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Die Elektro-Beaver der Harbour Air ist erstmalig geflogen

Das erste, rein elektrisch angetriebene Verkehrsflugzeug ist gestern zu seinem Erstflug gestartet. Die kanadische Harbour Air hat zusammen mit dem Motorenhersteller magniX eine DHC-2 Beaver zum Elektroflugzeug umgebaut. Nun beginnen die Nachweisflüge für die Zulassung.

11.12.2019

Der Jubel der Zuschauer beim Erstflug der elektrisch betriebenen DHC-2 Beaver am 10. Dezember 2019 war lauter als der Motor des Flugzeugs. © Harbour Air

Aufgrund des vorhergesagten schlechten Wetters entschied sich Greg McDougall, der Gründer und Hauptgeschäftsführer (CEO) des kanadischen Wasserflugunternehmens Harbour Air, den geplanten Erstflug der vollständig elektrisch angetriebenen DHC-2 Beaver um einen Tag vorzuziehen. Trotz der Terminänderung hatten sich gestern Hunderte von Zuschauern am Harbour Air Seaplanes Terminal am Fraser River in Vancouver eingefunden, um den Jungfernflug zu sehen und zu hören.

DHC-2 Beaver ePlane

Zu Beginn dieses Jahres hatte die Harbour Air angekündigt, die weltweit erste rein elektrische Airline werden zu wollen. Als Partner für die Remotorisierung ihrer Wasserflugzeugflotte hatte sie den Elektromotorenhersteller magniX gewonnen, der seinen 560 kW starken magni500-Motor für den Einbau in eine DHC-2 Beaver zur Verfügung stellte. Im Laufe dieses Jahres bauten Techniker der beiden Firmen die erste Beaver auf einen reinen Elektroantrieb um. Nach Testläufen und erste Taxi-Tests auf dem Wasser in der vergangenen Woche legte Greg McDougall den Erstflugtermin auf diese Woche fest.

Der Erstflug bestand aus einer Platzrunde

Gestern war es dann soweit: Unter Aufsicht der kanadischen Luftfahrtbehörde Transport Canada und der US-Luftfahrtbehörde FAA schaltete Greg McDougall den magni500-Motor ein und startete zum Erstflug. Das Flugzeug erwies sich bei dem Flug als extrem leise. Beim Start war der Jubel der Zuschauer lauter als die vorbeifliegende Beaver. Nach einer Platzrunde von vier Minuten Dauer setzte McDougall wie geplant wieder zur Wasserung auf dem Fraser River an und wasserte vor dem Terminal.

„Heute haben wir Geschichte geschrieben“, sagte er nach der Rückkehr an die Pier. „Ich bin unglaublich stolz auf Harbour Airs führende Rolle bei der Neudefinition von Sicherheit und Innovation in der Luftfahrt und in der Wasserfliegerei. Das Flugzeug zeigte überraschend gute Flugleistungen. Es war, als ob ich eine Beaver mit elektrischen Steroiden flöge.“

Harbour Air und magniX wollen nun nach dem Erstflug schnell mit den Nachweisflügen für die Zulassung beginnen. Bis 2021 soll die Zertifizierung geschafft sein. Danach will Harbour Air ihre komplette Flotte auf Elektroantriebe umstellen.

Kurze Flüge, hohe Frequenz

Die 1982 gegründete Wasserfluggesellschaft betreibt derzeit 40 Flugzeuge und befördert jährlich über eine halbe Million Passagiere. Aufgrund der besonderen Charakteristik des Streckennetzes – die Flüge dauern durchschnittlich gerade einmal 20 Minuten – ist die Airline prädestiniert für den Einsatz von vollelektrischen Flugzeugen.

Allen Beteiligten ist bewusst, dass die heutige Batterietechnik noch nicht ausreicht, um Verkehrsflugzeuge mit Elektroantrieb im gewerblichen Flugbetrieb auf längere Strecken zu schicken. Aber für kurze Flüge wie bei der Harbour Air oder für Flugzeuge, die Fallschirmspringer absetzen, sei diese Antriebsart sehr gut geeignet. magniX installiert derzeit auch einen Elektromotor in eine Cessna Caravan.

Roei Ganzarski, der Hauptgeschäftsführer (CEO) von magniX, sagte nach dem Flug: „Im Dezember 1903 leiteten die Gebrüder Wright mit dem ersten Flug eines Motorflugzeugs eine neue Ära des Transportwesens ein, das Zeitalter der Luftfahrt. Heute, 116 Jahre später, haben wir mit dem ersten Flug eines rein elektrisch angetriebenen Verkehrsflugzeugs das elektrische Zeitalter der Luftfahrt eingeleitet.“

Volker K. Thomalla

 

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Über Volker K. Thomalla

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Volker K. Thomalla ist Chefredakteur von aerobuzz.de. Er berichtet seit über 30 Jahren als Journalist über die Luft- und Raumfahrt. Von 1995 bis 2016 leitete er als Chefredakteur die Redaktion aerokurier, von 2000 bis 2016 zusätzlich die Redaktionen FLUG REVUE und Klassiker der Luftfahrt. Thomalla ist seit 2016 Chefredakteur des englischsprachigen Business-Aviation-Magazins BART International. Er hat mehrere Bücher über die Luftfahrt geschrieben und als Privatpilot auch praktische Flugerfahrung gesammelt.

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