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Trendwende bei der ILA: Mehr Aussteller, mehr Fläche

Exklusiv-Interview: Bis zur Eröffnung der ILA 2018 in Berlin sind es nur noch wenige Wochen. Wie ist die Messe aufgestellt und welche Schwerpunkte wird sie nach der Neukonzeption haben? Wir sprachen mit Volker Thum, dem Hauptgeschäftsführer (CEO) des Bundesverbands der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie (BDLI), der zusammen mit der Messe Berlin die ILA veranstaltet.

15.01.2018

Die ILA in Berlin ist Branchentreff und Schaufenster der Luft- und Raumfahrt. © Messe Berlin

Die ILA eröffnet am 25. April auf dem ExpoCenter Airport in Berlin ihre Tore. Mit Frankreich als Partnerland hat die Messe eine deutliche Aufwertung erfahren. Sie könnte künftig auch vom Brexit profitieren, da die Konkurrenzmesse in Farnborough nicht mehr in einem Land der Europäischen Union stattfindet. 2015 haben sich die Messe-Organisatoren eine Neukonzeption der ILA verordnet. BDLI-Hauptgeschäftsführer (CEO) Volker Thum gibt im Exklusiv-Interview Auskunft über den Stand der Vorbereitungen der Messe.

Volker Thum ist Hauptgeschäftsführer (CEO) des Bundesverbands der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie (BDLI). © BDLI

Aerobuzz: Was hat den BDLI dazu bewogen, die Messe so früh in das Jahr zu legen?

Volker Thum: Die Lage der Feiertage in diesem Jahr. Die ILA soll stattfinden in einer Sitzungswoche des Deutschen Bundestages, aber in einer Woche ohne Feiertage und außerhalb der Ferien. Nach hinten raus wollten wir nicht zu nahe an die Farnborough Airshow heranrücken, um den wenigen Herstellern, die noch nach Farnborough gehen, keine Probleme zu bereiten. Die ILA 2018 überschneidet sich ein paar Tage mit der Hannover Messe, was ideal für ausländische Delegation ist, denn sie können auf einer Reise zwei wichtige Messen besuchen. Wer Geschäfte in der EU machen will, der muss nach Berlin kommen.

 

Wie ist der Stand der ILA-Vorbereitungen heute?

Der Vertrieb ist sehr gut angelaufen. Der Vertriebsstatus heute ist bereits besser als der Endstand 2016. Die Neukonzeption der ILA Berlin als Bühne für Innovationen und technische Entwicklungen greift – sowohl bei etablierten Konzernen als auch bei jungen, hoch innovativen Unternehmen, und diese kommen aus der ganzen Welt zu uns. Wir sprechen ganz deutlich von einer Trendwende für die Messe.

 

Mit welcher Ausstellerzahl rechnen Sie?

Wir rechnen mit weit über 1.000 Ausstellern aus über 40 Ländern. Frankreich ist das Partnerland der ILA 2018.

 

Wird es ein Flugprogramm geben?

Eine ILA ohne Flugprogramm macht keinen Sinn. Die ILA muss an einem Flughafen stattfinden, das geht auch an anderen Standorten. Schauen Sie sich beispielsweise die Luftfahrtmesse in Singapore an. Dort, direkt neben einem der größten Drehkreuze Südostasiens, dem Changi Airport, findet auch ein Flugprogramm statt, wenn auch ein reduziertes. Aus unserer Sicht gibt es keine Argumente gegen ein Flugprogramm auf der ILA.

 

Welche thematischen Schwerpunkte wird die Messe haben?

2015 haben wir die Neukonzeptionierung der ILA als Leitmesse der Branche für Innovation, High-Tech und Nachhaltigkeit beschlossen. Am Vortag der ILA wird es erstmalig den Berlin Aviation Summit geben, den das DLR und wir gemeinsam veranstalten. Dort geht es um die Themen Digitalisierung und Energie-Transition.

Auf der ILA werden wir an drei Fachbesuchertagen die querschnittlichen Innovationsthemen Digitalisierung, Unmanned Systems (Unbemanntes Fliegen) und Cyber Security darstellen.

Der Space Pavillon ist ein Alleinstellungsmerkmal der ILA in Berlin. © Messe Berlin

Das ILA Career Center wird erstmalig drei Tage geöffnet sein und zeigt Karrierechancen in der Luft- und Raumfahrt auf. Am Freitag wird es einen speziellen Schüler- und Studententag geben, und auf der Veranstaltung CareerDating treffen Industrie-Recruiter ausscheidende Soldaten.

