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Neuer Airbus A400M-Support-Vertrag unter Dach und Fach

Der Horizont für das europäische Transportflugzeug Airbus A400M wird heller: Nach zweijährigen Verhandlungen haben Airbus und die europäische Rüstungsbeschaffungsbehörde OCCAR einen Vertrag unterschrieben, der die Entschädigungen für verspätete Lieferungen und die Schwierigkeiten des Herstellers bei der Erfüllung der Anforderungen der Spezifikationen regelt. Heute wurde zusätzlich ein neuer A400M-Supportvertrag unterzeichnet.

1.07.2019

Airbus, die europäische Beschaffungsbehörde OCCAR und die europäischen Erstkunden für die A400M haben sich auf einen neuen Vertrag geeinigt. © Volker K. Thomalla

Was lange währt, wird endlich gut: Eigentlich hatten sich Airbus und die durch die Rüstungsbeschaffungshörde OCCAR vertretenen Erstkundennationen (Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Spanien, Türkei, Belgien und Luxemburg) für den Militärtransporter Airbus A400M schon im vergangenen Jahr über einen neuen Vertrag einigen wollen, doch die im März 2017 begonnenen Verhandlungen zogen sich hin. Am 14. Juni, kurz vor Beginn der Paris Air Show, beendeten die Vertragspartner die Verhandlungen erfolgreich und haben einen so genannten „Global Rebaselining“-Vertrag unterzeichnet.

Finanzierung und Zeitplan verabschiedet

Im Rahmen dieses angepassten Vertrags einigten sich die Parteien auf vier Punkte:

  • Neuer Entwicklungszeitplan
    Auf Grundlage des neuen Plans wird Airbus die geplanten militärischen Fähigkeiten der A400M nach einem angepassten Zeitplan bereitstellen, der es den Kunden ermöglicht, ihre Operationen und Verpflichtungen besser zu planen.
  • Neuer Produktionsplan
    Alle Parteien haben vereinbart, den A400M-Produktionsplan zu verlängern und dabei den Zeitplan bis 2030 beizubehalten. Der neue Lieferplan entspricht den Erwartungen der Kundenstaaten und reduziert das finanzielle Risiko erheblich. Er ermöglicht auch, die Produktionsraten des Programms anzupassen, um die Exportaufträge der kommenden Jahre zu erfüllen.
  • Neuer Zeitplan für Nachrüstungen
    Die neue Nachrüstungsvereinbarung wird den vertraglich festgelegten, endgültigen Standard für alle A400M beinhalten. Diese Vereinbarung wird die Ausfallzeiten von Flugzeugen minimieren, um die Erwartungen der Kunden zu erfüllen und gleichzeitig den Nachrüstungsprozess für Airbus optimieren.
  • Neuer Finanzierungsansatz
    Airbus, OCCAR und die Kundenstaaten haben sich darüber geeinigt, die aufgrund verspäteter Auslieferungen aufgelaufenen finanziellen Verpflichtungen durch die Lieferung von Produkten und Dienstleistungen zum großen Teil zu kompensieren. Dadurch haben Kunden und Industrie die Möglichkeit, die A400M zusammen weiterzuentwickeln.
Die Luftwaffe nimmt nun auch an dem multinationalen Supportvertrag für die A400M teil. © Volker K. Thomalla

Aufbauend auf der Einigung über die künftige Entwicklung und Produktion des Musters, hat Airbus jetzt einen neuen A400M „Global Support Step 2“-Vertrag mit der OCCAR abgeschlossen. Dabei handelt es sich nach Angaben des Herstellers um den ersten Supportvertrag für alle am A400M-Programm beteiligten Staaten. Er ersetzt den 2016 unterzeichneten Step-1-Vertrag, der nur die Supportleistungen für Frankreich, Spanien und Großbritannien vorsah.

Modulare Service-Struktur

Damit profitieren nach Ansicht von Airbus künftig alle Kundennationen von einem ganzen Katalog an Standarddienstleistungen, basierend auf gemeinsam genutzten Ressourcen und Anlagen. Der leistungsbasierte Vertrag schaffe neue Rahmenbedingungen für partnerschaftlich ausgerichtete Servicekonzepte auf Basis von Pooling und Sharing, die der Industrie und Betreibern ermöglichten, neue Bereiche der Zusammenarbeit, Konzepte und Services anzuwenden, teilte Airbus heute mit. Die modulare Struktur der Services ermögliche zudem eine individuelle Anpassung an spezifische operative Anforderungen. Airbus wird das Pooling und Sharing der Ressourcen steuern. Dadurch ergäben sich für die A400M-Kunden wesentliche Kostenersparnisse.

Der neue A400M Global Support-Vertrag läuft bis Ende 2023. Alberto Gutiérrez, Head of Military Aircraft bei Airbus Defence and Space, lobte die Vereinbarung: „Mit diesem Servicevertrag entwickeln wir gemeinsam mit unseren Kunden innovative Lösungen, die es in dieser Form noch nie in einem militärischen Programm gegeben hat. Nach der Einigung mit den Erstkunden über die A400M-Vertragsanpassung ist dies ein weiteres eindeutiges Signal, dass wir durch konstruktive Zusammenarbeit die Zukunft des A400M-Programms sichern.“

Die A400M der Bundeswehr sind derzeit alle beim LTG 62 in Wunstorf stationiert. © Nurgün Ekmekcibasi/Luftwaffe

Gary Palmer, A400M Programme Manager bei der OCCAR, gab sich ebenfalls zufrieden. Er sagte: „Der Vertrag über den A400M Global Support umfasst mehr als 40 aufeinander abgestimmte Services – ein vollständiger Service-Pool, der vom Support am Boden bis zur Lufttüchtigkeit und von Instandhaltung und Wartung bis zum Ersatzteilservice reicht. Für dieses kollaborative Modell gilt: Je mehr Nationen sich an dem Pool beteiligen, desto effizienter werden die Dienstleistungen für alle Beteiligten.“

Volker K. Thomalla

 

 

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Über Volker K. Thomalla

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Volker K. Thomalla ist Chefredakteur von aerobuzz.de. Er berichtet seit über 30 Jahren als Journalist über die Luft- und Raumfahrt. Von 1995 bis 2016 leitete er als Chefredakteur die Redaktion aerokurier, von 2000 bis 2016 zusätzlich die Redaktionen FLUG REVUE und Klassiker der Luftfahrt. Thomalla ist seit 2016 Chefredakteur des englischsprachigen Business-Aviation-Magazins BART International. Er hat mehrere Bücher über die Luftfahrt geschrieben und als Privatpilot auch praktische Flugerfahrung gesammelt.

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