Homepage » Luftverkehr » Der Airbus A321LR ist zum Erstflug gestartet

Aus dem Airbus A321neo ACF ist der Airbus A321LR geworden. Er ist in der Lage, Transatlantik-Strecken nonstop zu bedienen. Und er ist heute vom Airbus-Werksflughafen Hamburg-Finkenwerder zum Jungfernflug gestartet. Aerobuzz.de ist vor Ort.

31.01.2018

Am 31. Januar 2018 um 12.03 Uhr hob die erste A321LR in Hamburg-Finkenwerder zum Erstflug ab. © Volker K. Thomalla

Das europäische Standardrumpf-Flugzeug Airbus A321LR (LR steht dabei für „Long Range“) hat heute in Hamburg-Finkenwerder seinen Erstflug absolviert. Um 11.03 Uhr Ortszeit hob das zweistrahlige Single-Aisle-Flugzeug bei typisch Hamburger Wetter mit tiefen Wolkenuntergrenzen im leichten Nieselregen ab. Es soll noch vor Ende dieses Jahres zugelassen sein und in den Airline-Dienst gehen. Airbus zielt mit dieser neuen Version seines größten Narrowbodies auf ein sich derzeit stark entwickelndes Marktsegment, das momentan noch von Boeing 757 und Boeing 767 besetzt ist. Diese Flugzeuge kommen aber in die Jahre und müssen in absehbarer Zukunft ersetzt werden.

Die A321LR rollt in Hamburg-Finkenwerder bei typisch Hamburger Wetter zum Start. © Volker K. Thomalla

Von außen betrachtet unterscheidet sich die A321LR von der klassischen A321 – die sie als Standardmodell ablösen wird – durch die Zahl der Türen sowie durch ein Paar Notausstiege auf Höhe der Tragflächen. Die Ursprungsversion der A321 hatte auf jeder Rumpfseite vier Türen für die Passagiere: zwei im vorderen Teil des Rumpfes und zwei im hinteren Bereich.

Bei der A321LR ist die Tür Nummer 2 (direkt vor den Tragflächen) entfallen. Die Tür Nummer 3 wurde um vier Rahmen nach hinten verlegt und kann auf Kundenwunsch auch deaktiviert werden.

Dank der neuen Konfiguration können Fluggesellschaften ihre Kabinengestaltung optimieren. Der Wegfall der Tür Nummer 2 erlaubt es ihnen, in der vorderen Hälfte der Kabine mehr Sitze zu installieren. Auch sind sie nun bei der Dimensionierung einer Business Class flexibler, da sie nicht auf die Ausstiegstür Rücksicht nehmen müssen.

240 Sitze für die A321LR

Dadurch ist es den Fluggesellschaften möglich, bis zu 240 Passagiersitze in einer reinen Eco-Bestuhlung unterzubringen. Die maximale Sitzplatzzahl bei der klassischen Version beträgt 236. Die Kabine der A321LR erlaubt auch die Installation von Business-Class-Sitzen, die sich zu einem flachen Bett („Full flat“) umwandeln lassen. Dadurch zieht auch bei Narrowbodies ein Komfortlevel für die Passagiere ein, den Passagiere sonst nur von Widebodies kennen. Zusätzlich profitiert die neue A321-Version auch vom neuen Airbus-Kabinenkonzept „Airspace“, das unter anderem größere Overhead-Bins vorsieht.

Das neue Airspace-Kabinenkonzept von Airbus sieht auch größere Overhead-Bins vor. © Airbus

Die Airbus-Ingenieure haben die Flugzeugstruktur nicht weiter verändert, um eine komplette Neuzulassung des Musters zu vermeiden. Man mag einwenden, dass die Modifikation einen großen Aufwand darstellt für eine Kapazitätserweiterung um nur vier Sitze, aber es ging bei der Konstruktion der A321LR nicht nur um die zusätzlichen Sitze, sondern auch um eine flexiblere Kabinengestaltung für die Airlines, weil die neue Version ja zusätzliche Märkte im Langstreckenbereich erschließen kann, die eine entsprechende Kabinengestaltung erfordern.

Airbus hat das Roll-out der A321neo ACF am 5. Januar 2018 in Finkenwerder gefeiert. © Airbus

Die A321LR hat mit 206 Passagieren an Bord eine Reichweite von 4.000 nautischen Meilen (7.400 Kilometer). Dies stellt eine spektakuläre Steigerung gegenüber der Reichweite der heutigen Version dar. Deren Reichweite beträgt 3.212 nautische Meilen (5.950 Kilometer) mit 185 Passagieren an Bord. Diese Steigerung konnte aber nur erreicht werden durch einen dritten Treibstofftank und das „Auflasten“ der maximalen Startmasse von 89 auf 97 Tonnen. Airbus plant, das Flugzeug in zwei Schritten zu zertifizieren: zunächst soll die neue Rumpfkonfiguration und dann die Version „Long Range“ zugelassen werden.

Die Erstflug-Crew der A321LR vor dem Flug. © Hermann Jansen/Airbus

Mit der A321LR verändert Airbus die wirtschaftliche Ausgangslage auf den Mittel- und Langstrecken, indem der Konzern ein Single-Aisle-Flugzeug anbietet, das sowohl auf transkontinentalen als auch auf interkontinentalen Strecken wirtschaftlich eingesetzt werden kann. Airbus verspricht seinen A321LR-Kunden ein Betriebskostenvorteil von 30 Prozent im Vergleich zum nächsten heutigen Wettbewerber. Mit diesem remotorisierten Narrowbody zielt Airbus auf den Markt der Boeing 757-200 und Boeing 767-200, den der Hersteller nach Ansicht seines Wettbewerbers derzeit aufgegeben hat.

„Die A321LR ist ein kostengünstiges Modell, das sich an die vielen traditionellen Fluggesellschaften wendet, die mit ihren Wettbewerbern bei den Sitzplatzkosten konkurrieren wollen“, sagte kürzlich der Chef der Airbus-Zivilflugzeugsarte, Fabrice Brégier,  im Interview mit Aerobuzz.

Während Boeing an seinem künftigen „MMA“ (Middle Market Aircraft) arbeitet, besetzt die A31LR genau dieses Marktsegment. Die neue A321-Version „LR“ hat bereits 70 Festbestellungen von neun Airlines für sich verbucht. Und das sei erst der Anfang. „Es ist leicht nachzuvollziehen, dass ein Single-Aisle-Flugzeug, aus dem das Maximum seiner Fähigkeiten herausgeholt wird, immer noch wettbewerbsfähiger ist als ein neues Flugzeug mit einem viel stärkeren Triebwerk“, sagte Brégier gegenüber Aerobuzz. „Ich bin zuversichtlich, dass die A321neo in ihrem Marktsegment weiterhin führend bleiben wird.“

Gil Roy/VKT

 

 

 

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Über Gil Roy

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Gil Roy hat Aerobuzz.fr 2009 gegründet. Er arbeitet seit 1981 hauptberuflich als Journalist. Sein Fachwissen in den Bereichen Allgemeine Luftfahrt, Luftverkehr und Nachhaltigkeit der Mobilität lassen ihn häufig als Autor in verschiedenen Fachpublikationen, aber auch in allgemeinen Medien (Air & Kosmos, l'Express, Aviasport...) erscheinen. Er ist Chefredakteur von Aerobuzz und Autor von sieben Büchern. Gil Roy hat den Literaturpreis des Aéro-Club de France erhalten und ist Träger der Médaille de l'Aéronautique.

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