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Verbände fordern Brexit-Gespräche über Luftfahrt

Die beiden Verbände GAMA und ADS haben in einem Brief an den Chefunterhändler der EU für den Brexit gefordert, dass die EASA und die britische CAA jetzt Gespräche über die künftige Zusammenarbeit nach dem Brexit aufnehmen dürfen. 

12.06.2018

Die Luftfahrtindustrie gehört zu den Industrien mit der größten internationalen Vernetzung. © A. Doumenjou/Airbus

Der Austritt des Vereinigten Königreiches aus der Europäischen Union (Brexit) ist nur noch wenige Monate entfernt. Der 29. März 2019 ist der Stichtag, an dem aus der Europäischen Union mit 28 Mitgliedern eine Europäische Union mit nur noch 27 Mitgliedsstaaten wird.

In einem Brief an den EU-Chefunterhändler Michel Barnier haben sich nun die beiden Verbände GAMA (General Aviation Manufacturers Association) und ADS (Defence, Security and Space) für die schnelle Aufnahme von Gesprächen zwischen der europäischen Flugsicherheitsagentur EASA und der britischen Luftfahrtbehörde CAA über technische Fragen nach dem Brexit ausgesprochen, unabhängig von dem Fortgang der politischen Gespräche über den Brexit. ADS ist ein britischer Industrieverband, während die GAMA ein internationaler Verband von Herstellern von Flugzeugen der Allgemeinen Luftfahrt mit Sitz in Washington, D.C. ist.

Schreckgespenst „harter Brexit“

Sollte es bis zu einem harten Brexit kommen, wäre der Luftfahrtsektor besonders betroffen, da er im Tagesgeschäft abhängig ist von internationalen Verträgen. Zudem ist die Luftfahrtindustrie hochgradig internationalisiert. Es gibt kaum Luftfahrzeuge, die ausschließlich mit Komponenten aus einem einzigen Land gefertigt werden. Die Zulieferkette der Aerospace-Industrie ist global.

Ohne neue Vereinbarungen, die beispielsweise die Anerkennung von Zulassungen oder Übergänge zu künftigen Regelungen beschreiben müssen, träte eine Situation ein, in der die Luftfahrtindustrie und der Luftverkehr aufgrund nicht vorhandener Sicherheitsvorschriften fast handlungsunfähig wären.

Deswegen haben ADS und GAMA Michel Barnier gebeten, dass die EU-Kommission der EASA und der britischen CAA nun erlaubt, über technische und Zulassungsfragen spricht, um Unsicherheiten auszuräumen. Großbritannien ist zwar Gründungsmitglied der EASA, aber die britische Regierung lehnt nach dem Brexit die Jurisdiktion des Europäischen Gerichtshofes als oberstes Organ der Rechtsprechung für Luftfahrtfragen in Europa kategorisch ab. Dies ist aber eine nicht verhandelbare Voraussetzung für die Mitgliedschaft in der EASA.

Ein harter Brexit ohne vorherige Einigungen träfe nicht nur die Luftfahrtindustrie in Großbritannien besonders stark, sondern auch die Luftfahrtindustrie in ganz Europa.

Volker K. Thomalla

 

 

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Über Volker K. Thomalla

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Volker K. Thomalla ist Chefredakteur von aerobuzz.de. Er berichtet seit über 30 Jahren als Journalist über die Luft- und Raumfahrt. Von 1995 bis 2016 leitete er als Chefredakteur die Redaktion aerokurier, von 2000 bis 2016 zusätzlich die Redaktionen FLUG REVUE und Klassiker der Luftfahrt. Thomalla war von 2016 bis 2018 Chefredakteur des englischsprachigen Business-Aviation-Magazins BART International. Er hat mehrere Bücher über die Luftfahrt geschrieben und als Privatpilot auch praktische Flugerfahrung gesammelt.

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