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Privatpilot in England für gewerblichen Flug verurteilt

Eine Privatpiloten-Lizenz berechtigt nicht zur gewerbsmäßigen Beförderung von Passagieren. Ein PPL(A)-Inhaber aus England, der 2017 drei Fluggäste gegen Bezahlung in seiner PA-28-140 beförderte und dabei einen Unfall verursachte, wurde nun von einem Gericht wegen des fehlenden AOC und der fehlenden Commercial Pilot Licence (CPL) verurteilt. 

28.02.2019

Der britische Pilot einer Piper PA-28-140 (Symbolbild) wurde vor einem britischen Gericht für schuldig gesprochen, illegal einen gewerblichen Flug durchgeführt zu haben. © Adrian Pingstone

Der britische Privatpilot Robert M. ist in der vergangenen Woche vom Manchester Crown Court schuldig gesprochen worden, ohne die entsprechende Pilotenlizenz und ohne Betriebsgenehmigung einen gewerblichen Flug durchgeführt zu haben.

Robert M. hatte drei Vogelbeobachtern angeboten, sie am 9. September 2017 vom Barton Airport bei Manchester auf die Insel Barra auf den Äußeren Hebriden zu fliegen. Dort war ein seltener Vogel gesichtet worden. Robert M. wollte für diesen Flug eine Piper PA-28-140 Cherokee nutzen. Er selbst verfügte über eine PPL(A)-Lizenz ohne Instrumentenflugberechtigung und hatte von jedem seiner Passagiere für den Flug 500 britische Pfund kassiert. Das Wetter an diesem Tag war regnerisch, auf der Piste hatten sich Pfützen gebildet.

Das Wetter war für den Flug ungeeignet

Der Flugleiter warnte ihn, die Graspiste zu nutzen, da sie an diesem Tag sehr nass war. Der Pilot füllte die Tanks der PA-28-140 randvoll und ließ die drei Passagiere einsteigen. Als die Feuerwehrleute sahen, dass der Pilot trotz der Wetterbedingungen wirklich fliegen wollte, zogen sie noch vor dem Start vorsorglich bereits ihre Einsatzkleidung an!

Als die PA-28-140 zum Startpunkt rollte, war das Flugzeug noch 193 Kilogramm überladen. Den Start beobachteten mehrere Spotter, darunter auch ein erfahrener Fluglehrer, der später zu Protokoll gab, dass das Bugrad während des gesamten Startlaufs keine Anstalten machte, sich vom Boden erheben zu wollen.

Die PA-28 hob ab, flog im Bodeneffekt und gewann kaum an Höhe. Daraufhin entschied sich der Pilot, zum Platz zurückzukehren. Er schaffte wirklich eine Kurve, kollidierte dann aber mit Bäumen und stürzte in einen Kartoffelacker 150 Meter vor einer belebten Autobahn. Robert M. brach sich bei dem Absturz die Nase, seine Passagiere wurden nur leicht verletzt und konnten sich selbst aus dem Wrack befreien, da kein Brand ausgebrochen war.

Bruchlandung auf dem Kartoffelacker

Die Flugunfall-Untersuchungsstelle Serious Collision Investigation Unit der Zivilluftfahrtbehörde untersuchte den Unfall und stellte fest, dass er von den Passagieren mehr Geld verlangt hatte als der Flug gekostet hätte. Sein Gewinn bei diesem Flug hätte bei rund 1.000 Pfund gelegen. Als unfallursächlich beurteilte die Untersuchungskommission die Entscheidung des Piloten, stark überladen gestartet zu sein.

Die Staatsanwaltschaft reichte daraufhin Klage gegen den Piloten ein, was zu dem Prozess in der vergangenen Woche führte. Robert M. plädierte auf nicht schuldig und führte an, dass er einen Fehler gemacht habe, da er bei der Berechnung der Ladung sein eigenes Gewicht nicht berücksichtigt habe. Den Vorwurf, einen gewerblichen Flug durchgeführt zu haben, wies er ebenfalls zurück.

In sieben Anklagepunkten schuldig

Die Geschworenen und das Gericht kamen aber zu einem anderen Ergebnis und befanden ihn in sieben Anklagepunkten für schuldig. Darunter sind schwerwiegende Vorwürfe wie Eingriff in die Sicherheit des Luftverkehrs, Gefährdung von Personen, Fliegen ohne Betriebsgenehmigung, Fliegen ohne Versicherung, Fliegen ohne korrekte Lizenz.

Der Richter sagte, dass dieser Flug für die Insassen nur mit viel Glück nicht tödlich endete. Der Pilot habe seinen persönlichen Profit über die Sicherheit gestellt. Das Strafmaß soll am 15. März verkündet werden. Ihn erwartet im schlimmsten Fall nun eine Gefängnisstrafe.

Mit PPL keine gewerblichen Flüge

PPL(A)-Inhaber dürfen nach EASA- und nach Regeln der britischen Zivilluftfahrtbehörde die Kosten für einen Flug mit ihren Passagieren teilen. Allerdings darf der Flug nicht im Auftrag des Fluggastes durchgeführt werden,  und der Pilot muss seinen entsprechenden Anteil an den Kosten tragen. Auf keinen Fall darf dabei wie im vorliegenden Fall, ein erheblicher Gewinn gemacht werden, da sonst ein gewerblicher Flug vorliegt.

Das Thema hat in Großbritannien nach dem Absturz einer PA-46 Malibu im Ärmelkanal große Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Bei dem Unfall war ein Fußballspieler der Premier League und sein Pilot ums Leben gekommen. Der Pilot der US-registrierten Malibu hatte ebenfalls keine CPL, war aber im Auftrag seines Passagiers geflogen. Die Absturzursache ist bislang noch nicht geklärt.

Bob Fischer

 

 

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Über Bob Fischer

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Bob Fischer ist PPL-Inhaber mit diversen Ratings. Er veröffentlicht regelmäßig Beiträge in Luftfahrtmagazinen auf der ganzen Welt. Bob hat eine große Erfahrung in Air-to-air-Fotografie mit Jets, Kolbenmotor- und Turbopropflugzeugen.

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