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Boeing eröffnet Digital Aviation and Analytics Labor in Frankfurt

Boeing gestaltet die digitale Zukunft der Luftfahrt und hat dazu ein neues Forschungs- und Entwicklungslabor im ehemaligen Druck- und Verteilzentrum von Jeppesen bei Frankfurt eröffnet.

30.11.2017

Boeing Global Services hat am 29. November 2017 in Neu-Isenburg das Digital Aviation & Analytics Lab eröffnet. © Volker K. Thomalla

Wenn es überhaupt noch eines Beweises bedurft hätte, wie sehr die Luftfahrt digitalisiert ist, dann hätten zwei Besuche bei Jeppesen in Neu-Isenburg gereicht. Wo noch vor wenigen Monaten in einer langen Halle Druckmaschinen, Verteilbänder und Sortierfächer für Tausende von gedruckten Luftfahrtkarten standen, dominieren seit kurzem Computer und Schreibtische mit Monitoren. An die Zeit des Gebäudes als Verteilzentrum und Druckerei erinnert nur noch ein rund fünf Meter langes Rollenband in dem Großraumbüro.

Gestern hat Boeing Global Services, der erst vor sechs Monaten gegründete Geschäftsbereich des US-Konzerns, in Neu-Isenburg in dem ehemaligen Jeppesen-Geäude sein Digital Aviation & Analytics Lab Frankfurt offiziell in Betrieb genommen. Das Gebäude beherbergt den Boeing Think Tank für Digitalisierung. Über 50 Forscher und Software-Entwickler arbeiten hier und erfinden die digitale Zukunft der Luftfahrt.

12 Monate, 12 Projekte, 6 Produkte

Die Ziele des Labors sind ehrgeizig: Alle zwölf Monate sollen zwölf Projekte untersucht, und sechs Projekte zur Produktreife gebracht werden. Dazu gebe es einen klaren Innovationsprozess, erklärte Dr. Jens Schiefele, Director Research & Rapid Development. Die Ideen für Projekte kämen aus allen Bereichen des gesamten Unternehmens und würden untersucht. Die einzelnen Ideen durchlaufen verschiedene Gates, in denen die Ideen auf Realisierbarkeit, Relevanz, und technologische Reife untersucht werden. Im Laufe dieses Prozesses fallen einige Ideen durchs Raster und andere würden zu konkreten Projekten und Produkten heranreifen. „Sie haben eine Idee. Wir werden sie schnell zu einem Produkt entwickeln – oder stoppen“, so dass Motto des Labors.

Hochrangige Institute sind Partner des Labors

Als akademische Partner hat das Frankfurt Lab bereits verschiedene namhafte Hochschulen gewonnen. So arbeitet es unter anderem mit den Technischen Universitäten von  Braunschweig, Darmstadt, Hamburg-Harburg, Dresden und Stuttgart zusammen. Auch das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) ist ein Partner. Zusätzlich arbeitet Boeing bei unterschiedlichen Projekten mit verschiedenen Industriepartnern zusammen.

Zu den Forschungs- und Entwicklungsschwerpunkten gehören integrierte Analyse-Lösungen für Airlines, Reduced Crew Operations (ROC), die intelligente Flugzeugkabine und Unmanned Aerial Systems. „Wir untersuchen und entwickeln hier Produkte aus und für den Markt“, sagte Dr. Schiefele.

Marc Launer, Director Solutions Research präsentiert im Frankfurt Lab von Boeing die Ops Advisor-Software. © Volker K. Thomalla

Ein Beispiel für die Innovationen aus dem Labor ist das Programm Ops Advisor, das Airlines hilft, die Auswirkungen von externen und internen Faktoren auf den laufenden Flugbetrieb zu steuern. Ops Advisor ist eine digitale Steuerungszentrale für die Flugbetrieb und ist auf jede Flottengröße skalierbar. Das Programm ist als Produkt am Markt und wird aktiv Fluggesellschaften angeboten.

Ab Februar/März wird in Neu-Isenburg ein Kabinenmodell einer Boeing 787 aufgebaut, in dem die Forscher erproben, was man mit den Daten, die von einer intelligenten Kabine erhoben werden, alles machen kann. Zu den Ideen zählt beispielsweise „predictive Maintenance“, also Wartung oder Austausch von Kabinenkomponenten, bevor diese überhaupt ausfallen. Ein anderes Beispiel für die Nutzung von Daten in der Kabine sei die automatische Erkennung von Schwimmwesten und deren Ablaufdatums. Ohne eine ausreichende Zahl von Schwimmwesten darf ein Flug nicht starten. In einer smarten Kabine erkennen die Sensoren automatisch, ob irgendwo bei einem Sitz eine Schwimmweste abhanden gekommen sei, oder ob an irgendeinem Sitz eine Schwimmweste ihr Ablaufdatum bald erreicht. „Auf einem einzigen Flug von Frankfurt nach New York kommen leicht Datenmengen von mehreren Terabytes zusammen“, erklärt Marc Launer, Director Solutions Research. Dieses Projekt wird auch vom Bundeswirtschaftsministerium gefördert. Es gebe auch eine Airline als Projektpartner, die aber noch nicht genannt werden könne, so Launer.

Volker K. Thomalla

 

 

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Über Volker K. Thomalla

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Volker K. Thomalla ist Chefredakteur von aerobuzz.de. Er berichtet seit über 30 Jahren als Journalist über die Luft- und Raumfahrt. Von 1995 bis 2016 leitete er als Chefredakteur die Redaktion aerokurier, von 2000 bis 2016 zusätzlich die Redaktionen FLUG REVUE und Klassiker der Luftfahrt. Thomalla ist seit 2016 Chefredakteur des englischsprachigen Business-Aviation-Magazins BART International. Er hat mehrere Bücher über die Luftfahrt geschrieben und als Privatpilot auch praktische Flugerfahrung gesammelt.

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