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Air France blickt in den Abgrund

Nun nimmt auch die französische Politik zu dem firmeninternen Streit bei der  Air France ein. Ausgerechnet bei einer von ihm initiierten Mitarbeiterbefragung erlitt der Hauptgeschäftsführer der Airline-Gruppe, Jean-Marc Janaillac, eine Niederlage.

8.05.2018

Jean-Marc Janaillac hat sich nicht einmal zwei Jahre an der Spitze der Air France-KLM halten können. © Gil Roy / Aerobuzz.fr

Jean-Marc Janaillac, der Hauptgeschäftsführer (CEO) von Air France, hat nach seiner Niederlage bei einer Mitarbeiterbefragung, seinen Rücktritt eingereicht. Er stand nicht einmal zwei Jahre an der Spitze der Airline und wird am 15. Mai sein Amt niederlegen. Die von ihm initiierte Mitarbeiterbefragung sollte eigentlich Bewegung in den schwelenden Tarifstreit mit den Gewerkschaften bringen, jetzt kostete sie ihn sein Amt. 55,44 Prozent der Mitarbeiter lehnten den Vorschlag Janaillacs ab. Das Abstimmungsergebnis war auch deswegen bedeutsam, weil 80 Prozent der 46.771 Beschäftigten der Airline an der Abstimmung teilgenommen haben.

Wer bestimmt den Kurs der Air France?

Diese hohe Wahlbeteiligung hat auch deutlich zum Ausdruck gebracht, dass die Beschäftigten ihre Stimme in dem Tarifkonflikt nicht von der verhandelnden Gewerkschaft in Beschlag nehmen lassen wollen. Man muss die 80,33 Prozent einmal ins Verhältnis setzen zu den 51,5 Prozent der Piloten, die am 4. Mai – dem 15. Streiktag in diesem Jahr bei Air France – abgestimmt haben und den 17,1 Prozent der Flugbegleiterinnen und Flugbegleiter sowie den 12,5 Prozent des Bodenpersonals.
Es ist, als ob die Basis sich umgedreht und den Gewerkschaften den Rücken zugedreht hätte. Dies wirft die Frage nach der Legitimität der Akteure des sozialen Dialogs innerhalb des Unternehmens auf.

Der Airbus A380 ist das Flaggschiff der Air France-Flotte. © Airbus

Nach der Klatsche, die Jean-Marc Janaillac erhalten hat, sind seine Mitstreiter im Management entwaffnet. Ihre Tage in den Entscheidungsgremien der Airline sind gezählt. Und was die Gewerkschaften betrifft, können sie das „Nein“ der Mitarbeiter nicht einfach für sich reklamieren, denn sie haben sich zuvor klar gegen die Mitarbeiterbefragung gestellt. Indem sie zwei weitere Streiktage für den 7. und den 8. Mai angekündigt haben, halten sie eine Strategie aufrecht, die nur noch von einer Minderheit unterstützt wird.

Eine Firma wie viele andere

Diese unerwartete Situation, in die Air France gerade gesunken ist, könnte schwere Folgen haben. Während die Gewerkschaften ihre Ansprüche durch die in den vergangenen Jahren erzielten Gewinne legitimieren, sendet das wirtschaftliche Klima des Luftverkehrs unheilvolle Zeichen eines Umkippens. Wenn der Treibstoffpreis weiter steigt, könnte er die ohnehin niedrige Marge der Air France weiter abschmelzen. Sie wurde bereits durch den Streik schwer beschädigt, der das  Unternehmen bereits 300 Millionen Euro gekostet hat.

Aus dem Elysée-Palast waren Stimmen zu vernehmen, dass Air France nicht die staatliche Eisenbahngesellschaft SNCF sei, obwohl der französische Staat noch einen Anteil von 15 Prozent an der Airline hält. Air France sei eine Firma wie viele andere. Diese Stimmen haben auch durchblicken lassen, dass Air France genauso behandelt würde wie jedes andere private Unternehmen in Schwierigkeiten auch, selbst wenn es sich in einem Markt bewege, in dem die Konkurrenz keine Gnade kennt.

Einfach zu akzeptieren, dass keine Einigung der Tarifparteien zu einer Insolvenz von Air France führen könne, kann den Beteiligten helfen, das Problem schließlich pragmatisch zu lösen. Dies ist wahrscheinlich auch der beste Weg, um das Schlimmste zu vermeiden. Aber die Beteiligten sind noch lange nicht auf diesem Weg, und die nächsten Wochen haben das Potenzial, uns ein trauriges Spektakel zu bieten.

Gil Roy

 

 

 

 

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