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Germania-Insolvenz: Fast 1.700 Mitarbeiter betroffen

Von der Insolvenz der Berliner Fluggesellschaft Germania sind fast 1.700 Mitarbeiter und rund 60.000 Reisende betroffen. Passagiere, die ihre Tickets direkt bei der Airline gebucht haben, müssen damit rechnen, nichts zu bekommen. 

6.02.2019

Mitarbeiter der insolventen Fluggesellschaft Germania haben sich am 6. Februar 2019 zum letzten Mal in Uniform auf dem Flughafen Nürnberg zu einem Abschiedsfoto aufgestellt. © Airport Nürnberg/Christian Albrecht

Das Amtsgericht Berlin-Charlottenburg hat den Anwalt Rüdiger Wienberg von  der Kanzlei hww Hermann Wienberg Wilhelm zum Insolvenzverwalter bestellt. Das Insolvenzverfahren, das am Montag Abend beantragt wurde, betrifft 1.678 Mitarbeiter. Die Germania Fluggesellschaft mbH verfügte nach Angaben des Insolvenzverwalters zuletzt über 1.426 Angestellte, die Germania Technik Brandenburg über 178 Mitarbeiter und die Germania Flugdienste über 74 Mitarbeiter.

Germania Flug ist nicht betroffen

Die 2014 als unabhängige Airlines gegründete Schweizer Fluggesellschaft Germania Flug ist von der Insolvenz nicht betroffen. Ihre Flugzeuge sind in der gleichen Farbgebung gehalten wie die Jets der insolventen Germania, was nun zu Verwirrung führen kann. Germania Flug bedient mit ihren drei Airbus-Single-Aisle-Flugzeugen (zwei A319 und eine A321) weiterhin ihren Flugplan. Allerdings arbeitete die Schweizer Germania Flug in vielen Bereichen mit der deutschen Germania eng zusammen und muss sich nun zum Beispiel einen neuen Technik-Anbieter kümmern, der die Betreuung der Flugzeug übernimmt.

Der Insolvenzverwalter Wienberg hat nun das Sagen bei der Germania. Er hat nach eigenen Angaben die Vorfinanzierung des Insolvenzgeldes für die Mitarbeiter angestoßen, damit dieses zeitnah ausgezahlt werden kann. Die Löhne und Gehälter der Mitarbeiter sind für drei Monate über das Insolvenzgeld gesichert. Weil dieses jedoch erst zur Insolvenzeröffnung von der Agentur für Arbeit ausgezahlt wird, werde es üblicherweise über einen Bankkredit vorfinanziert. Da die Mitarbeiter ihre Januar-Gehälter jedoch schon nicht mehr ausgezahlt bekommen haben, läuft das Insolvenzgeld bereits Ende März aus, da die Januar-Gehälter schon davon gezahlt werden.

Kaum Vermögenswerte vorhanden

Da die Germania fast alle ihrer Flugzeug nicht selbst besaß, sondern geleast hat, steht zu erwarten, dass die Vermögenswerte der Gesellschaft sehr niedrig ausfallen werden. Darüber wird sich jetzt der Insolvenzverwalter einen Überblick verschaffen. Er soll im Auftrag des Gerichts auch eine Prüfung der Fortführungsaussichten vornehmen. Allerdings rechnen Branchenkenner mit sehr geringen Chancen auf den Fortbestand der Airline.

Staatliche Hilfen für Germania in Form eines Überbrückungskredites sind nicht zu erwarten. Aus dem Bundesministerium für Wirtschaft hieß es, dass es keinen Anlass für staatliche Hilfen wegen der Insolvenz der Germania gebe. Wirtschaftsminister Peter Altmaier wird mit den Worten zitiert, man habe bei der Air Berlin geholfen, damit gestrandete Passagiere zurückkommen. Bei Germania gehe es um einen Fall von viel begrenzterer Dimension.

Rund 60.000 Reisende sind nach Angaben Wienbergs von der Germania-Insolvenz in den nächsten beiden Wochen betroffen. Andere Fluggesellschaften wie Eurowings, Condor und easyJet haben öffentlich angekündigt, Germania-Passagieren vergünstigte Tickets anzubieten.

Germania hatte geplant, ihre gesamte Flotte auf Airbus-Narrowbodies umzustellen. © Volker K. Thomalla

Die Insolvenz der Germania trifft vor allem einige regionale Flughäfen hart: In Erfurt hatte die Germania rund 70 Prozent der Passagiere befördert, in Rostock-Laage rund 50 Prozent, in Münster/Osnabrück 27 Prozent und in Nürnberg 12 Prozent. Diese Lücken werden bis zum Sommerflugplan, der Ende März in Kraft tritt, nur schwer  und in einigen Fällen nicht – zu füllen sein.

In Nürnberg stellten sich heute die dort stationierten Mitarbeiter der Germania ein letztes Mal in Uniform zu einem Abschiedsfoto vor einem Airbus der Gesellschaft auf, was die enge Verbundenheit der Belegschaft mit dem Unternehmen beweist.

Volker K. Thomalla

 

 

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Über Volker K. Thomalla

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Volker K. Thomalla ist Chefredakteur von aerobuzz.de. Er berichtet seit über 30 Jahren als Journalist über die Luft- und Raumfahrt. Von 1995 bis 2016 leitete er als Chefredakteur die Redaktion aerokurier, von 2000 bis 2016 zusätzlich die Redaktionen FLUG REVUE und Klassiker der Luftfahrt. Thomalla ist seit 2016 Chefredakteur des englischsprachigen Business-Aviation-Magazins BART International. Er hat mehrere Bücher über die Luftfahrt geschrieben und als Privatpilot auch praktische Flugerfahrung gesammelt.

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