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Luftwaffe hat eine A319 für Open Skies-Missionen übernommen

Die Luftwaffe kann wieder ein Flugzeug für Open Skies-Einsätze der OSZE zur Verfügung stellen. Heute hat die Bundeswehr einen Airbus ACJ319, der mit einer umfangreichen Sensorausrüstung bestückt wurde, von der Lufthansa Technik in Hamburg übernommen. 

21.06.2019

Die Bundeswehr hat heute in Hamburg den für Open Skies-Missionen ausgerüsteten Airbus ACJ319 von der Lufthansa Technik übernommen. © Jan Brandes/Lufthansa Technik

Im Rahmen des 1992 geschlossenen Open Skies-Vertrages zwischen der NATO und den Staaten des ehemaligen Warschauer Paktes dürfen die beteiligten Nationen die Gebiete der anderen Nationen über festgelegten Strecken überfliegen und Aufnahmen machen. Dies ist als vertrauensbildende Maßnahme zwischen den Staaten gedacht, um bewaffnete Konflikte zu vermeiden.

Bis 1997 verfügte die Bundeswehr über eine modifizierte Tupolew Tu-154M, die sie für diese Flüge einsetzte. Doch diese Tu-154M stieß im September 1997 vor der Küste Namibias mit einer Lockheed C-141 Starlifter der US Air Force zusammen und stürzte in den Südatlantik. Seitdem hatte Deutschland kein Flugzeug mehr für diese Einsätze.

Zu den umfangreichen Umbauten der ACJ319 für Open Skies-Flüge gehörte auch die Integration von hochauflösenden Kameras im Rumpfheck. © Jan Brandes/Lufthansa Technik

Nach einer Umbauzeit von 26 Monaten hat heute in Hamburg die Lufthansa Technik einen umfangreich modifizierten Airbus ACJ319 an die Luftwaffe übergeben. Das Flugzeug mit dem taktischen Kennzeichen 15+03 flog zuvor bei Volkswagen und wurde in Anwesenheit der Bundesministerin für Verteidigung, Ursula von der Leyen, und dem Staatssekretär im Auswärtigen Amt, Niels Annen im Rahmen einer Zeremonie übergeben. Er sagte: „Der Open-Skies-Vertrag ist eine unverzichtbare Säule der Rüstungskontrolle im OSZE-Raum. Wir setzen uns dafür ein, dass er trotz mancher Schwierigkeiten weiterhin funktioniert und von allen Seiten vollständig implementiert wird. Der Vertrag zeigt außerdem, dass eine Zusammenarbeit zwischen Russland und den Vereinigten Staaten auch in sensitiven Sicherheitsfragen noch möglich ist. Wir wollen den Open-Skies-Vertrag stärken. Deswegen freue ich mich, dass Deutschland wieder ein eigenes, modernes Flugzeug für Überflüge bereitstellt.“

Inspektion im Rahmen des Umbaus

Im Rahmen der Werftliegezeit wurde das Flugzeug einer kompletten Inspektion unterzogen und erhielt 150 Modifikationen. Dazu gehörten unter anderem auch große Eingriffe in die Flugzeugstruktur, für die ergänzende Musterzulassungen notwendig waren. Unter anderem tauschten die Techniker ein sieben Meter langes Stück der Außenhaut des oberen Rumpfes und schnitten Kameraöffnungen in die Außenhaut des Rumpfhecks. Diese Löcher wurden mit Spezialglas geschlossen, durch die Kameras während der Open-Skies-Flüge Aufnahmen machen können.

Welche Kameras verwendet werden, ist eindeutig festgelegt. So gibt es beispielsweise feste Brennweiten für verschiedene Flughöhen sowie einen Infrarotsensor, mit dem Unterschiede der Temperatur bildlich abgebildet werden können. Vier Operator an Bedienstationen an Bord des Flugzeuges überwachen die Qualität der Aufnahmen und steuern die Sensoren.

Im Open Skies-Vertrag ist festgelegt, dass die überflogenen Länder eigene Beobachter bei den Flügen mit an Bord schicken dürfen. In der 15+03 sind deswegen 16 Sitze für diese Passagiere eingebaut. Um sicherzustellen, dass alle Systeme jederzeit und ohne großen Aufwand einsehbar sind, haben die Ingenieure bei der LH-Technik Wartungsklappen und Zugangstüren an verschiedenen Stellen am Flugzeug integriert.

Das Flugzeug und seine Sensoren muss von allen Unterzeichner-Staaten abgenommen werden, bevor der erste Start zu einer Open Skias-Mission mit ihm erfolgen darf.
Volker K. Thomalla

 

 

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Über Volker K. Thomalla

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Volker K. Thomalla ist Chefredakteur von aerobuzz.de. Er berichtet seit über 30 Jahren als Journalist über die Luft- und Raumfahrt. Von 1995 bis 2016 leitete er als Chefredakteur die Redaktion aerokurier, von 2000 bis 2016 zusätzlich die Redaktionen FLUG REVUE und Klassiker der Luftfahrt. Thomalla ist seit 2016 Chefredakteur des englischsprachigen Business-Aviation-Magazins BART International. Er hat mehrere Bücher über die Luftfahrt geschrieben und als Privatpilot auch praktische Flugerfahrung gesammelt.

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