Homepage » Helikopter » Weltumrundung mit der Bell 429 geglückt

Eine dreiköpfige kanadische Helikoptercrew ist in 46 Tagen mit einer Bell 429 um die Welt geflogen. Gestern landete sie wieder an ihrem Startpunkt in  Vaughan bei Toronto. Das Trio beging mit seinem Flug gleich mehrere Premieren. 

15.08.2017

Die Bell 429 Global Ranger in Whitehorse. © Steve Dengler/C150GO

Zum 150-jährigen Bestehen der kanadischen Konföderation wollte der Minenbetreiber Steve Dengler aus Aurora in der Provinz Ontario zusammen mit seinem Sohn etwas Einmaliges beitragen. Die beiden wollte nicht nur als erstes Vater-Sohn-Pilotenduo mit dem Helikopter die Erde umrunden, sie wollten auch die ersten Kanadier sein, denen dieses gelingt. Als drittes Crewmitglied hatten sie Rob „Dugal“ MacDuff ausgewählt, einen ehemaligen Bell-Testpiloten mit über 12.000 Stunden im Flugbuch.

Die Wahl des Helikopters für das „C150 Global Odyseey (C150GO)“ getaufte Unterfangen fiel den drei Piloten leicht. Sie benötigten auf jeden Fall einen zweimotorigen Hubschrauber, der über eine Mindestreichweite verfügt, damit die Überwasserstrecken überhaupt machbar waren, und er sollte in Kanada gebaut werden. Deswegen kam nur die Bell 429 in Frage. Die Reichweite von 411 nautischen Meilen (761 Kilometern) mit Standardtanks entspricht in etwa der maximalen Distanz, die sie über Wasser nonstop zu überbrücken hatten. Ein passender Name für den Hubschrauber war auch gleich gefunden: Bell 429 Global Ranger.

Genaue Reichweitenkalkulation war ein Muss

Das ganze Unternehmen wurde fast ein Jahr lang geplant und dient auch dazu, Spenden für eine Krankenhaus-Stiftung sowie für die True Patriot Love Foundation zu sammeln, eine Organisation, die sich um kanadische Veteranen und ihre Familien kümmert.

Einmal mit dem Helikopter um die Welt: Das dreiköpfige kanadische Team hat sich den Traum erfüllt und ist auf der rot dargestellten Route um die Erde geflogen. © C150GO

Das geplante Routing startete in Vaughan, einem nördlichen Vorort von Toronto und führte zunächst in Richtung Osten an die Atlantikküste. Von dort ging es nach Norden zu dem kanadischen Ort auf dem Festland, der am nächsten zu einem Flugplatz auf Grönland liegt. Dieser Ort heißt Pangnirtung, Nunavut. Die Strecke führte weiter um die Südspitze Grönlands herum nach Island, die Faröer-Inseln, Schottland, England, Frankreich und den Flugplatz Dahlemer Binz in Deutschland. Danach ging es weiter über Tschechien, Polen, Litauen, Russland über die Bering-Straße nach Alaska und von dort im Zick-zack-Kurs quer durch Kanada wieder zurück nach Vaughan.

Bei der Routenplanung hatte die Besatzung Wert darauf gelegt, Orte zu überfliegen oder als Zwischenstation zu nutzen, die eine Bedeutung für die Geschichte Kanadas besitzen. So lag beispielsweise St. John’s in Neufundland auf der Strecke. Auf dem dortigen Signal Hill hatte Guglielmo Marconi 1901 das erste transatlantisch gesendete Funksignal empfangen. In Frankreich überflog die Bell 429 das Canadian National Vimy Memorial, das an die Opfer der Schlacht um den Vimy-Hügel vor 100 Jahren im Ersten Weltkrieg erinnert.

Am 1. Juli startete das Abenteuer. Statt wie geplant 35 bis 40 Tage dauerte es am Ende 46 Tage, aber es gelang. Die Besatzung berichtete tagesaktuell auf sozialen Medien über ihren Flug. Sie legte mit ihrer Bell 429 rund 20.000 nautische Meilen (38.000 Kilometer) zurück und landete auf 108 Flugplätzen. Nur den Startflugplatz Vaughan nutzte sie bei der Weltumrundung zwei Mal.

Volker K. Thomalla

 

Über Volker K. Thomalla

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Volker K. Thomalla ist Chefredakteur von aerobuzz.de. Er berichtet seit über 30 Jahren als Journalist über die Luft- und Raumfahrt. Von 1995 bis 2016 leitete er als Chefredakteur die Redaktion aerokurier, von 2000 bis 2016 zusätzlich die Redaktionen FLUG REVUE und Klassiker der Luftfahrt. Thomalla ist seit 2016 Chefredakteur des englischsprachigen Business-Aviation-Magazins BART International. Er hat mehrere Bücher über die Luftfahrt geschrieben und als Privatpilot auch praktische Flugerfahrung gesammelt.

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