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Airbus kommt bei A400M einer Lösung näher, zumindest einer vertraglichen

Airbus hat mit den Erstkunden-Nationen des problembehafteten A400M-Programms eine Absichtserklärung unterzeichnet, die dem Hersteller einige finanzielle Lasten abnimmt, die aufgrund von Verspätungen und nicht erfüllter militärischer Fähigkeiten des Flugzeugs entstanden sind. Bis Ende des Jahres will man einen entsprechenden Vertrag ausgearbeitet haben.

9.02.2018

Airbus und die Kunden scheinen sich bei den Kosten für das A400M-Programm einem Kompromiss anzunähern. © Volker K. Thomalla

Anfang 2017, nachdem Airbus rund 2,2 Milliarden Euro Verlust für verspätete Auslieferungen beim A400M-Programm hat abschreiben müssen, erklärte Tom Enders, Hauptgeschäftsführer (CEO) von Airbus, dass es keine Frage sei, dass Airbus nicht allein die Konsequenzen aus den Problemen des A400M-Programms werde tragen können. Es hat nun ein Jahr gedauert, bis der Hersteller mit den Kundennationen zu einer ersten Einigung kam.

Am 7. Februar 2018, eine Woche vor Bekanntgabe des Jahresergebnisses des Herstellers am 15. Februar, hat Airbus mit den sieben Erstkundennationen (Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Belgien, Luxemburg, Spanien und die Türkei), eine Absichtserklärung unterzeichnet, in der die Bedingungen bei der Weiterführung des Vertrages definiert sind. Die Absichtserklärung soll im Laufe des Jahres zu einem verbindlichen Vertrag führen.

Die europäische Beschaffungsbehörde OCCAR, die im Auftrag der Kundennationen die Verträge mit dem Hersteller aushandelt, ist mit Airbus übereingekommen, „an einer Reihe von Vertragsbestandteilen zu arbeiten“. Neben einem neuen Auslieferungsplan soll auch ein Zeitplan für die Entwicklung und Fertigstellung der militärischen Fähigkeiten der A400M erstellt werden.

Erstkunden werden mehr zahlen müssen

Mit anderen Worten: Die Erstkundennationen übernehmen jetzt noch mehr Verantwortung für die Zukunft des Programms. „Diese Vereinbarung mit unseren Kunden ist ein wichtiger Schritt, um die verbleibenden Risiken des A400M-Programms weiter zu reduzieren. Ich danke den Kundennationen für ihre Unterstützung bei diesem schwierigen Unterfangen und hoffe auf ihr fortgesetztes Engagement, damit wir eine für beide Seiten vorteilhafte Vertragsanpassung erzielen“, sagte Enders, der sich wieder einmal als harter Verhandlungspartner bewies. „Auf dieser Grundlage sind wir weiterhin dem A400M-Programm verpflichtet, damit die Luftstreitkräfte unserer Kundennationen den leistungsfähigsten Militärtransporter aller Zeiten erhalten. Leider wird das Programm seit Anbeginn im Jahr 2003 nicht nur durch operative Probleme beeinträchtigt, sondern vor allem durch eine unrealistische Vertragsgestaltung sowie ein unzureichendes Budget. Dadurch sind Airbus als Hauptauftragnehmer hohe Verluste entstanden. Wir haben nun eine gute Chance, den Aderlass zu stoppen oder zumindest einzuschränken und die von unseren Kunden benötigten Fähigkeiten zu liefern.“

A400M-Produktion wird verlangsamt

Für die A400M liegen Airbus bislang 174 Bestellungen vor. 57 Flugzeuge sind bereits ausgeliefert, davon allein 19 im vergangenen Jahr. In den kommenden Jahren wird die Fertigungskadenz allerdings wieder verlangsamt. Weitere Details zur Vertragsänderung wurden nicht bekannt, da beide Seiten mit Hinweis auf die andauernden Gespräche Vertraulichkeit vereinbart haben.

Die Nachrichtenagentur Reuters hat aus dem Verteidigungsministerium erfahren, dass die Bundeswehr nun damit plant, das letzte Flugzeug aus der Bestellung erst 2026 zu erhalten.

Gil Roy

 

 

 

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Über Gil Roy

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Gil Roy hat Aerobuzz.fr 2009 gegründet. Er arbeitet seit 1981 hauptberuflich als Journalist. Sein Fachwissen in den Bereichen Allgemeine Luftfahrt, Luftverkehr und Nachhaltigkeit der Mobilität lassen ihn häufig als Autor in verschiedenen Fachpublikationen, aber auch in allgemeinen Medien (Air & Kosmos, l'Express, Aviasport...) erscheinen. Er ist Chefredakteur von Aerobuzz und Autor von sieben Büchern. Gil Roy hat den Literaturpreis des Aéro-Club de France erhalten und ist Träger der Médaille de l'Aéronautique.

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