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DLR testet neues Landesystem am Flughafen Braunschweig

Am 6. Mai kommt ein Airbus A319 der Lufthansa für mehrere Anflüge zum Forschungsflughafen Braunschweig. Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) testet zusammen mit der Lufthansa ein neues, satellitenbasiertes Landesystem, das automatische Anflüge an alle Flughäfen ermöglichen soll. 

4.05.2019

Am 6. Mai 2019 wird ein Airbus A319 der Lufthansa in Braunschweig automatische Anflug mit einem neuen Landesystem des DLR durchführen. © Volker K. Thomalla

Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) entwickelt im Rahmen des Projektes GLASS (GLS approaches based on SBAS) ein neues, satellitenbasiertes Landesystem, mit dessen Hilfe künftig automatische Anflüge an jeden beliebigen Flughafen möglich sein sollen. Bislang hat das DLR das System unter anderem mit seinem Versuchsflugzeug A320 ATRA getestet, nun will die Forschungsorganisation in Zusammenarbeit mit der Lufthansa den Betrieb auch mit einem typischen Verkehrsflugzeug testen. Dazu wird am 6. Mai ein Airbus A319 der Kranich-Airline zum Flughafen Braunschweig-Wolfsburg fliegen und mehrere Anflüge auf den Airport mit Hilfe des neuen Systems durchführen.

Das Versuchstflugzeug A320 ATRA des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt. © DLR

„Derzeit können automatische Landungen nur mit Präzisionslandesystemen, wie beispielsweise dem Instrumentenlandesystem ILS oder dem Ground Based Augmentation System GLS, durchgeführt werden“, sagte Thomas Ludwig vom DLR-Institut für Flugführung in Braunschweig. „Gemeinsam haben diese Systeme, dass die Führungssignale im Flugzeug direkt vom Empfangsgerät in den Autopiloten geleitet werden. Ab dann übernimmt der Autopilot die Steuerung des Flugzeugs und landet es.“

Das am häufigsten verwendete System, das Instrumenten-Landesystem ILS, sowie das bodenbasierte Satelliten-Landesystem GLS benötigen eine aufwendige Bodeninfrastruktur. Beim ILS werden dadurch die Sollanflugwege mittels HF-Technik ausgestrahlt, beim GLS werden Korrekturen für die Signale der einzelnen Satelliten ausgesendet, die vom Flugzeug zur Positionsbestimmung verwendet werden. Außerdem überträgt die GLS-Bodenstation Anfluginformationen, wie zum Beispiel Koordinaten der Landebahnschwelle und Sinkwinkel. Der Empfänger im Flugzeug errechnet aus diesen Daten die Abweichungen zum einzuhaltenden Anflugweg und überträgt sie direkt an den Autopiloten. Die für diese Landesysteme benötigten Bodenstationen sind allerdings nur an wenigen großen Flughäfen verfügbar.

Korrekturdaten über Satellit

Beim satellitenbasierten System (SBAS), wie beim Projekt GLASS, werden ebenfalls Korrekturen an den Nutzer gesendet. Anders als beim GLS braucht es dafür aber keine Bodenstation, weil die Daten über einen geostationären Satelliten versandt werden. Das Flight Management System (FMS) des Flugzeugs speichert diese Daten dann in der Datenbank an Bord, berechnet sie und leitet sie direkt an den Autopiloten weiter. So ist zwar keine automatische Landung möglich, der Autopilot kann das Flugzeug aber bis zu einer Höhe von 200 Fuß über Grund führen.

„Eine Landung per Autopilot über das FMS ist damit zwar noch nicht erlaubt, da hierfür noch eine kostspielige Zertifizierung des Autolandesystems nötig wäre, allerdings kann er so schon einen Teil des Landeanflugs übernehmen“, erklärt Ludwig. Die Daten des SBAS können nicht nur an einzelnen Flughäfen mit entsprechender Bodenstation empfangen werden, sondern unabhängig davon über ein größeres Gebiet. Für die Allgemeine Luftfahrt sind entsprechende Bordempfänger schon seit längerem verfügbar und mit den entsprechenden Verfahren an Flughäfen zugelassen. Im Projekt GLASS wird nun ein kostengünstiges System entwickelt, mit dem zum einen größere Flugzeuge, die nur eine ILS- und GLS-Fähigkeit besitzen, auch das SBAS nutzen können und zum anderen kleinere Flugplätze in der Lage sind, Landesysteme für automatische Landungen anzubieten.

Bob Fischer

 

 

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Bob Fischer ist PPL-Inhaber mit diversen Ratings. Er veröffentlicht regelmäßig Beiträge in Luftfahrtmagazinen auf der ganzen Welt. Bob hat eine große Erfahrung in Air-to-air-Fotografie mit Jets, Kolbenmotor- und Turbopropflugzeugen.

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