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Vor 50 Jahren: Start frei für Florian Frankfurt Hubschrauber 1

Vor bereits einem halben Jahrhundert startete in Frankfurt am Main die Erprobung eines "Notfall-Hubschraubers", um Verletzten im Notfall besser helfen zu können. Den Helikopter, eine Boeing-Vertol H-21C mit dem Rufzeichen "Florian Frankfurt Hubschrauber 1", stellten seinerzeit die Heeresflieger. 

17.04.2018

Die Heeresflieger aus Niedermendig stellte eine Boeing-Vertol H-21C für die Versuche als Notfall-Hubschrauber zur Verfügung. © Museumsarchiv Feuerwehr Frankfurt a. Main

In dieser Woche vor genau 50 Jahren, am 11. April 1968, seinerzeit Gründonnerstag, stationierte die Feuerwehr Frankfurt am Main versuchsweise einen besonderen Notfall-Hubschrauber an der Berufsgenossenschaftlichen Unfallklinik im Frankfurter Stadtteil Seckbach. An insgesamt acht Einsatztagen über die Oster- und Pfingstfeiertage unterstützte der Hubschrauber von 7 Uhr bis Sonnenuntergang die bodengebundenen Rettungskräfte im Rhein-Main-Gebiet im “Kampf gegen den Unfalltod“ und leistete damit einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung des “Unfallrettungsdienstes“. Allerdings dauerte es anschließend noch mehr als vier Jahre, bis in Frankfurt am Main ein regulärer Rettungshubschrauber dauerhaft stationiert wurde: die Ära des Zivilschutz-Hubschraubers (ZSH) “Christoph 2“ begann erst am 15. August 1972.

Gefordert war ein größerer Hubschrauber

1967 hatten der damalige Leitende Oberbranddirektor der Frankfurter Feuerwehr, Ernst Achilles, und der Leitende Polizeiarzt Dr. Th. Kunz den dreiwöchigen Not-Arzt-Hubschrauber-Feldversuch des praktizierenden Arztes Hans-Werner Feder aus Ober-Mörlen (Kreis Friedberg) in Neu-Anspach (Kreis Usingen) aufmerksam verfolgt (siehe Bericht auf rth.info) und für das Frühjahr 1968 einen eigenen Versuch im Rhein-Main-Gebiet angekündigt. Wichtig war beiden, dass die vom Hubschrauber-Notarzt versorgten Patienten anschließend auch auf dem Luftwege in geeignete Krankenhäuser gebracht werden konnten. Da zudem auch die technische Unfallrettung im Fokus stand, entschied man sich deshalb in Frankfurt am Main für einen gänzlich anderen Ansatz als in Neu-Anspach: Der Hubschrauber musste größer sein! Und das wurde er dann auch.

Die Heeresflieger stellten eine H-21C ab

Den Hubschrauber vom Typ Boeing-Vertol H-21C – aufgrund der gekrümmten Form seines Rumpfes im Volksmund als “Fliegende Banane“ bekannt – stellte die Heeresfliegertruppe der Bundeswehr aus Niedermendig für die beiden Versuchszeiträume kostenfrei zur Verfügung. Maschinen dieses Typs waren von der Bundeswehr bis 1967 auch als SAR-Hubschrauber eingesetzt worden. Der großräumige Helikopter bot Platz für insgesamt vier liegende und vier sitzende Patienten und hatte eine siebenköpfige Besatzung: zwei Piloten und einen Bordmechaniker von der Bundeswehr, einen Notarzt der Unfallklinik, zwei Sanitäter und einen Einsatzleiter der Feuerwehr Frankfurt am Main. Letzterer war als Funker für die Kommunikation mit der Bodenstation verantwortlich.

Die notfallmedizinische Ausstattung des Hubschraubers entsprach den damals in Frankfurt am Main eingesetzten Notarztwagen auf Basis des so genannten „Düsseldorfer Transporters“ von Mercedes-Benz und orientierte sich an der im Jahr zuvor erlassenen DIN 75080 für Rettungsdienstfahrzeuge. Für die Rettung eingeklemmter Personen bei Verkehrsunfällen wurden Brechwerkzeuge verschiedener Art und ein Karosserieschneider mitgeführt. Des Weiteren befanden sich an Bord mehrere Arbeitsleinen sowie zwei 12 kg-Pulverlöscher. Der Aktionsradius des Hubschraubers wurde – wie schon bei Feders Versuch in Neu-Anspach – auf 15 Minuten Flugzeit ausgelegt.

Koordiniert wurden die Einsätze durch einen Kommandobus der Frankfurter Feuerwehr, den diese für die Zeit der beiden Testphasen auf dem Gelände der BG Unfallklinik in der Nähe des Landesplatzes stationierte. Er hielt Verbindung zur Einsatzleitstelle der Feuerwehr Frankfurt, der Krankentransportleitstelle und zur Funkleitzentrale der hessischen Polizei. Zur Kommunikation zwischen Bodenleitstelle und Hubschrauber baute man in den Hubschrauber zusätzlich ein Funkgerät FuG 7 b ein. Im BOS-Funk wurde der Hubschrauber als “Florian Frankfurt Hubschrauber 1“ bezeichnet. Darüber hinaus standen Boden- und fliegender Crew umfangreiches Kartenmaterial mit allen wichtigen Angaben über Zu- und Abfahrten, Kilometerangaben und besonderen Merkmalen von Straßen zur Verfügung.

15 Einsätze bei schweren Unfällen

Insgesamt wurden in den beiden Versuchszeiträumen etwa 15 Einsätze bei schweren Verkehrsunfällen an Autobahnen und Bundesstraßen im gesamten Rhein-Main-Gebiet geflogen. Über den Hubschrauber-Testeinsatz in und um Frankfurt am Main, der aus heutiger Sicht ein wenig kurios anmutet, und die sich daraus ergebenden Konsequenzen für den Aufbau der Luftrettung in der Bundesrepublik wird das Webportal rth.info in einem gesonderten Bericht ausführlich eingehen.

Jörn Fries

Wir danken für die Unterstützung: Ralf Keine vom Feuerwehrgeschichts- und Museumsverein Frankfurt am Main e. V. sowie Thorsten Brückner von der Pressestelle der Feuerwehr Frankfurt am Main

 

 

 

 

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Über Jörn Fries

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Der Romanist und Historiker im Schuldienst beschäftigt sich seit seinem Studium mit dem (Luft-)Rettungswesen. Jörn Fries war viele Jahre in leitender Position bei Rettungsdienstorganisationen tätig. Er veröffentlicht regelmäßig Beiträge zu notfallmedizinischen und luftrettungsspezifischen Themen unter anderem auf rth.info

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