Homepage » Industrie » Bombardier trennt sich von der Q400 Series

Bombardier trennt sich von der Q400 Series

Bombardier "glättet" seine Konzernaktivitäten, gab das kanadische Unternehmen gestern bekannt. Dazu gehört der Verkauf der Turboprop-Flugzeugsparte sowie der Verkauf der Trainingstochter. Dadurch fallen im Konzern in den nächsten 12 bis 18 Monaten rund 5.000 Arbeitsplätze weg.

9.11.2018

Die indische Fluggesellschaft SpiceJet hat bei Bombardier Aerospace 50 Turbo-Prop-Flugzeuge vom Typ Q400 bestellt. © Bombardier Aerospace

Das war ein Paukenschlag! Der finanziell angeschlagene Konzern Bombardier Aerospace hat bei der Bekanntgabe der Ergebnisse des dritten Quartals des laufenden Geschäftsjahres bekanntgegeben, dass er sich von der gesamten Sparte der Turboprop-Regionalflugzeuge sowie von seinen Ausbildungs- und Trainingsktivitäten trennen wird. Erst im Frühjahr dieses Jahres hatte Bombardier die Mehrheit an dem selbst entwickelten C Series-Single-Aisle-Jet an Airbus übergeben. Seit Juli dieses Jahres sind die beiden C Series-Jets CS100 und CS300 bei Airbus in der Konzernbilanz gelistet und wurden in Airbus A220-100 und Airbus A220-300 umbenannt.

Käufer sind schon zur Stelle

Käufer für die beiden Konzernfirmen hat Bombardier bereits gefunden. Das Dash 8-Programm wird an die Longview Aviation Capital Corporation für nur 300 Millionen US-Dollar (264 Millionen Euro) verkauft. Longview Capital hat bereits die Produktionsrechte für die DHC-6 Twin Otter sowie die Rechte an den Wasserbombern Canadair CL-215 und CL-415 von Bombardier erworben und in ihre Firma Viking Air Ltd. eingebracht.

Austrian Airlines ist mit 18 Flugzeugen einer größten europäischen Nutzer der Bombardier Q400-Regionalflugzeuge. © Paul Kaps

Austrian Airlines ist mit 18 Flugzeugen einer größten europäischen Nutzer der Bombardier Q400-Regionalflugzeuge. © Paul KapsDer Verkauf beinhaltet neben der Übertragung der Produktionsmittel und -werkzeuge auch sämtliche Lizenzen, Zulassung und Rechte an den Flugzeugen der de Havilland Dash 8-Familie inklusive der Dash 8-100, -200, -300 und -400. Eingeschlossen sind auch sämtliche Serviceaktivitäten des Konzerns für diese Muster.

Da der Verkauf noch von den Kartellbehörden genehmigt werden muss, wird eine Übertragung der Rechte nicht vor Mitte des nächsten Jahres erwartet. Damit hat Bombardier im Bereich Flugzeugbau nur noch die Rechte an der CRJ-Regionaljet-Familie und an seinen Learjet-, Challenger- und Global-Geschäftsreisejets.

Im Gegensatz zu Bombardier sieht Longview Aviation die Zukunft der Q400-Familie positiv. David Curtis, der Hauptgeschäftsführer (CEO), von Longview, sagte: „Die Dash 8-Turbprop stellt die ideale Ergänzung unseres Portfolios von Spezial-Turboprop-Flugzeugen der Typen Twin Otter und Canadair CL-215- und CL-415-Wasserbombern dar. Wie sehen einen enormen Wert im de Havilland Dash 8-Programm. Diese Flugzeug sind überall auf der Welt gefragt!“

Longview will das Programm bis mindestens 2021 an seinem angestammten Standort in Downsview belassen. „Wir bekennen uns sehr klar zu einem Busines-as-usual-Ansatz. Es wird keine Produktionsunterbrechungen, keine Verschiebungen der Auslieferungen und keine Probleme beim Kundendienst geben“, versprach Curtis.

CAE kauft die Trainingsfirma

Die Bombardier-Trainingstochter, die neben der Ausbildung von Piloten und Flugzeugbesatzungen auch technisches Training für Bombardier-Flugzeuge anbietet, hat der Konzern an das kanadische Ausbildungs- und Trainingsunternehmen CAE verkauft. Der Wert der Firmenübergabe liegt bei 645 Millionen US-Dollar (568 Millionen Euro).

Durch die Verkäufe fallen bei Bombardier in den nächsten 12 bis 18 Monaten rund 5.000 Stellen weg – die aber zum großen Teil dafür bei Longview Aviation dazukommen. Bombardier rechnet durch den Verkauf seiner beiden Tochterfirmen mit Kosteneinsparungen von rund 250 Millionen Dollar pro Jahr.

Der Bombardier-Konzern plant nun, eine neue, zentrale Entwicklungsabteilung (Advanced Technologies Office/ATO) ins Leben zu rufen, wo alle Technologie-Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten zusammengefasst werden sollen. Der Konzern hofft so auf einen einfacheren Technologie-Transfer zwischen dem verbliebenen Flugzeugbau-Sektor und den Schienenverkehrsabteilungen des Konzerns. Diese werden künftig eine deutlich stärkere Gewichtung im Konzern haben.

Bob Fischer

 

 

Folgen Sie uns auf Twitter
Liken Sie uns auf Facebook

 

 

Schon gelesen?

Bombardier verkauft drei Dash 8 Q400 an die PassionAir

Flybe konzentriert sich auf die Bombardier Q400

Frankreich bestellt sechs Q400 als Feuerlöschflugzeuge

Über Bob Fischer

zum Aerobuzz.de
Bob Fischer ist PPL-Inhaber mit diversen Ratings. Er veröffentlicht regelmäßig Beiträge in Luftfahrtmagazinen auf der ganzen Welt. Bob hat eine große Erfahrung in Air-to-air-Fotografie mit Jets, Kolbenmotor- und Turbopropflugzeugen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.