Homepage » Industrie » Brennstoffzelle soll Energie für das Rollen liefern und APU ersetzen

Brennstoffzelle soll Energie für das Rollen liefern und APU ersetzen

Das französische Technologieunternehmen Safran entwickelt in seiner Tochterfirma Safran Power Units eine Brennstoffzelle, die das Potenzial hat, die Hilfsgasturbine (APU) in Business Jets und Narrowbodies abzulösen. Sie könnte auch ausreichend Energie liefern, um das elektrische Rollen am Boden zu ermöglichen.

21.11.2017

Safran arbeitet an einer Brennstoffzelle für die Stromversorgung an Bord von Business Jets und Standardrumpf-Flugzeugen. © Angelique Brandan/Safran Power Units

Brennstoffzellen sind die idealen Erzeuger von elektrischer Energie an Bord von Flugzeugen. Sie sind leise, haben sehr wenige bewegliche Teile, und verursachen null Emissionen (kein Kohlenmonoxid, kein Kohlendioxid, kein Stickoxid und keine Rußpartikel. Sie arbeiten autonom und leise und sind verhältnismäßig einfach in bestehende Flugzeuge zu integrieren.

Der französische Technologiekonzern Safran entwickelt derzeit in seiner Tochterfirma Safran Power Units im Rahmen des französischen Forschungsprogramms PIPAA (Pile à combustible Pour Applications Aéronautique, auf deutsch: Brennstoffzelle für Luftfahrtanwendungen)  eine Brennstoffzelle für die Luftfahrt, die ab 2020 einen technischen Reifegrad (TRL6) erreicht haben soll, der den Programmstart für eine kommerzielle Anwendung erlaubt.

Zwei Demo-Brennstoffzellen kommen zum Einsatz

Das Unternehmen wird zwei Demo-Einheiten der Brennstoffzelle für konkrete Anwendungen bauen. Als Partner in dem Programm, das vom französischen Staat bei Gesamtkosten von über 51 Millionen Euro mit 19,3 Millionen Euro gefördert wird, hat Safran unter anderem die britische Discount-Airline easyJet gefunden. Sie stellt einen Airbus A320 zur Verfügung, der mit einem elektrischen Rollantrieb von Safran Landing Systems ausgerüstet ist. Die Energie für dieses System soll nicht die APU im Flugzeug bereitstellen, sondern eine der beiden Demo-Brennstoffzellen von Safran Power Units.

Die zweite Demo-Brennstoffzelle soll in einem Geschäftsreisejet zum Einsatz kommen. Ein Muster wurde bislang noch nicht genannt, da aber Dassault Aviation ebenfalls zu den Programmpartnern zählt, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass die Demo-Brennstoffzelle Nummer 2 in einem Falcon-Business Jet zum Einsatz kommen wird.

Parallel zur Brennstoffzellenforschung von Safran und Partnern testet das französische Umweltministerium in einem Projekt namens HyPort die Möglichkeit, den Flughafen Toulouse-Blagnac zum weltweit ersten Zero-Emissions-Flughafen zu machen. Wo immer möglich, soll dort Brennstoffzellen-Technologie genutzt werden. Deswegen baut der Airport eine entsprechende Infrastruktur für Wasserstoff auf. Am Projekt HyPort sind große Unternehmen, kleine private Firma, Versuchslabore und lokale Behörden beteiligt. Die französische Kommission für Atom-und alternative Energien, das nationale polytechnische Institut von Toulouse (INPT) sowie die französische Zivilluftfahrt-Universität (ENAC) unterstützen das Projekt mit Know-how und wissenschaftlicher Begleitung.

Volker K. Thomalla

 

 

Weitere Beiträge zu diesem Thema:

easyJet unterstützt Wright Electric beim Bau eines Elektrojets

ONERA arbeitet an E-Flug-Demonstrator AMPERE

DLR und Embraer vertiefen Zusammenarbeit in der Forschung

 

 

Über Volker K. Thomalla

zum Aerobuzz.de
Volker K. Thomalla ist Chefredakteur von aerobuzz.de. Er berichtet seit über 30 Jahren als Journalist über die Luft- und Raumfahrt. Von 1995 bis 2016 leitete er als Chefredakteur die Redaktion aerokurier, von 2000 bis 2016 zusätzlich die Redaktionen FLUG REVUE und Klassiker der Luftfahrt. Thomalla ist seit 2016 Chefredakteur des englischsprachigen Business-Aviation-Magazins BART International. Er hat mehrere Bücher über die Luftfahrt geschrieben und als Privatpilot auch praktische Flugerfahrung gesammelt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.