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Brexit: Airbus macht Druck auf Großbritannien

Weniger als ein Jahr vor dem Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union (EU) zeigt Airbus ein Brexit-Katastrophenszenario auf, das eintreten kann, sollten die beiden Parteien vor dem 29. März keine Einigung erzielen.

25.06.2018

Airbus-Flügelfertigung im Werk Broughton in Großbritannien. © Airbus

Die Luft- und Raumfahrtindustrie in Großbritannien ist ein strategisches Element in der industriellen Organisation von Airbus. Nördlich des Ärmelkanals werden unter anderem die Flügel aller Airbus-Muster produziert. Airbus beschäftigt in Großbritannien 14.000 Mitarbeiter ab 25 Standorten und unterhält dort ein Netzwerk von 4.000 Zulieferern mit 110.000 Arbeitsplätzen. Dies entspricht einem Umsatz von 7,8 Milliarden Pfund (6,5 Milliarden Euro). Die engen Beziehungen verursachen jährlich auch 80.000 Dienstreisen zwischen Kontinentaleuropa und Großbritannien.

Airbus beschäftigt 14.000 direkte angestellte Mitarbeiter an seinen Standorten im Vereinigten Königreich. © Airbus

Wenn zwischen dem Vereinigten Königreich und der EU vor dem 29. März 2019 keine Einigung über die Verfahren nach dem Brexit erzielt werden sollte, wird dieses industrielle System nicht mehr oder nur noch schwer funktionieren und erhebliche Zusatzkosten verursachen, fürchtet der Aerospace-Konzern. Ohne eine Vereinbarung zwischen der britischen Zivilluftfahrtbehörde CAA und der europäischen Agentur für Flugsicherheit EASA wären Zulassungen für Entwicklungsbetriebe (Design Organisation Approval DOA) und Produktionsbetriebe (Production Organisation Approval POA) möglicherweise über Nacht nicht mehr gültig.

In einer Zeit, in der die Produktion der A350 und der A320 stark steigt, hat Airbus weder die Flexibilität noch die Kapazität, diese zusätzlichen Bürden zu tragen, was bei Airbus den Alarm ausgelöst hat. Auch wenn ein „harter Brexit“ nur von wenigen Wirtschaftsforschern befürchtet wird, will Airbus dennoch die britische Öffentlichkeit über die Brexit-Folgen aufklären, damit sie die britische Regierung dazu drängt, unverzüglich einen Kompromiss zu finden, der den Schaden auf beiden Seiten des Ärmelkanals begrenzen kann. Ohne eine Einigung über den Brexit zwischen der EU und Großbritannien stellt Airbus nach eigenen Angaben auch weitere Investitionen in Großbritannien in Frage.

Gil Roy

 

 

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Über Gil Roy

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Gil Roy hat Aerobuzz.fr 2009 gegründet. Er arbeitet seit 1981 hauptberuflich als Journalist. Sein Fachwissen in den Bereichen Allgemeine Luftfahrt, Luftverkehr und Nachhaltigkeit der Mobilität lassen ihn häufig als Autor in verschiedenen Fachpublikationen, aber auch in allgemeinen Medien (Air & Kosmos, l'Express, Aviasport...) erscheinen. Er ist Chefredakteur von Aerobuzz und Autor von sieben Büchern. Gil Roy hat den Literaturpreis des Aéro-Club de France erhalten und ist Träger der Médaille de l'Aéronautique.

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