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USA stoppen Flugzeugexporte in den Iran

Der einseitige Ausstieg der USA aus dem Vertrag mit dem Iran hat Konsequenzen für die Luftfahrtindustrie. Airbus und ATR haben gültige Kaufverträge für Dutzende von Flugzeugen, die für den Iran bestimmt sind, und Boeing kann nun einen erwarteten Auftrag über 117 Verkehrsflugzeuge endgültig abschreiben.

9.05.2018

Iran Air übernahm am 10. März 2017 ihren ersten Airbus A330 in Toulouse. © P. Masclet/Airbus

Die iranischen Fluggesellschaften haben einen massiven Modernisierungsbedarf. Aufgrund von Wirtschaftssanktionen durften Flugzeughersteller jahrzehntelang keine Flugzeuge oder Ersatzteile in das Land liefern. Mit dem Abschluss des Atomabkommens mit dem Iran vor zwei Jahren, nach dem der Iran keine Nuklearwaffen mehr entwickelt, war der Weg frei für einen grundlegende Modernisierung der iranischen Luftfahrt. ATR, Airbus und Boeing unterschrieben zunächst Kaufabsichtserklärungen mit dem Iran, bei Airbus und ATR folgten auch konkrete Verkäufe und erste Auslieferungen.

Boeing verliert einen 17-Mrd.-Dollar-Deal

Der vorgesehene Deal mit Boeing über insgesamt 117 Verkehrsflugzeuge im Wert von 17,6 Milliarden US-Dollar wurde allerdings immer wieder nach hinten verschoben, da der heutige US-Präsident Donald Trump schon in seinem Wahlkampf vehement gegen das Abkommen gewettert hatte. Am 8. Mai 2018 ist Trump nun aus dem Atomsperrvertrag ausgestiegen, und sein Finanzminister Steve Mnuchin erklärte innerhalb weniger Minuten nach dem Ausstieg, dass alle Exportgenehmigungen für Flugzeuge in den Iran innerhalb der nächsten 90 Tage ihre Gültigkeit verlieren würden. Iran Air hat von 20 bestellten ATR bereits acht Exemplare erhalten, aber nur zwei von insgesamt 46 bestellten A320 und nur eine von insgesamt 38 georderten Widebodies des Typs A330.

Vor genau einem Jahr hat die Iran Air ihre ersten vier von insgesamt 20 bestellten ATR 72-600 erhalten. © ATR

Da mehr als zehn Prozent der Komponenten der Flugzeuge von ATR und Airbus aus den USA kommen, sind Flugzeugexporte in den Iran nur mit einer Exportgenehmigung der USA legal. Boeing hatte bereits Ende April, als absehbar war, dass die USA aus dem Atomsperrvertrags aussteigen würden, erklärt, man werde den Vorgaben der Politik folgen und habe entsprechende Vorkehrungen getroffen.

Die iranischen Fluggesellschaften haben schon mit einem erneuten Embargo der USA gegen den Iran gerechnet und vorsichtshalber beim russischen Hersteller Sukhoi Civil Aircraft Regionaljets vom Typ Suchoi Superjet SSJ100R bestellt, der keine Exportlizenz der USA benötigt. Allerdings wird es schwer, Großraumflugzeuge zu beschaffen, da momentan nur Airbus und Boeing Widebodies in Serie bauen.

Volker K. Thomalla

 

 

 

 

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Über Volker K. Thomalla

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Volker K. Thomalla ist Chefredakteur von aerobuzz.de. Er berichtet seit über 30 Jahren als Journalist über die Luft- und Raumfahrt. Von 1995 bis 2016 leitete er als Chefredakteur die Redaktion aerokurier, von 2000 bis 2016 zusätzlich die Redaktionen FLUG REVUE und Klassiker der Luftfahrt. Thomalla ist seit 2016 Chefredakteur des englischsprachigen Business-Aviation-Magazins BART International. Er hat mehrere Bücher über die Luftfahrt geschrieben und als Privatpilot auch praktische Flugerfahrung gesammelt.

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