Homepage » Militär » 55 Jahre Patrouille Suisse

Die Schweizer Patrouille Suisse feiert in diesem Jahr ihr 55-jähriges Bestehen. Das Team ist ein Sympathieträger innerhalb des Landes und ein beliebter Botschafter für die Schweiz im Ausland. Das erste Muster der Staffel war die Hawker Hunter.

30.06.2019

Spiegelflug von zwei F-5E Tiger II der Patrouille Suisse. © Bob Fischer

Am 22. August 1964 wurde die Patrouille Suisse gegründet. Die Idee, ein Vorführteam mit Berufspiloten aufzustellen, stammt allerdings schon aus dem Jahr 1959. Geflogen wurden die ersten Formationen mit britischen Kampfflugzeugen des Typs Hawker Hunter Mk. 58, zuerst mit vier, später mit sechs Jets. In Anlehnung an die französische Kunstflugformation Patrouille de France nannte man das Team spontan Patrouille Suisse. Die Schweizer Regierung war von der Publikumswirksamkeit des Formationsflug überzeugt und beschloss deshalb, die Patrouille Suisse zum offiziellen nationale Kunstflugteam zu ernennen.

Patrouille Suisse

Im Jahr 1965 bestritt das Team erstmals eine komplette Saison mit vier Vorführungen. In der Folgezeit wurde das Programm ständig verfeinert und die exakte Ausführung der einzelnen Figuren perfektioniert. 1970 stieß eine fünfte Maschine zum Team. Allerdings war es damals wegen den strikten Neutralität der Schweiz noch nicht möglich, an Flugvorführungen im Ausland teilzunehmen. Dies änderte sich 1978: Die Schweizer Kunstflugstaffel wurde zum 25-jährigen Bestehen der Patrouille de France nach Frankreich eingeladen und durfte in Salon-de-Provence ihr Können endlich auch im Ausland – und neu mit sechs Hawker Hunter – zeigen.

Seit 1995 fliegt das Team die F-5E Tiger

Anlässlich der 700-Jahr-Feier der Eidgenossenschaft 1991 erhielten die Hunter ein neues Aussehen: Die Flügelunterseiten leuchteten neu in den Schweizer Farben Rot und Weiss. Drei Jahre später flogen die Piloten der Patrouille Suisse ihre letzte Vorführung auf dem Hunter. Die Nachfolgejets, die schnelleren und wendigeren Northrop F-5E Tiger, brachten 1995 das Team nach 30 Jahren in fliegerisches Neuland. Für eine perfekte Vorführung auf der damals größten militärischen Flugshow der Welt, dem Royal International Air Tattoo 2000 auf dem RAF-Basis Cottesmore, gewann das Team das King Hussein Memorial Sword für die beste Flugvorführung. An der großen Flugshow Air04 in Payerne feierte die Schweizer Luftwaffe 2004 ihr 90-jähriges Bestehen und die Patrouille Suisse ihren 40. Geburtstag.

Im Jahr 2014 feierte die Patrouille Suisse ihr 50-jähriges Bestehen. Dieser Geburtstag wurde im Laufe des Jahres gebührend gefeiert und erreichte seinen Höhenpunkt mit der spektakulären Airshow AIR14 in Payerne. Nachdem im Jahre 2016 die politische Entscheidung getroffen wurde, die F-5 Tiger weiterhin als Aggressor und somit Zieldarstellungsflugzeug einzusetzen, wird mann dieses Flugzeug auch in absehbarer Zukunft mit der Patrouille Suisse am Himmel bestaunen können.

Patrouille Suisse ist in Emmen zu Hause

Das Team ist seit 1994 auf den Militärflugplatz Emmen bei Luzern beheimatet, zuvor war es in Dübendorf zu Hause. In Emmen wird das professionelle Zusammenspiel zwischen Piloten und Bodenmannschaft ständig trainiert. Um das Flugprogramm in dieser Perfektion präsentieren und halten zu können, müssen die Piloten und das gesamte Bodenpersonal in jeder Hinsicht miteinander harmonieren.

Im Gegensatz zu vielen Kunstflugteams verwendet die Patrouille Suisse mit dem F-5 Tiger einen Kampfjet. Die F-5E der Patrouille Suisse werden auch für den ordentlichen Flugdienst und den Luftpolizeidienst eingesetzt. Diese Jets fliegt um einiges schneller als zum Beispiel ein Trainingsflugzeug. Der Kurvenradius und damit der Platzbedarf sind dementsprechend groß. Ein Schönwetterprogramm kann bei einer Wolkenuntergrenze von etwa 3000 Metern geflogen werden, ein Mittelwetterprogramm braucht etwa 1500 Meter und für ein Schlechtwetterprogramm müssen die folgenden, minimalen Wetterbedingungen vorherrschen: minimale Sichtweite 5 Kilometer und Wolkenuntergrenze von 1000 Fuß (330 Meter).

Die Patrouille Suisse hält sich strikte an klar definierte Mindesthöhen. Bei horizontalen Vorbeiflügen fliegt man minimal 200 Fuß (60 Meter), für alle anderen Manöver gilt die Minimalhöhe von 300 Fuß (100 Meter). Der Abstand zum Publikum beträgt minimal 230 Meter. Bei Kurven und Manövern mit einem Vektor zum Publikum beträgt der Minimalabstand 450 Meter. Die Abstände zwischen den einzelnen Flugzeugen innerhalb des Verbandes betragen drei bis fünf Meter. Die Piloten fliegen rund zwei Meter höhenversetzt, um nicht in die verwirbelte Luft des jeweils vorderen Flugzeuges zu gelangen.

Flat Eric hat ein eigenes Flugbuch

Während der Show und Training geht das Maskottchen „Flat Eric (Flatty)“ immer mit. Es ist Mitglied der Patrouille Suisse seit 2000 und wurde von der britische Kunstflugstaffel Red Arrows 2004 entführt und eingekleidet. Es ist Patenkind und Co-Pilot des Tiger 2 mit 800 Flugstunden auf der F-5 Tiger. Flatty besitzt sogar ein eigenes Flugbuch.

Während der Tage der Öffentlichkeit zum 80-jährigen Jubiläum des Militärflugplatzes in Emmen am 24. und 25. Mai 2019, war Aerobuzz.de-Autor Bob Fischer eingeladen, das Briefing und die Flugvorführung der Patrouille Suisse aus nächster Nähe zu beobachten. Laut Oberstleutnant Nils „Jamie“ Hämmerli, Kommandant der Patrouille Suisse, wird der Tiger wenigstens noch bis 2025 bei der Luftwaffe fliegen. Das Muster ist sehr gut geeignet als Aggressor. Im Rahmen von Air 2030 finden jetzt Flug- und Bodenerprobungen für ein neues Kampfflugzeug in der Schweiz statt. Erst nach Abschluss dieser Tests wird sich zeigen, welches der noch verbliebenen vier Muster der nächste Kampfjet der Schweizer Luftwaffe wird.

Bob Fischer

 

 

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Über Bob Fischer

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Bob Fischer ist PPL-Inhaber mit diversen Ratings. Er veröffentlicht regelmäßig Beiträge in Luftfahrtmagazinen auf der ganzen Welt. Bob hat eine große Erfahrung in Air-to-air-Fotografie mit Jets, Kolbenmotor- und Turbopropflugzeugen.

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