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Airbus hat im April nur 14 Flugzeuge an Kunden übergeben

Der April war für die Flugzeughersteller ein weitgehend verlorener Monat. Airbus hat nur 80 Prozent weniger Zivilflugzeuge ausgeliefert als im April 2019. Anfang des Monats standen noch 60 fertiggestellte Airliner abholbereit bei Airbus auf dem Hof. Die Kunden konnten die Flugzeuge aber wegen der Reisebeschränkungen nicht übernehmen – was einigen Kunden sicher nicht unpassend war. 

9.05.2020

Die türkische Fluggesellschaft Pegasus war die erste Airline, die ein Airbus-Flugzeug mit dem neuen e-Delivery-Prozess übernommen hat. © Airbus

Die Auswirkungen der Coronakrise auf den Luftverkehr spiegeln sich jetzt auch in den Zahlen der Flugzeughersteller wider. Airbus hat im April dieses Jahres lediglich 14 Flugzeuge an Kunden übergeben können, das sind 56 weniger als im April 2019. Bemerkenswert ist auch, dass alle Auslieferungen in den letzten drei Arbeitstagen des Monats erfolgten. Neben sechs A320neo, sechs A321neo übergab der Hersteller auch zwei Widebodies, eine A330-200 sowie eine A350-900 an die Abnehmer. Von der A220 wurde nicht ein einziges Exemplar übergeben.

Einer der Kunden war die türkische Pegasus Airlines, die als weltweit erste Fluggesellschaft einen Airbus A321neo mit Hilfe des so genannten e-Delivery-Prozesses übernahm. Bei dieser Übergabe wird der größte Teil der notwendigen Arbeiten von Airbus-Mitarbeitern erledigt und Dokumentationen, Beglaubigungen, etc. erfolgen ausschließlich digital. Damit wird sichergestellt, dass Kunde und Hersteller so wenig persönlichen Kontakt wie möglich haben, um eine potenzielle Infektion der Geschäftspartner zu vermeiden.

Flugzeuge können nicht abgeholt werden

Schon Anfang des Monats hatten sich 60 produzierte, aber nicht abgeholte Flugzeuge auf den Vorfeldern der Airbus-Werke gestaut. Da die Bezahlung von Verkehrsflugzeugen zu einem großen Teil bereits während der Produktion des Flugzeugs erfolgt, macht es für Airline wenig Sinn, fertig gebaute Flugzeuge nicht abzuholen, selbst wenn sie direkt nach der Übergabe geparkt werden. Der größte Teil der Investition für das Flugzeug ist zu diesem Zeitpunkt bereits getätigt. Es waren vor allem Reisebeschränkungen durch die Coronakrise, die verhindert haben, dass Delegationen der Airlines die Flugzeuge abholen konnten.

Gleichwohl gibt es natürlich auch Airlines, die nicht unglücklich darüber sind, dass sie ihre Flugzeuge nicht abholen können. Dabei handelt es sich vor allem um Fluggesellschaften, die ihre Flugzeuge leasen. Solange die Leasinggesellschaft das Flugzeug nicht abliefert, sind keine Leasingraten fällig.

Der dritte Airbus A380 für ANA wird erst im zweiten Halbjahr 2020 ausgeliefert. © Airbus via ANA

Bis Ende April hat Airbus 365 neue Flugzeugbestellungen in diesem Jahr in sein Auftragsbuch eintragen können und 60 feste Aufträge nach Stornierungen wieder streichen müssen. Das ergibt eine Netto-Bestellzahl von 299 Flugzeugen. Airbus musste auch einige Verschiebungen von Auslieferungen  akzeptieren, da Kunden ihre Flugzeug kurzfristig nicht abnehmen werden. Dazu gehört auch der dritte Airbus A380 für die japanische All Nippon Airways (ANA), der eigentlich ab Anfang Juli Passagiere zwischen Japan und Hawaii hätte fliegen sollen. Das Flugzeug wird nun auf Kundenwunsch frühestens im September dieses Jahres an ANA übergeben.

Volker K. Thomalla

 

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Über Volker K. Thomalla

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Volker K. Thomalla ist Chefredakteur von aerobuzz.de. Er berichtet seit über 30 Jahren als Journalist über die Luft- und Raumfahrt. Von 1995 bis 2016 leitete er als Chefredakteur die Redaktion aerokurier, von 2000 bis 2016 zusätzlich die Redaktionen FLUG REVUE und Klassiker der Luftfahrt. Thomalla ist seit 2016 Chefredakteur des englischsprachigen Business-Aviation-Magazins BART International. Er hat mehrere Bücher über die Luftfahrt geschrieben und als Privatpilot auch praktische Flugerfahrung gesammelt.

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