflugzeuge legen. Für die geplante Auslegung der X-57 Maxwell sowie für weitere Elektroflugprojekte gebe es derzeit keine sinnvolle Zulassungsgrundlage, so die NASA.

„Indem wir diese Lektionen nun am Boden lernen, vermeiden wir spätere gefährliche und teure Fehler bei der Flugerprobung“, sagte Tom Rigney, X-57 Programm-Manager bei der NASA. „Ein wichtiger Aspekt der X-57 ist ja, dass wir die Technologien für elektrische Antriebssysteme vorantreiben, indem wir Daten des Airvolt-Prüfstandes, anderen Bodentesteinrichtungen und von der Flugerprobung sammeln, die es erlauben, die neuen Regularien zu entwickeln.“

Volker K. Thomalla

 

 

 

Weitere Beiträge zu diesem Thema:

Die NASA hat die Batterien der X-57 Maxwell erfolgreich getestet

Norwegen plant Kurzstreckenflüge mit Elektroflugzeugen

E-Fan X: Elektroflug für Verkehrsflugzeuge rückt näher

 

 

Über Volker K. Thomalla

zum Aerobuzz.de
Volker K. Thomalla ist Chefredakteur von aerobuzz.de. Er berichtet seit über 30 Jahren als Journalist über die Luft- und Raumfahrt. Von 1995 bis 2016 leitete er als Chefredakteur die Redaktion aerokurier, von 2000 bis 2016 zusätzlich die Redaktionen FLUG REVUE und Klassiker der Luftfahrt. Thomalla ist seit 2016 Chefredakteur des englischsprachigen Business-Aviation-Magazins BART International. Er hat mehrere Bücher über die Luftfahrt geschrieben und als Privatpilot auch praktische Flugerfahrung gesammelt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.