Homepage » Industrie » Das DLR forscht an neuem digitalem Flugfunkstandard

Das DLR forscht an neuem digitalem Flugfunkstandard

Das DLR beginnt in diesen Tagen mit den Flugversuchen für einen neuen digitalen Flugfunkstandard. An Bord der Falcon 20E des DLR wollen die Forscher die Zuverlässigkeit und die Leistungsfähigkeit des neuen Systems testen. Sollten die Versuche erfolgreich verlaufen, könnte der neue Standard schon in wenigen Jahren von der ICAO zur neuen Norm erhoben werden.

29.03.2019

Die Falcon 20E des DLR ist aktuell in die Erprobung des neuen, digitalen Flugfunkstandards LDACS eingebunden. © DLR

Der Flugfunk begleitet die Luftfahrt seit den 30er-Jahren. Die Technologie hat sich über die Jahrzehnte bewährt, hat aber auch ihre Tücken und ist nicht unbegrenzt ausbaufähig. Deswegen suchen Forscher nach Lösungen für die Kommunikation der Zukunft zwischen Luftfahrzeugen und Bodenstationen. Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) arbeitet dabei mit Rohde & Schwarz, der BPS GmbH sowie der iAd Gesellschaft für Informatik, Automatisierung und Datenverarbeitung mbH in einem Konsortium zusammen, das vom Luftfahrtforschungsprogramm LuFo des Bundeswirtschaftsministeriums kofinanziert wird. Nun soll das Forschungsflugzeug Dassault Falcon 20E des DLR zu einem ersten Flug der Messflugkampagne starten.

Forschungs-Veteran: DLR Falcon 20E

Damit wird zum ersten Mal ein Prototyp für den neuen digitalen Flugfunkstandard LDACS (L-band Digital Aeronautical Communications System) erprobt. Dieser soll einen sicheren und effizienten Datenaustausch zwischen Flugsicherung und Cockpit bis hin zur 4D-Flugroute ermöglichen. Zusätzlich realisiert diese Technik ein alternatives Navigationssystem für die Luftfahrt, das aus den LDACS-Signalen der Bodenstationen die Flugzeugposition bestimmt. Vier Teststationen werden im Laufe der Forschungsflüge in Oberbayern überflogen. Mit diesen Tests rückt die weltweite Einführung nach Angaben des DLR in greifbare Nähe.

Funktionsweise wie beim Mobilfunk

„Im Prinzip funktioniert LDACS für die Luftfahrt ähnlich wie der Mobilfunk am Boden“, erklärt Michael Schnell vom DLR-Institut für Kommunikation und Navigation in Oberpfaffenhofen, wo seit 2007 die neue Technik gemeinsam mit den Partnern entwickelt wird. „Die Bodenstation entspricht der Mobilfunk­-Basisstation und das Funkgerät im Flugzeug dem Smartphone.“

Die neue Technologie, mit der sich Piloten und Lotsen besser verständigen können, ermögliche sowohl die Sprachkommunikation in hoher Qualität als auch einen schnellen Datenaustausch. „Die besondere Herausforderung bestand darin, dass keine neuen Frequenzen für diesen digitalen Dienst zur Verfügung gestellt werden konnten“, erklärte Professor Christoph Günther, der Leiter des DLR-Instituts für Kommunikation und Navigation. „Deshalb mussten Verfahren entwickelt werden, die es erlauben den Dienst parallel zu anderen Diensten im selben Frequenzband zu betreiben.“ Aktuell wird die Technik im Forschungsprojekt MICONAV (Migration towards Integrated COM/NAV Avionics) zur Flugreife gebracht.

„Für die jetzigen Testflüge steuern wir neu eingerichtete LDACS-Bodenstationen in Oberpfaffenhofen, Schwabmünchen, Peiting und Königsdorf an“, sagt Michael Grossrubatscher, einer der DLR-Flugversuchspiloten. Während dieser Flüge testen die Forscher die neue Technik auf ausreichende Datenübertragungsgeschwindigkeit, einen reibungslosen Wechsel zwischen den Bodenstationen, Reichweite und Genauigkeit der Navigationsfunktion.

Bis zur tatsächlichen Einführung an sämtlichen Kontrollstationen und Flughäfen weltweit dürften aber noch einige Jahre vergehen. Seit 2016 gibt es eine DLR-geführte Arbeitsgruppe bei der Internationalen Zivilluftfahrtorganisation ICAO für die Standardisierung. „Sobald der Standard endgültig festgeschrieben ist, sind Hersteller und Fluggesellschaften aufgefordert, ihn zu übernehmen“, erklärt Michael Schnell.

 

 

Folgen Sie uns auf Twitter
Liken Sie uns auf Facebook

 

 

Schon gelesen?

Das DLR hat eine Falcon 2000LX gekauft

DLR erprobt Katastrophenhilfe per Drohne

8,33 kHz: „Das Thema ist aktueller denn je“

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.