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Boeing schließt Kauf von Aurora Flight Sciences ab

Aurora Flight Sciences gehört zu den innovativsten Luftfahrtfirmen in den USA. Das Unternehmen arbeitet an einer Vielzahl von Fluggeräten der Zukunft, vom "Optional Piloted Vehicle" (OPV) über das elektrische VTOL-Flugzeug XV-24A bis zum hyper-effizienten Airliner. Nun hat Boeing die Ideenschmiede gekauft.

Ende 2018 will Aurora Flight Sciences mit den Flugtests der XV-24A Lightning Strike beginnen. Das Programm wird von der DARPA finanziert. © Aurora Flight Sciences

Boeing hat sich die Firma Aurora Flight Sciences aus Manassas im US-Bundesstaat Virginia geschnappt. Das Unternehmen gehört zu den innovativsten Luftfahrt- und Technologiefirmen in den Vereinigten Staaten und hat eine hohe Kompetenz in den Bereichen alternative Antriebe, autonomes Fliegen und fortschrittliche Luftfahrtsysteme erworben. Die Firma wird auch bei Boeing eigenständig und unter eigenem Namen, allerdings mit dem Zusatz „A Boeing Company“, weiterarbeiten. Boeing führt sie in ihrem Bereich Engineering, Test & Technology.

Das optional bemannte Fluggerät Centaur von Aurora Flight Sciences beruht auf einer DA42. © Aurora Flight Sciences

Der US-Konzern hatte die Übereinkunft mit Aurora Flight Sciences am 5. Oktober öffentlich gemacht. Die Vertragsdetails wurden nicht publiziert. Aurora beschäftigt über 550 Mitarbeiter an sechs Standorten. Neben dem Technologie-Zentrum in Manassas unterhält das Unternehmen auch ein Forschungszentrum in Luzern in der Schweiz.

Unter anderem arbeitet die Firma an dem X-Flugzeug XV-24A LightningStrike, das es zusammen mit Rolls-Royce und Honeywell gerade entwickelt. Die Rüstungs-Technologieagentur DARPA finanziert das Projekt. Bei der XV-24A handelt es sich um ein Hybrid-elektrisches, senkrecht startend und landendes, unbemanntes Fluggerät. Es wird von 24 in den Tragflächen und den Canards untergebrachten Elektromotoren angetrieben. Die Flügel und die Canards sind für Start, Landung und Hover schwenkbar. Ein verkleinerter Prototyp der XV-24A ist bereits geflogen. Der erste Prototyp in Originalgröße soll Ende 2018 zum Erstflug abheben.

Innovations-Schmiede für die Luftfahrt

Bei dem Projekt Centaur von Aurora Flight Sciences handelt es sich um ein optional bemanntes Fluggerät (OPV), das schon seit mehreren Jahren an Bord einer modifizierten Diamond Aircraft DA42 erprobt wird. Um beispielsweise bei Ferryflügen durch Lufträume zu kommen, die für autonom gesteuerte Flugzeug tabu sind, kann ein Pilot den Centaur steuern. Bei Missionen, die für Menschen gefährlich sind (zum Beispiel Messungen der Radioaktivität in der Luft nach Umweltkatastrophen wie Fukushima oder militärische Aufklärungseinsätze), fliegt Centaur autonom beziehungsweise wird von einer Bodenstation aus gesteuert. Ein weiterer Vorteil des OPV ist seine Endurance. Ein Pilot an Bord hat im Einsatz ein biologisches Limit. Er muss irgendwann einmal schlafen, sonst lässt die Konzentration nach, und die Mission bringt keine Ergebnisse. Ein unbemannter Sensorträger kann dagegen solange fliegen, wie er Treibstoff an Bord hat.

Aufgrund der Erfahrungen mit Centaur hat Aurora auch einen Copiloten-Roboter entwickelt. Der Roboter ist auf dem Copilotensitz montiert und bedient mechanisch die Funktionen wie Autopilot, Flap Setting und Fahrwerk. Im März dieses Jahres hat der „Robotic Copilot“ im Simulator erstmalig eine Boeing 737-800 gelandet (siehe Video).

Volker K. Thomalla

 

 

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Über Volker K. Thomalla

Volker K. Thomalla ist Chefredakteur von aerobuzz.de. Er berichtet seit über 30 Jahren als Journalist über die Luft- und Raumfahrt. Von 1995 bis 2016 leitete er als Chefredakteur die Redaktion aerokurier, von 2000 bis 2016 zusätzlich die Redaktionen FLUG REVUE und Klassiker der Luftfahrt. Thomalla ist seit 2016 Chefredakteur des englischsprachigen Business-Aviation-Magazins BART International. Er hat mehrere Bücher über die Luftfahrt geschrieben und als Privatpilot auch praktische Flugerfahrung gesammelt.
Journaliste chez Aerobuzz.fr

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