Der bislang als Einsatzpavillon bekannte Ausstellungsteil wird ab diesem Jahr zum Military Support Center, wo unter anderem ein Symposium der Luftwaffe zu den Themen „Future Operating Environment“ und „Perfomance Based Logistics“ stattfindet.

 

Welche Highlights dürfen die Besucher erwarten?

Lockheed Martin hat angekündigt, die CH-53K nach Berlin zu bringen. Das ist eine Weltpremiere. Der Hersteller will auch die F-35 Lightning II und die C-130J Super Hercules auf der ILA im Flug zeigen. Kawasaki wird sein Transportflugzeug C-2 und den Seeaufklärer P-1 zeigen. Airbus hat zugesagt, das Erprobungsflugzeug A340 BLADE nach Berlin zu bringen.

 

Erfährt die ILA ausreichend Unterstützung von der Politik?

Die ILA erfährt eine sehr gute Unterstützung durch die Politik. Ausreichend ist es aber nie. Bei der letzten Sitzung des ILA-Steuerungsausschusses  war Bundesministerin Zypries anwesend sowie die Staatssekretäre Fischer und Rickerts, Professor Lütke-Daldrup vom BER, der Messe-Berlin Chef Dr. Göke und Frau Prof. Ehrenfreund vom DLR. Wir haben dort mit den wesentlichen Entscheidern zusammengesessen. Das Land Brandenburg steht zu 100 Prozent hinter der ILA. Was Berlin betrifft, so würden wir uns über eine größere Unterstützung freuen! Mit Sorge erfüllt uns allerdings , dass die Messe Berlin und Brandenburg überlegen, das Gelände, auf dem die ILA stattfindet, an den BER zu verkaufen.

Das ILA-Gelände auf dem Berlin ExpoCenter Airport am Flughafen Berlin-Schönefeld. © BDLI

 

Erhält die ILA ausreichend Unterstützung von den Mitgliedsfirmen des BDLI?

Ja, es gibt sogar ein verstärktes Commitment der Industrie. Wir sehen eine Verdopplung des ILA Future Labs mit Kostenbeteiligung der Industrie. Der Space Pavilion war bislang für die Aussteller kostenlos. Nun bezahlen sie die Flächen. Alle leisten ihren Anteil daran, die Leitmesse ILA zu einem Erfolgsmodell zu machen. Die Nachfrage aus der Industrie für die ILA ist da.

 

Spezialmessen wie die EBACE für die Business Aviation, die AERO für die General Aviation, die Aircraft Interiors Expo für Zulieferer haben dem Generalisten ILA zugesetzt. Was kann der BDLI tun, um diese Aussteller wieder zurückzugewinnen?

Wir haben mit den Themen Innovation, High-Tech und Nachhaltigkeit ein Alleinstellungsmerkmal zu bieten. Wir müssen uns der Konkurrenz in Dubai, Bahrain und Singapur stellen.

Die Aircraft Interiors Expo (AIX) erfüllt eine Komplementärfunktion für die ILA. Thematisch gibt es da keine Überschneidung. Die AIX ist eine weltführende Messe und wir haben hohen Respekt vor dem, was die Veranstalter in Hamburg auf die Beine stellen. Die AERO ist kein Wettbewerb für die ILA. Sie bedient ein komplett anderes Klientel, und die General Aviation und der Luftsport haben auf der ILA nie eine große Rolle gespielt. Wir konzentrieren uns auf die kommerzielle und militärische Luftfahrt sowie auf die Raumfahrt, die schon immer ein Alleinstellungsmerkmal der ILA war. Das International Supplier Center (ISC) ist der führende Branchentreff für OEMs und Supplier. ISC-Themenschwerpunkt werden in diesem Jahr die Digitalisierung der Supply Chain und Additive Fertigung sein. Die Buyers´ Days des ISC lesen sich wie das Who-is-who der Einkaufsverantwortlichen internationaler Unternehmen.

 

Der Vorsitzende des Aufsichtsrats der Messe Berlin – immerhin ein Co-Veranstalter der ILA – hat im Interview mit der Berliner Morpenpost gesagt: „Ich rechne damit, dass die ILA nach 2018 kein Thema mehr ist.“ Zudem soll das Gelände, auf dem die ILA stattfindet, nach Aussage von Wolf-Dieter Wolf an die Flughafengesellschaft Berlin Brandenburg verkauft werden. Wie sieht die Zukunft der ILA in Berlin für die Zeit nach 2018 aus?

