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USITC kippt die Strafzölle für die Bombardier C Series

Die Internationale Handelskommission der Vereinigten Staaten sieht keine Benachteiligung der US-Industrie durch den Verkauf von Bombardiers C Series-Jets an Delta Air Lines. Deswegen werden die vom US-Handelsministerium angekündigten Strafzölle in Höhe von 300 Prozent für C Series-Flugzeuge nicht erhoben.

28.01.2018

Delta CS100

Delta Air Lines hat 75 Exemplare der C Series-Flugzeugfamilie fest bestellt. © Bombardier Aerospace

Die Erleichterung in Bombardiers Chefetage muss riesig gewesen sein, als sie das abschließende Ergebnis der Beratungen der Internationalen Handelskommission der Vereinigten Staaten (US International Trade Commission USITC) am Freitag Abend gehört hatten: Der Verkauf von Bombardier C Series an Delta Air Lines stellt keine Benachteiligung der US-Industrie dar und wird deshalb nicht mit Strafzöllen geahndet.

Delta Air Lines hatte im April 2016 75 Regionaljets vom Typ Bombardier CS100 fest bestellt und 50 Optionen gezeichnet. Der potenzielle Gesamtwert des Auftrags beläuft sich auf rund 5,6 Milliarden US-Dollar und ist damit der wichtigste Auftrag für das Muster überhaupt. Keine andere Fluggesellschaft hat bislang eine größere Zahl von Flugzeugen dieses Typs geordert.

Fast 300 Prozent Strafzoll gefordert

Boeing, die in dem Wettbewerb um den Delta-Auftrag Gebrauchtflugzeuge angeboten hatten, waren seinerzeit nicht einverstanden, dass sie nicht zum Zuge gekommen waren, und ließen die C Series vom US-Handelsministerium untersuchen. Das Ministerium befand im vergangenen Jahr, dass Bombardier das Flugzeug an Delta für einen Preis unter den Herstellungskosten angeboten hatte, und dass deswegen unfaire Subventionen von Seiten des kanadischen Staates gewährt worden seien. Deswegen drohte das Ministerium, das Flugzeugmuster bei der Einfuhr in die Vereinigten Staaten mit Strafzöllen von zunächst 220 Prozent zu belegen. Später wurden die Strafzölle sogar auf 296 Prozent erhöht.

Der kanadische Konzern Bombardier Aerospace tat sich daraufhin mit Airbus zusammen, um die C Series in Mobile, Alabama, endzumontieren.

Endmontage nun auch in Mobile, Alabama

Am Freitag befand die US International Trade Commission als letzte Instanz darüber, ob unfaire Handelspraktiken vorlägen oder nicht. Das Ergebnis der Beratungen war eindeutig: Nach Ansicht der USITC lägen keine unfairen Subventionen vor, die US-Industrie sei durch den Verkauf der Flugzeuge nicht geschädigt worden. Deshalb darf das Handelsministerium die Strafzölle nun nicht erheben.

Bombardier kommentierte die einstimmige Entscheidung der Kommission als „Sieg der Vernunft und der Innovation„. Boeing will zunächst „die detailliertere Stellungnahme der Kommission, die in den kommenden Tagen veröffentlicht wird, vollständig überprüfen.“ Sie soll spätestens am 2. März auf der USITC-Website veröffentlicht werden. Der Konzern hat dann immer noch die Möglichkeit, Rechtsmittel gegen die Entscheidung  der ITC einlegen. Diese würden dann beim Internationalen Handelsgerichtshof der USA in New York behandelt.

Volker K. Thomalla

 

 

 

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Über Volker K. Thomalla

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Volker K. Thomalla ist Chefredakteur von aerobuzz.de. Er berichtet seit über 30 Jahren als Journalist über die Luft- und Raumfahrt. Von 1995 bis 2016 leitete er als Chefredakteur die Redaktion aerokurier, von 2000 bis 2016 zusätzlich die Redaktionen FLUG REVUE und Klassiker der Luftfahrt. Thomalla ist seit 2016 Chefredakteur des englischsprachigen Business-Aviation-Magazins BART International. Er hat mehrere Bücher über die Luftfahrt geschrieben und als Privatpilot auch praktische Flugerfahrung gesammelt.

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