Das Interview haben wir zur Kenntnis genommen. Aber es gibt einen bestehenden Vertrag, der bis einschließlich 2020 läuft. In diesem Vertrag steht, dass wir uns 2018 zusammensetzen, um über die Zukunft der ILA zu beraten. Wir haben die ILA neu konzipiert, haben die Kosten unter Kontrolle und haben die Einnahmen erhöht. Die ILA erfährt eine Trendwende, auch wenn sie von den Behörden nicht so unterstützt wird wie Luftfahrtmessen in anderen Ländern. Das ist ein struktureller Nachteil für die ILA. Aber die Faszination Fliegen muss man auch im Flug zeigen. Und wir müssen langfristig denken: Mit der ILA Berlin hat Deutschland die Innovationsmesse schlechthin, die ein weltweites Ausrufezeichen für Hochtechnologie ‚Made in Germany‘ setzt und Anziehungspunkt für Aussteller und Besucher aus der ganzen Welt ist.

 

Das Interview führte Volker K. Thomalla in Berlin.

 

ILA 2018: Anmeldestand ist positiv

Über Volker K. Thomalla

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Volker K. Thomalla ist Chefredakteur von aerobuzz.de. Er berichtet seit über 30 Jahren als Journalist über die Luft- und Raumfahrt. Von 1995 bis 2016 leitete er als Chefredakteur die Redaktion aerokurier, von 2000 bis 2016 zusätzlich die Redaktionen FLUG REVUE und Klassiker der Luftfahrt. Thomalla ist seit 2016 Chefredakteur des englischsprachigen Business-Aviation-Magazins BART International. Er hat mehrere Bücher über die Luftfahrt geschrieben und als Privatpilot auch praktische Flugerfahrung gesammelt.

3 Kommentare

  • Ed Hirsch

    Gerne hatte ich seit der Rueckkehr 1992 nach Berlin die ILA bis 2008 jedesmal besucht, aber ich glaube, dass die besten Tage der ILA vorbei sind.

    Volker Thum’s: „Nach hinten ‚raus wollten wir nicht zu nahe an die Farnborough Airshow heranrücken, um den wenigen (!) Herstellern, die noch nach Farnborough gehen, keine Probleme zu bereiten,“ strotzt von einer geradzu gespenstischen Selbstueberschaetzung oder fahrlaessigem Optimismus, der nun wirklich nicht der Wahrheit nahekommt.

    Durch den immer noch fraglichen Start des Flughafen Berlin-Brandenburg steht die ILA sowieso im kalten Wind des Existenz-Zweifels. Schade, aber mit solchen „Durchhalte-Parolen“ lassen sich die verheerenden Folgen der sozialistischen Misswirtschaft und Flughafenfeindlichkeit der Berliner Stadtregierung nicht beheben. ILA Adé!

    • Patrick Neumann

      Ich verstehe Sie nicht. Die ILA erfährt weiterhin großen Zuspruch bei Ausstellern und Publikum und der BER eröffnet 2020. Ob das ILA-Gelände dann anderweitig gebraucht wird, wird man sehen…. Mit einer früheren Eröffnung des BER würde es die ILA vielleicht gar nicht mehr geben.

  • Uli

    Selten so gelacht. Vor noch nicht langer Zeit war die Kürzung der ILA das einzige Gesprächsthema. Auf Wunsch der Aussteller als entscheidendes Argument. Von Neuausrichtung war die Rede. Die Neuausrichtung war in einem thematischen Durcheinander der Ausstellungsfläche gekennzeichnet. Wichtige Segmente, die über mehrere Veranstaltungen und Jahre mühselig als wichtiger Bestandteil der General Aviation am Standort Deutschland aufgebaut worden waren, waren nicht mehr zu erkennen.
    Jetzt aber hat man zum letzten Mal die Gelegenheit, BER und seine Freiflächen zu nutzen, einem breiten Publikum das Disaster aus anderem Aspekt zu zeigen und die Einnahmen aus den Eintrittsgeldern auf der Haben-Seite der Bilanzen zu vereinnahmen.
    Für mich ist die ILA zu einer Messe des Sehens und Gesehenwerden abgestiegen. Schwerpunkt Rüstung und ohne das massive Engagement der Bundeswehr nicht mehr denkbar.

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